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Motorrad-Ikonen: Die Rückkehr der alten Eisen

Motorräder sind Freiheit auf zwei Rädern. Stefan Knittel präsentiert Motorradschätze, lästert über Harley-Wellness und zeigt Schritt-für-Schritt den Weg vom Holzrahmen zu den Maschinen der Nachkriegszeit.

In den fünfziger Jahren träumte jeder junge Mann von einem Motorrad. Weil er sich kein Auto leisten konnte, lautet ein weitverbreiteter Irrtum. In Wirklichkeit waren Motorräder auch damals ein teuerer Traum. Die Möchtegern Marlon Brandos unter den deutschen Nachkriegsjugendlichen wollten Motorrad und nicht Auto fahren und haben für ihre Maschinen lange gespart.

Das Buch "Motorrad Ikonen - Technik und Design aus den Jahren 1902 –bis 1939" illustriert die Geschichte der Zweiräder. Motorradexperte und Automobilhistoriker Stefan Knittel beschreibt, wie sich aus den Anfängen mit einem holzgezimmerten Rahmen mit kleinem Verbrennungsmotor Maschinen mit Kultcharakter entwickelten. Auf 240 Seiten und mit 515 Farbfotos wurden für das Buch 50 Motorrad Ikonen aus einer Privatsammlung dargestellt.

Autor Stephan Knittel sieht diese technische Nachvollziehbarkeit der Entwicklung als roten Faden, der durch das Buch und die Jahrzehnte läuft. "Jeder kann auf den Fotos sehen, wie zu den Anfängen der Motorräder technische Lösungen funktionierten." In der Tat macht es Freude, sieht und begreift man, wie eigentlich die Kette bewegt wird. Im Vergleich von Bild zu Bild werden technische Revolutionen gut erkennbar. Am Ende glaubt der Betrachter fast, er könne ein Motorrad zusammensetzen, hätte er die Einzelteile eines Motorrades nur wie einen Bausatz vor sich.

Sehnsucht nach Freiheit

Knittel hat bewusst auf Maschinen verzichtet, die jeder kennt. Die Motorräder, die für das Buch ausgewählt wurden, sind im Originalzustand fotografiert. Keine Schraube wurde ausgetauscht, kein rostiger Tank extra poliert. "Alles ist wie damals. Die alten Eisen, die eigentlich ihre Schuldigkeit getan haben, faszinieren immer noch."

Nicht erst seit dem Kultfilm "easy rider" transportieren Motorräder die Sehnsucht nach Freiheit. Ihnen haftet etwas Nonkonformistisches, etwas Ungezähmtes an. Mit dieser Sehnsucht werden Geschäfte gemacht. Reiseunternehmer bieten auf Mallorca und Ibiza "all inclusive" Harley-Davidson Motorradreisen mit Maschine, Route und Vollverpflegung an. "Der aktuelle Harley Davidson Kult", so Knittel, "entspricht mehr einer Form von Motorradwellness als einem Abenteuer."

In den Flugzeugen von Palma sitzen Gruppen von gutbürgerlichen "best agern" in Harley-Klamotten. "Kann man alles machen", knurrt Purist Knittel, "aber mit echtem Abenteuer und Freiheit hat das wenig zu tun." Mit echten kult-Motorrädern auch nicht, möchte man ergänzen.

Very british

Der Motorradhistoriker pflegt einen anderen Zugang zu den Oldtimer- Zweirädern. Seine Liebe gilt den alten, originalgetreuen Maschinen und nicht dem kurzluftigen Effekt. Knittel kennt den Sog, den alte Maschinen entwickeln können, am eigenen Leibe. Auch er musste erkennen, was "Eskapismus" bedeutet: "Ich hatte eine Phase, da habe ich englische Maschinen gefahren und gesammelt. Das allein war nicht genug, ich trank englischen Tee, kaufte mir eine Wachsjacke und wurde "very british". Auf einem Motorradtreffen sah ich eine Gruppe Japaner mit dem gleichen Briten-Spleen. Meine englische Periode war bei diesem Anblick sofort beendet."

Born to be wild

Als Sammler und Bastler treibt sich Stefan Knittel auf Motorradflohmärkten herum. Motorradwandern auf Schotterpisten in Slowenien gehören zu Knittels privaten Highlights. Den Vorwurf, man dürfe so wertvolle Zweirad-Schätze nicht mehr auf der Rennstrecke verheizen, kontert er prosaisch: "Ich habe die Maschinen selbst bezahlt, dann kann ich damit auch Rennen fahren!"

Die Fotos aus dem Buch sind ab dem 24. November bis zum 11.April 2010 im ZeitHaus in der Ausstellung "Motorrad Ikonen" in der Wolfsburger Autostadt zu sehen. 29 Maschinen aus dem Buch stehen dort in Glasboxen. Die Maschinen sind nach Themen ausgewählt. "Mittelklasse-Motorräder" für die Individualisten aus dem Bürgertum. "Luxus-Geschöpfe" sind Motorräder aus verschiedenen Jahrzehnten, die speziell und kostspielig angefertigt wurden. "Es lebe der Sport" präsentiert Sport- und Rennmaschinen. Die beiden nachgebauten Chopper aus dem Easy Rider Film lösen immer noch "Born to be wild"-Gefühle aus.

Marina Kramper
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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