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Mercedes-Benz GL 320 CDI: Wenn es ein bisschen mehr sein darf

In Zeiten der überhitzten Klimadiskussion traut man sich kaum, für einen SUV die Lanze zu brechen - erst recht nicht für einen wie den GL 320 CDI von Mercedes. Aber sündigen war nun mal schon immer lustvoller.

In Amerika ist bekanntlich alles größer. Die Big-Mäcs sind wirklich, wirklich big. Der Himmel endlos. Die Highways reichen bis zum Horizont. Und das Ego wird allenfalls noch von der Bundweite der Jeans übertroffen. Kein Wunder also, dass den Amerikanern ein für uns Alt-Europäer schon üppig dimensioniertes Auto wie der Mercedes ML eigentlich zu mickrig ist. Wie soll man da die Kids der Nachbarschaft zum Baseball fahren? Oder die Strohballen zur Weekend-Ranch? Bei Mercedes-Benz hat man sich das Gegrummel der kaufkräftigen US-Kundschaft nicht lange angehört - und mit dem GL einen Sternenkreuzer der Big-Mäc-Klasse auf die Räder gestellt. Und das Gute daran: Mit ihm kann man sich auch auf unseren Straßen dem American Way of Drive hingeben. Wenn man es sich leisten kann. Und enge Parkhäuser meidet.

Lust mit der Last

Denn mit satten 5,088 Metern Länge ist der GL ein paar Haarbreit länger als das Flaggschiff der Schwaben, die S-Klasse. Diese Dimensionen sind es, die den GL zu einem verkappten Luxuslaster machen. Sie verhelfen ihm zu einem Laderaum, in dem ein kleines Sinfonieorchester auftreten könnte - wenn nur der Hall nicht wäre. Zugegeben: Ganz so üppig ist der GL dann doch nicht. Aber wer ohne die versenkbare (und aufpreispflichtige) dritte Sitzreihe auskommt, der hat einen riesigen Kofferraum von 620 Liter Volumen immer dabei. Und wer auch noch auf die zweite Reihe verzichten kann, gar 2300 Liter. So was firmiert anderswo unter dem Begriff Kleinlaster.

Besonders erfreulich dabei: Die Wandlung vom Bus für Sieben zum Großraumwunder ist denkbar luxuriös. Ein Knopfdruck - und die hinteren Sitze verschwinden automatisch im Boden. Übrig bleibt eine ebene Ladefläche, die sich durch die riesige, ebenso per Knopfdruck auf- und zuschwingende Hecktür ohne Kraftakt beladen lässt. Wer statt Kisten lieber den umfangreichen Freundeskreis auf große Fahrt mit nimmt: Alle sieben Plätzen bieten reichlich Platz, auch auf langen Strecken. Die dritte Reihe ist beim GL keineswegs nur ein vollmundiges Versprechen der Marketingabteilung.

Der große Motor ist der kleine Motor

Was das Reisen mit dem Schwaben aus Amerika zudem so angenehm macht: Motor, Getriebe und Fahrwerk passen ideal zusammen - schon beim "kleinen" Diesel, dem 320 CDI. Der Motor läuft seidenweich, flüsterleise und nahezu vibrationsfrei. Seine Leistung von 165 kW/224 PS reicht mehr als aus, um die 2,5 Tonnen Dickschiff jederzeit flott und zügig voran zu bringen. 210 km/h Spitzengeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,5 Sekunden sind erstklassige Werte.

Die erkauft man sich in der Realität allerdings nicht mit dem bei Mercedes offiziell angegebenen Verbrauch von durchschnittlich 9,8 Liter auf 100 km. Das würde einem CO2-Ausstoß von 264 g/km entsprechen - relativ wenig für solch einen Koloss. Jeder windschnittige 911er schickt mehr CO2 in die Umwelt als diese fahrende Schrankwand mit dem GL am Heck.

Zuviel zur Theorie - bei Porsche und Mercedes. Tatsächlich kam unser Testfahrzeug bei den knapp 1200 gefahrenen Testkilometern auf einen Schnitt von 14 Liter. Und beileibe nicht nur mit Vollgas: Unsere durchschnittliche Geschwindigkeit lag laut Bordcomputer bei 83 km/h.

Nichts für Raser

Schon das zeigt, dass wir eher als Genießer unterwegs waren. Was der Charakteristik des GL ohnehin am besten entspricht. Serienmäßig kommt er mit einer siebenstufigen Automatik, die entweder per Hand über Tasten am Lenkrad gesteuert wird oder über den Automatikhebel, der ebenfalls am Lenkrad liegt. Die Stufen schalten seidenweich und passgenau, der Allradantrieb sorgt für beste Traktion.

Und für eine Geländegängigkeit, die nicht nur werbewirksam im Prospekt steht. Das in Deutschland serienmäßige Offroadpaket sorgt dafür, dass man den GL je nach Gelände mit einem Schalterdreh bis auf 30 Zentimeter Bodenfreiheit höher legen kann. Das sorgt beim nächsten Hochwasser für 60 Zentimeter Wattiefe. Mit an Bord sind auch Sperren für Mittel- und Hinterachsdifferential, elektronische Traktionsregelung, Bergabfahrhilfe und mehr - besser kommt man auch mit einem Landrover nicht durchs Gelände. Kleine Flüsse, Geröll- und Schlaglochpisten - alles kein Problem für den GL.

Aber auch in der Stadt schlägt er sich trotz der wuchtigen Maße weit besser als erwartet. Sicher: Kein öffentlicher Parkplatz, den er nicht ein Stückweit überragen würde. Aber entgegen der anfänglichen Erwartungen sind wir mit ihm selbst im Wochenendverkehr nicht wirklich in Parkplatznot geraten. Zu dieser positiven Erfahrung trug maßgeblich die erstaunlich gute Handlichkeit des Kolosses bei - eine normal dimensionierte Mittelklasselimousine wäre auch nicht entspannter unterwegs.

Und schwerlich komfortabler. Das Fahrwerk ist beim europäischen GL erfreulich straff angestimmt und die serienmäßige Luftfederung Airmatic sorgt zusammen mit dem adaptiven Dämpfungssystem dennoch dafür, dass der GL weich über Bodenwellen und Straßenfugen hinweg schwebt.

Umsonst gibt es auch hier nichts

Innen geht es ähnlich komfortabel zu - schier ohne Ende lässt sich der GL aus dem Aufpreiskatalog zum S-Klasse Kombi hochrüsten. Leder und edle Materialien, wohin das Auge blickt, selbstredend hochklassig verarbeitet. Die Sitze sind körpergerecht einstellbar auch für Großgewachsene. Klimaautomatik und Panoramadach sind an Bord, Bremsassistent und acht Lautsprecher. Was auch immer - irgendwo in der langen Liste ist es zu finden. Mit einem üppig bemessenen Euro-Betrag daneben.

Das ist denn auch die wenig überraschende schlechte Nachricht bei all den überraschend guten: Alles hat seinen Preis. Auch, wenn der 320 CDI die preiswerteste Möglichkeit ist, GL zu fahren: 65.331 Euro werden mindestens fällig - satte 15.000 Euro mehr als für einen annähernd vergleichbaren Audi Q7 3.0 TDI. Dabei ist es kein Problem, den GL - sinnvoll - auf 80.000 und mehr Euro zu puschen. Damit hat man dann aber auch den besten GL - die anderen Modelle kosten nicht weniger. Und bieten außer mehr Kraft dann nur die Basisversion.

Pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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