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Mini Cooper S: Das S für alle Fälle

Ein Rad in jeder Ecke, kaum erwähnenswerte Karosserieüberhänge, eine breite Spur und ein langer Radstand - typisch Mini eben. Oder doch nicht? Erst auf den zweiten Blick outet sich der Mini Cooper S als Kraftpaket.

Ein Rad in jeder Ecke, kaum erwähnenswerte Karosserieüberhänge, eine breite Spur und ein langer Radstand - typisch Mini eben. Oder doch nicht? Erst auf den zweiten Blick outet sich der Mini Cooper S als Kraftpaket. Die ausführliche Cooper-S-Fotoshow

Minimales Wachstum

Geht man dem nagelneuen Cooper S auf den Grund, zeigt sich schnell, dass der rasende Brotkasten nicht irgendein Mini ist. Er ist vielmehr die Essenz aus Mini Cooper und Mini One. Ein exklusives Kraftpaket eben. Dem Otto-Normal-Auge verschlossen bleibt der Größenunterschied. Der Cooper S ist, dank wuchtiger Stoßfänger, knapp drei Zentimeter länger als seine braven Geschwister. Unübersehbar jedoch die breite Lufthutze, die die Mini-Entwickler ihrem Schützling in die Motorhaube gehackt haben, um den Kompressor-Motor artgerecht zu beatmen. Genau genommen ist der Cooper S also ein Nasenloch mit viel Mini drumherum. Weiter sind es noch seitliche, verchromte Lufteinlässe und ein ebenfalls silberfarben glänzender Tankdeckel, die den »S« als Krone der Mini-Schöpfung ausweisen.

Leckere Farben

Wie schon bei den anderen Mini-Modellen sind vor allem die Außenfarben echte Hingucker. Neben den sechs Mini-Grundfarben ist die »S«-Garderobe noch um Electric Blue Metallic und Dark Silver Metallic erweitert worden. Mein Tipp: Electric Blue Metallic, weiße Alufelgen und ein weißes Dach ...

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Edle Zutaten

Beim Sturz in den Innenraum - der Mini ist der Straße nun mal näher als dem Himmel - wird dann offensichtlich, warum ein Cooper S bis zu 5.000 Euro teurer sein kann als ein Mini Cooper. Einstiegsleisten aus Alu, natürlich mit dem roten »S« verziert, und edle Türverkleidungen wirken im Vergleich zu den Rest-Minis hochwertiger. Das gebürstete Aluminium, das auf den ersten Blick das Armaturenbrett verhüllt, entpuppt sich als Luftnummer. Kurzes Klopfen mit dem Finger outet das vermeintlich edle Material als schnödes Plastik.

Gute Sitze

Platz findet man in wohlgeformten Sportsitzen, deren hohe Seitenflanken man in schnell »durchcooperten« Kurven nicht mehr missen möchte. Unerbittlich zeigte sich Mini bei der Sitzverstellung. Noch immer muss man sich mit den beiden »Zieh-Drück-Hebelchen« anlegen, die über die Position der Rückenlehne wachen. Sehr unbefriedigend... Bezeichnet man den üblichen Mini-Innenraum als gut sitzenden Anzug von der Stange, war beim Cooper S ein echter Edel-Schneider am Werk. Der »S« sitzt perfekt.

Zwangsbeatmung

Ein Dreh am runden Mini-Schlüssel entlockt dem Vierzylinder keine Wunderdinge. Klingt eigentlich kaum anders als ein Serien-Cooper. Das ändert sich jedoch schlagartig, sobald man das 3.655 Millimeter lange Wägelchen in Bewegung setzt. Sofort dringt ein heiseres Pfeifen ans geübte Mini-Ohr, das wenig später vom hochfrequenten Gebrummel der 16 Ventile übertönt wird. Schuld an der geänderten Geräuschkulisse ist der mechanisch angetriebene Kompressor, der seine Frischluft aus dem Loch in der Motorhaube bezieht. Dank der Zwangsbeatmung kommt das Mini-Motörchen auf erstaunliche 163 PS (120 kW).

Schlapp im Drehzahlkeller

Das Kompressor-Konzept dürfte für »S«-Neulinge vor allem beim Ampelstart kurzzeitig für Überraschungen sorgen. Füttert man, in Erwartung des recht drehzahlfaulen Mini-Serientriebwerks, den Cooper S an der Ampel mit zu viel Gas, muss man sich über zwei tiefschwarze Asphaltspuren nicht wundern. Der Kompressor liefert, anders als ein Turbolader, seine Leistung schon bei niedrigsten Drehzahlen brav in Richtung Getriebe und somit an die Straße aus. Den daraus resultierenden Traktionsmangel können dann auch die bis zu 17 Zoll großen Räder nicht mehr verhindern. Ohne das spendable Spiel am Gasfuß jedoch, wirkt der kleine Kraftmeier in den unteren Drehzahlregionen etwas schlapp.

Ein Fahrwerk für die Ewigkeit

Richtig interessant wird es erst ab knapp 3.500 Umdrehungen pro Minute. Ohne Murren zieht das kleine Kraftwerk, von den serienmäßigen sechs Gängen bestens dirigiert, den 1.140 Kilo schweren Mini über Stock und Stein. Obwohl der »S« auf freier Strecke 218 Stundenkilometer erreicht, giert das überarbeitete Fahrwerk nach der eiligen Kurvenhatz. War schon das Basis-Fahrwerk über jeden Zweifel erhaben, so haben sich die Mini-Konstrukteure beim »S« selbst übertroffen.

Kurven-Künstler

Der quietschenden Sprung um die Ecke macht nachhaltig glücklich, und man fragt sich tatsächlich, wie man jemals wieder ohne Cooper S um eine Kurve fahren will. Zu keiner Zeit zeigt sich der bodennahe Flitzer mit den 163 PS überfordert, im Gegenteil. Fängt der »S« bei allzu schneller Kurvenfahrt endlich an, über die Vorderräder zu schieben, hat man bereits eine Menge Arbeit hinter sich. Über 200 PS? Das Mini-Fahrwerk wäre damit garantiert ebensowenig überfordert wie Bremsen und Lenkung.

Dann würden vielleicht endlich auch der elektronische Schleuderverhinderer DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle) und die Traktionskontrolle Sinn machen. So sind sie einfach nur eine Beleidigung für dieses Fahrwerk.

Fazit

Der Cooper S ist der unangefochtene Chef in der Mini-Familie. Dank Zauber-Fahrwerk und kräftigem Motor mutiert der »Kleine« zur günstigen Sportwagen-Alternative. Eine echte Fahrmaschine ist der »S« aber dennoch nicht. Dafür fehlen ihm schlicht ein hubraumstarker Motor und einige Pferdchen unter der Haube. Mindestens 19.800 Euro muss man an BMW überweisen, um in den »Genuss S« zu kommen. Damit sollte es dann fast getan sein, sofern man auf Annehmlichkeiten wie das Panorama-Schiebedach, 17-Zoll-Paket und Stabilitätskontrolle verzichten kann.

Von Jochen Knecht

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