Kia Sportage Der Reihenhaus-Tarzan


Klasse! Am Steuer des Sportage wird man endlich ernst genommen. Zum Beispiel von der Polizei. Wann wird man schließlich mit Blaulicht angehalten und im zweiten Satz nach dem Preis des Autos gefragt?

Beim BAT-freundlichen Einstiegspreis des Geländehüpfers stimmt die Welt für die Streifenpolizisten. So macht der Kontakt mit den Freunden in Uniform wieder Laune, gern vergisst man, dass der erste Satz sich auf ein ernsthaftes Verkehrsdelikt bezog.

Dicke Reifen, dicke Hose. Diese Gleichung stimmt beim Sportage sofort. Kommt man mit einem Korea-Kombi um die Ecke gerauscht, fragen die Nachbarn doch glatt, ob es im Job nicht mehr so läuft. Diese Befürchtung ist bei einem SUV ganz und gar überflüssig. Der Sportage wird ehrfürchtig durch die Gardinen hindurch ausspioniert. Neid statt Schadenfreude. Mehr kann der Soziologe von einem Wagen nicht erwarten, dessen Preisliste bei bescheidenen 18.000 Euro beginnt.

Der kleine Bruder

Der Sportage ist nicht nur etwas kleiner als der Sorento, er rollt auch etwas verspeckter vom Band. Im Vergleich zum Namensvorgänger ging zwar jede Menge Asia-Barock über Bord. Für die Begriffe "schlank und makellos" müsste der neue Sportage ein zweites Mal unters Messer. Der Grill bollert vorne mächtig los, rundum schwappt der Kunststoffschutz um den Wagen. Hinzu kommt eine gewisse Beliebigkeit der Form, dem Sportage fehlt das Unverwechselbare, im Vergleich mit dem fast baugleichen Hyundai Tucson. Dafür trumpft er mit den hoch begehrten rohen Geländereizen mächtig auf. Nett wirken die zwei rechteckigen Auspuffendrohre links und rechts und die serienmäßige Dachreling. Der 4,35 Meter lange und 1,73 Meter hohe Sportage wirkt trotz Allradantrieb nicht wie bulliger Geländewagen.

Nichts fürs Hardcore-Gelände

Stramm und hochbeinig steht er da, bereit seinen Besitzer über die schlimmsten Schlammlöcher und Waldpisten wohlbehütet ins geheizte Büro zu bringen. So ein optisches Versprechen macht den eigenen Wagen so sympathisch, dass man den netten Kerl niemals vom festen Asphalt lassen würde. Trotz Bodenfreiheit und permanentem Allradantrieb bekommt man keinen Tausend-Sassa für Amazonien. Der Sportage besitzt eine selbst tragende Karosserie mit Einzelradaufhängung. Statt echter Geländetechnik mit Getriebeuntersetzung oder Differenzialsperren gibt es eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, die die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. In Normalbetrieb läuft der Sportage als normaler Fronttriebler, bei Bedarf gibt es Traktion durch die Hinterräder.

Perfekter Innenraum

Punktet der "City-Roader" von außen mit gelinder Dschungeltauglichkeit, zeigt er sich innen ganz geschäftsmännisch. Qualität und Verarbeitung des Innenraums in der Lederausstattung rauben schlicht den Atem. Zumindest, sobald man sich den Preis in Erinnerung ruft. Zu den Luxuskarossen der Premiumanbieter ist es noch ein Stückchen hin, in seiner Preisklasse beeindruckt der Sportage. Wie immer bei KIA kann man nicht zwischen tausenderlei Dekoren wählen, dafür wackelt und klappert aber nichts. Konzeptionell erfindet der Innenraum das Rad nicht neu, doch im Alltagsbetrieb zeigt sich, wie ausgeschlafen der Koreaner konzipiert wurde. Das Umlegen von Rückbank und Beifahrersitz geht leicht von der Hand. Im Innenraum kann man den Sportage als ganz harten Lademeister verwenden. Unverwüstliche Kunststoffpanzer schützen die Rückseiten des Gestühls und decken die Spalten ab. Durch das Einklappen und Versenken der Rückbank entsteht eine 1,64 Meter lange, ebene Ladefläche, die sich noch verlängern lässt, da die Beifahrersitzlehne nach vorn umgeklappt werden kann.

Manierliche Fahrsitten

Die Auflageflächen der Sitze sind nicht allzu lang, die Sitze nicht besonderes körperbetont. Aber was soll es? Der Sportage-Fahrer dominiert die Landstraße mit dem erhabenen Blick des King of the Roads, wer braucht da Rallye-Gestühl? Allein das Lenkrad liegt ziemlich mager in der Hand. So ein Wagen bräuchte keinen Spaghetti-Kranz, sondern Landwurstdimensionen. Dafür gibts Platz satt für alle Passagiere, für Familienreisen dürfte der Wagen sich bestens eignen. Dass der Sportage Straßen und Kurven in gemütlicher Big-Foot-Manier und nicht im Monte-Carlo-Stil hinab walzt, versteht sich von selbst, stört den Fahrer aber nicht besonders. Auf breiten Gummis geht es wohlgemut und frisch voran. Zwischen Fahrer und Fahrbahn liegt jede Menge Auto und das ist gut so. Wer es bretthart und direkt mag, sollte woanders Platz machen. Insgesamt zeigt sich Sportage aber willig und geschmeidig, vernünftig gefahren, meistert der jede Kurve.

V6 mit V4-Power

Der 2,7-Liter V6-Motor liefert 175 PS, das wäre für einen Vierzylinder ein achtbarer Wert. Warum dafür unter der Haube fast drei Liter Hubraum aufgeboten werden, bleibt ein Mirakel. Einen Leistungsbullen möchte man den Sportage nicht nennen, immerhin geht es schnurrig und leise zur Sache und das in ausreichender Geschwindigkeit. Der Fahrzeugtyp erzeugt zudem ein Plus an "gefühlter Geschwindigkeit", so dass es einen an nichts mangelt. Auch mit Vollausstattung bleibt der Sportage V6 LX mit 28.890 Euro in einer Preisklasse, in der die Kunden nicht vollkommen kostenresistent sind, günstiger im Verbrauch wäre natürlich der 2,0-Liter Vierzylinder Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 113 PS (ab 23.590 Euro).

Vielseitigsfahrzeug

Ob auf der Reise oder in der Stadt mit dem Sportage ist man gut und gern unterwegs. Ein Wagen, der sich keine Schwächen leistet. Sehr gut hat die Verarbeitung gefallen und das entspannte Fahrgefühl. Auch wenn der Sechszylinder zu den Zwergen seiner Klasse gehört, bietet der Sportage viel Auto und sehr viel Ausstattung fürs Geld. Außerdem mag in jeder. Zumindest Polizisten. Das Ticket ist bis heute nicht gekommen.


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