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Formel-1-Weltmeister: Brief von Nico Rosberg: Was ich von Niki Lauda gelernt habe

Mentor, Vorbild, Weggefährte: Niki Lauda war für Nico Rosberg vieles, aber besonders eine Inspiration. Im stern schreibt der Formel-1-Weltmeister über seine bewegte Zeit mit der nun verstorbenen Rennfahrerlegende.

Von Nico Rosberg

Ein schwarz-weiß Foto zeigt Ex-Formel-1-Fahrer Niki Lauda

Schöne Momente mit Niki Lauda gab es viele. Mir fällt da sofort unser erster gemeinsamer Sieg für das Mercedes-Team ein. Oder mein Sieg in Monaco, wo der Niki nach dem Rennen buchstäblich seinen Hut, das rote Kapperl, vor mir gezogen hat. Er hat immer mit einem riesen Respekt vor mir gestanden – besonders nach den paar Rennen, die so richtig herausstanden – und meine Leistungen ganz ehrlich und mit Freude anerkannt. Das war sehr beeindruckend für mich.

Gerade von Niki Lauda so gewürdigt zu werden, der immer ganz nah dran war als Mercedes-Chef, hat mir unheimlich viel bedeutet. Als ich 2016 schließlich den Weltmeister-Titel gewann, haben wir zusammen gefeiert ohne Ende. Dieser Moment gehört zu meinen absoluten Highlights mit Niki.

Unterwegs gab es natürlich auch schwierigere Momente. Etwa, als Lewis Hamilton und ich 2014 in Spa-Francorchamps kollidiert sind und mir von vielen Seiten die Schuld an dem Zusammenstoß gegeben wurde. Auch Niki hatte eine klare Haltung dazu. Das war nicht einfach für mich.

Nichtsdestotrotz: Auch in diesen Momenten war Niki immer derjenige, der versucht hat, alle Parteien zu verstehen. Er hat immer als Vermittler agiert, damit wir wieder zueinanderfinden. Das hat er sehr stark gemacht und war auch für den Team-Erfolg entscheidend. Das habe ich an Niki immer sehr geschätzt. Dass er sauer sein konnte, aber auch immer dafür Sorge getragen hat, das wir alle zusammenhalten.

Eine andere schwierige Situation war natürlich auch mein Karriereende. Für ihn und das Team war mein Rücktritt zunächst ein Rückschritt: Ich wurde gerade Weltmeister, war ein starker Fahrer und wichtig für das Team. Ich hatte nicht unbedingt Verständnis für seine Reaktion auf meinen Abtritt, aber ich konnte sie zum Teil nachvollziehen.

Die Meinungen gingen halt auch mal auseinander. Aber auch da setzte man sich einfach zusammen und ging dann wieder gemeinsam ein Eis in unserer Eisdiele auf Ibiza essen. 

Zum Tod der Formel-1-Legende: Nico Rosberg schreibt im stern über Niki Lauda

Ich muss Niki Lauda einen enormen Dank aussprechen

Es ist unglaublich, was für eine Inspiration Niki für hunderte Millionen von Menschen gewesen ist. Sein Lebensweg hat viele beeindruckt, auch mich. Wenn es jemanden gibt, der niemals aufgegeben hat, dann ist das Niki. Was er für Rückschläge eingesteckt hat. Wie er sich da wieder herausgekämpft hat. Und, schließlich, wie er wieder ganz oben stand.

Das ist beeindruckend, das ist riesig. Für diese Inspiration können wir alle dankbar sein, denn wir alle haben etwas von Niki mit auf unseren Weg genommen und werden ihn auch dafür in Erinnerung behalten.

Zum Tod der Formel-1-Legende: Nico Rosberg schreibt im stern über Niki Lauda

Nach seinem Tod versuche ich mich vor allem an die schönen Momente mit Niki zu erinnern. Gleichzeitig denke ich aber natürlich auch an seine Familie. Besonders an seine zwei kleinen Kinder. Da geht's mir kalt den Rücken hoch. Das ist derzeit wohl am bewegendsten für mich. Ich denke sehr viel an sie.

Er hat eine ganze Ära der Mercedes-Silberpfeile geprägt und maßgeblich an der heutigen Dominanz des Teams mitgewirkt. Nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Formel-1-Teams (seit 2012, Anm. d. Red.), sondern auch als Teammitglied – und das immer auf Augenhöhe.

Zum Tod der Formel-1-Legende: Nico Rosberg schreibt im stern über Niki Lauda

Niki Lauda (M.) und Nico Rosberg (r.)

Auch meine Erfolge hat er stark mitgeprägt. Daher muss ich Niki einen enormen Dank aussprechen. Für das, was er mir für mein Leben gegeben hat. Das ist riesig und ich bin sehr, sehr dankbar für ihn und seine Unterstützung. 

Niki hatte die Stärke, dass bei ihm immer die Tür offen stand und auch für ihn immer alle Türen offen standen. Er hat keine verbrannte Erde hinterlassen. "Man trifft sich immer zwei Mal im Leben", das war ein großes Motto von ihm und das hat er immer gelebt. Auch in dieser Hinsicht habe ich viel von Niki mit auf meinen Weg genommen. Ich habe sehr viel von ihm gelernt.

Danke, Niki.

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