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Jaguar X-Type 2.2 D: Ein pummeliges Raubkätzchen

Frontantrieb, Dieselmotor und ein bisschen pummelig: Der X-Type verkörpert auf den ersten Blick keine klassischen Jaguar-Tugenden. Doch der Preis stimmt. Und an der Zapfsäule hält der Brite, was er verspricht.

Reden wir nicht drum herum: Der X-Type sieht aus wie ein zu heiß gewaschener XJ. Die Front mit den runden Doppelscheinwerfern und dem Maschengrill versprüht ein bisschen aristokratische Noblesse und sieht gleichzeitig knuddelig aus ein Baby-Kätzchen mit edlem Stammbaum, dem man die technische Verwandtschaft zum grundsoliden Ford Mondeo keineswegs als Nachteil ankreiden sollte. In der Seitenansicht wirkt die Karosse ein wenig gequetscht, was allerdings die Länge von 4,7 Metern (soviel wie ein Audi A4 und länger als eine Mercedes C-Klasse) geschickt kaschiert.

Das Interieur hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Ledersitze mit gesteppten Nähten sind auch auf langen Strecken bequem und das Platzangebot trotz der nicht sehr üppigen Kniefreiheit gut. Einige Plastikblenden und Schalter wirken dagegen nicht besonders edel und Details wie das an die Kofferraumklappe geklatschte Warndreieck verdienen das Prädikat lieblos.

Die Steuerung der Klimaautomatik mit dem winzigen Digital-Display ist schlecht einzusehen. Der Kofferraum hat eine schmale Ladeöffnung und ist recht niedrig, aber länger als man auf den ersten Blick sieht. 452 Liter passen hinein, soviel wie beim BMW 3er, aber weniger als beim A4 oder der C-Klasse. Unschön: Der Öffnungsknopf für die Ladeluke unter der hinteren Zierblende verschmutzt schnell. Bei Schmuddelwetter sind ohne Handschuhe damit dreckige Fingerkuppen vorprogrammiert.

Britische Eigenheiten

Das optionale Navigationssystem mit Touchscreen-Bedienung ist zwar übersichtlich und einfach zu bedienen. Doch bei vielen Konkurrenten gibt es ausgefeilte Fernbedienungssysteme mit besserer Bilddarstellung und deutlich mehr Funktionen. Der Bildschirm ist außerdem zu weit unten platziert. Praktisch sind die kleinen Schieberäder am Lenkrad, mit der man Tempomat und Radio bedienen kann. Auf Dauer nervt allerdings der Sendersuchlauf, bei dem man das Rädchen mehrere Sekunden lang gedrückt halten muss, bis der Sender wechselt.

Der kleine Jaguar fährt sich erfreulich agil und sicher. Abgesehen vom lauten Abrollgeräusch der Reifen und der um die Mittellage herum zu unpräzisen Lenkung gibt es nichts auszusetzen. Der Vierzylinder-Dieselmotor hat 2,2 Liter Hubraum, leistet 107 kW/145 PS, entwickelt schon unter 2000 Touren ein Drehmoment von 360 Newtonmetern und ist entweder mit Sechgsgang-Schaltgetriebe oder Sechsgang-Automatik kombiniert. Der Automat nimmt dem Motor zwar etwas an Schärfe, schaltet aber weich und ruckfrei.

Der Antritt ist standesgemäß sehr ordentlich, und die gefühlte Beschleunigung ist schneller als die gemessenen 9,9 Sekunden. Schluss ist bei 215 km/h. Leistungsreserven stehen reichlich zur Verfügung, erst bei hohem Autobahntempo beginnt das Aggregat zu schwächeln. Im kalten Zustand gibt sich der Motor etwas raubeinig, in der Regel freut man sich aber über die angenehme Laufruhe.

Nicht nur vorgetäuscht

Der Durchschnittsverbrauch von 6,9 Litern (Schaltgetriebe: 6 Liter) pro 100 Kilometer ist zwar höher als bei den Zweiliter-Dieseln BMW 320d (4,8 Liter) oder Audi A4 2.0 TDI (5,3 Liter) - doch er steht nicht nur auf dem Papier. Statt 6,9 Liter lautete der Durchschnittsverbrauch unseres Testwagens bei Testende 6,4 Liter, und selbst wenn man auf der Autobahn flott unterwegs ist, bleibt der Durst mit 7 bis 7,5 Litern erträglich. Bei sparsamer Fahrt sind 5,5 bis 6 Liter machbar.

Der kleinste Jaguar kostet mit Dieselmotor 31.500 Euro in der Basisversion Classic und 37.200 Euro in der Executive-Ausstattung. An Bord sind dann unter anderem Nebelscheinwerfer, ESP, elektrische Fensterheber, CD-Radio, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Klimaautomatik, Lederpolster mit Sitzheizung, Lederlenkrad mit Fernbedienungstasten, Tempomat und die Einparkhilfe hinten.

Damit kann sich der Jaguar preislich gut gegen die Konkurrenz behaupten. Ein BMW 320d (130 kW/177 PS) etwa ist nicht unter 32.700 Euro zu haben, der A4 2.0 TDI (105 kW/143 PS) will mit mindestens 30.400 Euro bezahlt werden und der C 220 CDI (125 kW/170 PS) mit 35.253 Euro.

Sebastian Viehmann / Press-Inform
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.