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Mini Clubman: Auto mit Arschgeweih

Kann man einen Wagen wegen seiner Hecktürchen kaufen! Na klar, wenn man den neuen Mini sieht. Platz wie in einem anderen Kombi gibt es nicht, aber schicke Einfälle. Beim Clubman darf es gern ein Scheibchen mehr sein.

Von Gernot Kramper/Madrid

I’m bringing sexy back, Timberlake dröhnt aus dem Boxen. Dann springen Aerobic-Grazien im 80er-Sportstrudieolook auf der Leinwand herum, die synchron mit den Mini-Türen ihr sexy Becken vorwärts schieben und auch noch die Schenkel schmachtend öffnen müssen.

Ja, die Hits von gestern. Beim Mini hat man schon immer mit Geschick die Vergangenheit geplündert und den Raubzug dann als kreative Meisterleitung verkaufen können. Auch der lang erwartete Clubman bleibt dem Retro-Muster treu. Zum Glück. Genaugenommen ist der klassische Mini in dieser Version zu einem Mini-Kombinchen mit wenig mehr Platz, aber viel Schick avanciert. So sollte es sein, schließlich wollte man ja nicht dem Ford Focus Turnier Konkurrenz machen.

Feuerwerk der Eitelkeiten

Es wäre kein Mini, wenn das Wägelchen nicht mit Einfällen aufwarten könnte, die man gern "kultig" und ungern "praktisch" nennt. Haupt-Unterscheidungsmerkmal ist die mittig geteilte Hecklappe, die sich nach symmetrisch nach links und rechts öffnen lässt. Geradezu niedlich, denn die Türchen sind ja kaum größer als bei einem Koffer. Und jede Menge Ingenieursschweiß ist in diesen gestylten Nachbau einfacher sechziger Jahre Technik geflossen, damit die Rückleuchten – wie es heute verlangt wird - jederzeit nach hinten leuchten können. Die Sicht aus den Innenspiegel wird durch die Mittenstreben der Türen vollkommen ruiniert, aber egal: Das Heck sieht wunderbar aus. Das Mega-Gimmick für Besserverdiener ist die kleine Klapptür an der Beifahrerseite. Man öffnet die Beifahrertür und das gegenläufige Rücktürchen, schon bietet sich eine prächtige Ansicht auf die kuschelige Rückbank. Sicher ist es viel leichter jetzt nach hinten zu gelangen als bei einem reinen Zweisitzer.

Praktischer geht es einem richtigen Viertürer. Beim Ein- und Ausstieg muss nämlich die richtige Reihenfolge bedacht werden, denn die Tür gibt es ja nur auf einer Seite. Und der rückwärtige Passagier kann nur mit gewaltigen Verrenkungen beide Türen wieder schließen. Vielleicht hat man daran gedacht, als man bei Mini von den Einflüssen des Rückabteils des Rolls Royce raunte. Die Queen muss schließlich auch nicht die eigene Tür schließen. Im Fond sitzt es sich sehr abgeschottet, denn die Seitenscheiben lassen sich nicht herunterfahren und auch nicht nach außen klappen. Mit dem großen Sonnendach kann man dafür den Himmel auf sich wirken lassen.

Das Beste zum Schluss

Äußerlich hält sich die Überraschung in Grenzen. Die Front ist mit dem Standart-Mini identisch, das Heck ein schöner Spaß und die Seitenansicht sicher nicht besser, als bei der Kurz-Variante. Aber was zählen kleinliche Bedenken: Mit dem Clubman gelingt es Mini mal wieder ein Fahrzeug aus dem Ärmel zu ziehen, das im eng besetzen Fahrzeugmarkt keinen Konkurrenten hat. Und das zudem mit originellen Details punktet, auf die auch noch niemand gekommen ist. Höchst erfreulich auch, dass der Fahrspaß in der getesteten Cooper S Version nicht fühlbar gelitten hat. Es mag einen messbaren Unterschied zum "kleinen" Mini geben, erfahrbar ist die Differenz kaum. Zumal mit der "S" auch für den langen Mini genug Dampf unter der Haube hat. Wer Fahrspaß und Bewusstsein versöhnen möchte, der darf zum Spar-Clubman greifen. Das Klimamodell mit einem Verbrauch von 4.1-Liter Diesel auf 100 Kilometer braucht sich im CO2-Wettbewerb nicht verstecken.

Noch mehr Anders-Sein

Sicher ist, dass auch dieses Modell den Händlern aus den Händen gerissen wird. Der Clubman ist größer, flexibler und noch ein wenig origineller als der gewöhnliche Mini. Nur ein Lademeister ist es natürlich nicht. Mag sein, dass man zu zweit mehr Gepäck und auch Ausrüstung für den von der Mini-Werbung verlangten aktiven Lebensstil unterbringt, aber der Zuwachs findet auf bescheidenem Niveau statt. Erst wenn man die beiden Einzelsitze im Fond umklappt, vergrößert sich der Nutzraum von 260 auf bis zu 930 Liter. Minis lügen nicht, also wird es schon stimmen, dass man ein Mountainbike unterbringen kann. Aber wenn man regelmäßig zu zweit zum Radeln heraus will, ist der Clubman sicher nicht die rationale Lösung für diese Transportaufgabe. Wenig bescheiden geriet die Preisgestaltung. Das Einstiegsmodell Clubman Cooper (120 PS) kommt auf 19.900 Euro. Die Diesel- und Cooper S-Versionen auf 21.600 bzw. 23.900 Euro. Die Serienausstattung ist begrenzt, wer das Lifestyle-Versprechen wahr machen möchte, muss entsprechende Mehrkosten einplanen. Wenigstens das elektronische Stabilitätsprogramm DSC gibt es jetzt als Serie.

Programmierter Erfolg

Dennoch mit dem Clubman hat Mini nachgelegt: Von allem hat er ein wenig mehr: Flexibilität, Komfort hinten und Kofferraum – und dazu ein originelles Lifestyle-Konzept. Wer hätte das gedacht. Und die Preise die Mini-Kunde und Kundin seit Jahren klaglos akzeptieren, zeigen deutlich, dass der Styling-Gokart nicht allein mit den Möglichkeiten des Verstandes gemessen werden kann.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.