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Nachruf

Formel-1-Legende gestorben: Niki Lauda, der Kämpfer mit der roten Kappe

Niki Lauda war ein Mann klarer Worte. Kuschelkurs kannte die österreichische Formel-1-Legende nicht. Dreimal krönte sich der Mann mit der roten Mütze zum Weltmeister. Ein Flammeninferno 1976 überlebte er nur knapp. Nun ist Lauda gestorben.

Formel-1-Legende Niki Lauda im Alter von 70 Jahren gestorben

Aufgeben war für Niki Lauda nie eine Option. Trotz schwerer Verbrennungen und einer verätzten Lunge überstand die Formel-1-Legende am 1. August 1976 nur wie durch ein Wunder einen Horrorunfall auf dem Nürburgring. Im Krankenhaus gab ein Priester dem Weltmeister damals sogar schon die letzte Ölung. "Ich wollte aber nicht sterben, ich wollte weiterleben", betonte Lauda 40 Jahre nach dem Flammeninferno auf der Nordschleife.

Von dem Unfall schwer gezeichnet kämpfte sich der Österreicher zurück ins Leben - und sogar wieder in ein Formel-1-Auto. Lauda leistete Widerstand, der streitlustige Mann mit der roten Mütze ließ sich einfach nicht unterkriegen. Nun ist Lauda am Montag im Alter von 70 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

Die Ärzte irrten – Niki Lauda kämpfte

Man wird ihn immer mit dieser roten Kappe in Verbindung bringen, die seinen schwer vernarbten Kopf bedeckt hat. Man wird ihn auch immer mit diesem Unfall in der "Grünen Hölle" in Verbindung bringen. Mit seinem Ferrari krachte Lauda mit über Tempo 200 gegen einen Fangzaun, der 312T2 ging in Flammen auf. Nach 55 Sekunden wurde Nikolaus Andreas Lauda aus dem Wrack gezogen. "An den Unfall habe ich keine Erinnerung. Der Aufprall war so hart, dass mir dabei der Helm vom Kopf gerissen wurde", erinnerte er sich.

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Niki Lauda bei seinem allerersten Formel-1-Rennen, dem großen Preis von Österreich.

Bei seinem allerersten Antreten in der Königsklasse, dachte noch niemand daran, dass Niki Lauda später einmal einer der größten österreichischen Rennfahrer werden würde. Beim Großen Preis von Österreich 1971 startete Lauda von der vorletzten Position und fiel aufgrund einer defekten Lenkung aus.

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Seine damalige Frau Marlene erzählte Lauda, dass die Ärzte damals nicht damit rechneten, dass er die erste Nacht überstehen würde. Sie irrten - Lauda kämpfte. Nur 42 Tage später saß er in Monza wieder im Rennwagen und wurde Vierter. "Wie kann der Depperte wieder fahren, wenn er gerade verbrannt ist?", fragte Lauda einmal stellvertretend für alle Kritiker und Zweifler. Die Erklärung lieferte er gleich hinterher. "Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheim zu sitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist."

Mit dem Mini Cooper in die Formel 1

Geboren wurde Andreas Nikolaus Lauda, genannt Niki, am 22. Februar 1949. Großvater und Vater waren wohlhabende Industrielle. Gegen die Widerstände seiner Eltern machte Lauda sein Leidenschaft zum Beruf und wurde Formel-1-Pilot. 1968 bestreitet Lauda sein erstes Rennen mit einem Mini Cooper, den er von seinem Großvater bekam. 1971 startete er zum ersten Mal in der Formel 1. Mit einzigartigem Erfolg.

Niki Lauda, 1976

08.09.1976, Österreich, Salzburg: Lauda gibt rund fünf Wochen nach seinem schweren Rennunfall auf dem Nürburgring mit vernarbtem Gesicht, Kopfbandage und Brandwunden eine Pressekonferenz.

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Nach 1975 wurde Lauda noch 1977 und 1984 Weltmeister. "Ich war ein unglaublicher Egoist damals", sagte er über seine Motorsportlaufbahn. Von 171 Grand Prix entschied der Sohn einer wohlhabenden Wiener Industriellenfamilie 25 für sich, 54 Mal raste er in der Formel 1 auf's Podium. 1985 beendete Lauda seine Karriere, sechs Jahre zuvor hatte er aber schon seine eigene Fluglinie Lauda Air gegründet.

Niki Lauda, 1977

22.07.1977, Baden-Württemberg, Hockenheim: Lauda während des Vortrainigs auf dem Hockenheimring für den Großen Preis von Deutschland.

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Ein Weltmeister mit vielen Facetten

Am 26. Mai 1991 ereignete sich erneut ein Unglück. In Thailand stürzte eine von Laudas Maschinen ab. Alle 223 Insassen der "Mozart" starben. Für Lauda war es das schlimmste Ereignis in seinem bewegten Leben. "Ich war tief erschüttert", erzählte er. Lauda fühlte sich schuldig. Erst nach mehreren Monaten wurde herausgefunden, dass es sich um einen technischen Defekt handelte.

Wir haben am Limit gelebt

Lauda stieg später vorübergehend wieder aus dem Airline-Geschäft aus. Zwischen 1993 und 1995 beriet er Ferrari, wurde TV-Experte für RTL - mit unverblümter Meinung - und dann Teamchef bei Jaguar. Im September 2012 stieg Lauda zum Mercedes-Teamaufsichtsratschef auf und erlebte mit den Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg ein Hoch, das seinesgleichen suchte. "Rote Kappe, klare und direkte Worte", benannte Motorsportchef Toto Wolff Schlagworte, die ihm zuerst zur Charakterisierung seines Landsmanns in den Sinn kamen.

Niki Lauda, 2003

28.11.2003, Wien: Lauda im Cockpit des Airbus A320 im Rahmen des Erstfluges von " flyniki " am Wiener Flughafen Schwechat

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2013 verfilmte Hollywood-Regisseur Ron Howard die Rivalität aus den 1970ern zwischen Lauda und dem Engländer James Hunt. "Rush" ist das Dokument einer vergessen geglaubten Zeit. "Wir haben am Limit gelebt", erzählte Lauda. Die damalige Generation konnte gar nicht anders, weil sie nicht gewusst habe, "wann unser Leben vorbei sein würde". Lauda mochte diesen Film.

Gesundheitliche Probleme haben ihn begleitet

Lauda hatte sich im August vergangenen Jahres einer Lungentransplantation unterziehen und lag bis Oktober im Krankenhaus. Im vergangenen Januar musste er dann wegen einer Grippe schon wieder ins Krankenhaus. Nach der Transplantation war das Immunsystem des Österreichers noch so stark angegriffen, dass die Grippe als Risiko eingestuft wurde.    

Die Lunge des dreifachen Formel-1-Weltmeisters war bereits durch seinen schweren Unfall auf dem Nürburgring vorgeschädigt. Seit dem Unglück litt Lauda an diversen gesundheitlichen Problemen. So musste er sich 1997 und 2005 auch schon zwei Nierentransplantationen unterziehen.    

Diesmal war es wirklich lang. Doch ich bin immer noch hier.

Der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" sagte das Sport-Idol nach der Lungentransplantation, der Eingriff sei für ihn schlimmer gewesen als der Unfall auf dem Nürburgring 1976. In Deutschland habe er damals zwar schwere Brandwunden erlitten, er sei aber nur einen Monat oder etwas länger im Krankenhaus gewesen. "Diesmal war es wirklich lang. Doch ich bin immer noch hier", sagte Lauda dem Blatt. Um sein Leben habe er nicht gebangt, denn er habe sich in den Händen von Fachleuten befunden. Der Schweizer Zeitung "Blick" sagt er, er sei kurzzeitig tot gewesen, aber wiederauferstanden.

Tiefe Trauer um Niki Lauda

"In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019 im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist. Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich.", schrieb eine Sprecherin der Fluggesellschaft Laudamotion im Namen der Familie Lauda. "Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle", heißt es in der E-Mail der Familie demnach weiter. "Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorgender Ehemann, Vater und Großvater. Er wird uns sehr fehlen", heißt es in der E-Mail der Familie an die Medien. Lauda hat vier Kinder aus zwei Ehen.

Auch sein ehemaliger Formel-1-Rennstall McLaren hat mit großer Bestürzung auf den Tod der österreichischen Rennlegende reagiert. "Alle bei McLaren sind tieftraurig zu hören, dass unser Freund, unser Kollege und der Weltmeister von 1984, Niki Lauda, gestorben ist", schrieb das britische Team bei Twitter.

Die Formel 1 hat mit großer Trauer auf den Tod des dreimaligen Weltmeisters Niki Lauda reagiert. "Für immer in unseren Herzen, für immer unsterblich in unserer Geschichte", twitterte die Motorsport-Königsklasse. "Die Motorsport-Gemeinschaft betrauert den verheerenden Verlust einer wahren Legende". Die Gedanken aller in der Formel 1 seien bei den Freunden und der Familie des Österreichers.

"Heute ist ein trauriger Tag für die Formel 1", schrieb Laudas ehemaliger Rennstall Ferrari am Dienstag ebenfalls bei Twitter.

"Die große Familie Ferrari erfährt in tiefer Trauer die Nachricht vom Tod des Freundes Niki Lauda, dreifacher Weltmeister, zweimal mit der Scuderia (1975-1977). Er wird auf ewig in unseren Herzen und in denen der Fans bleiben."

Martin Moravec / Philippe Schwab / fs / DPA / AFP

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