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Probefarten Audi: Hammer und Grill

250 km/h fahren, ohne schlechtes Umwelt-Gewissen? Dafür hat Audi mit einem neuen Monsterdiesel für den A8 das richtige Angebot im Regal. Selbst die Fahrt an der Abregelungsgrenze ließ den Verbrauch am Rande der 11 Liter Marke schlummern.

Von Gernot Kramper

Das Gaspedal bis zum Boden, die Nadel über 250 km/h, man hört nur ein Säuseln und der Verbrauch bleibt dezent bei 11 Litern. So macht der Luxus-Diesel Spaß. Finanziell gesehen rechnet der Minderverbrauch einen Wagen wie den A8 nicht zum Sparmobil herunter. Aber die Zukunft des Planeten liegt auch manchem Herrenfahrer am Herzen, und zehn Liter hören sich deutlich klimagerechter an als zwanzig, die ein entsprechender Benziner verspeisen würde.

Drehmoment, wo liegt deine Grenze?

Neben dem Wummermann unter der Haube, stellt Audi beim A8 das neue Markengesicht vor. Nun glänzen alle A8 mit dem markanten Singleframe-Kühlergrill. Dem großen A8 steht das Gesicht, wie zu erwarten, besonders gut. Doch die Schlacht der Giganten im bröckelnden Luxussegment wird derzeit nicht mit Chromzierrat sondern mit Diesel-Power ausgetragen. Der 4.2 TDI quattro leistet 326 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 650 Nm. Mehr ging leider nicht, sonst würde die Automatik unter der Last zerbröseln. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt, der Sprint von 0 auf 100 Km/h ist in 5,9 Sekunden beendet - das ist Sportwagenniveau. Mit diesem Motor bewegt sich das Zwei-Tonnen-Fahrzeug leicht wie eine Feder. Kräfte sind stets mehr als ausreichend vorhanden. Die monströsen Leistungswerte werden von der Sechsstufen-Tiptronic und dem permanenten Allradantrieb locker und angestrengt auf die Straße gebracht. Der Verbrauchswert liegt im Mittel bei 9,4 Liter auf 100 km. Damit erreicht der A8 eine Reichweite von rund 950 Kilometern, ohne dass eine Tankstelle angelaufen werden müsste.

Elefanten-Kampf

Ob der neue 4.2 TDI zur neuen Referenz der Superdiesel wird, bleibt trotz des sehr positiven Fahreindrucks fraglich. Denn auch die Konkurrenz baut schöne Motoren und in den Bereichen Geräuschkultur und Laufruhe liegt der neue Motor 420 CDI von Mercedes Benz mehr als eine Kolbenbreite weit vorn. Bei ihm ist es den Ingenieuren nicht nur gelungen, dem Motor jedes Nageln abzugewöhnen, dazu strahlt er den erwünschten satten Sound des klassischen Achtzylinders ab. Wichtiger als das standesgemäße Säuseln bleibt der Fahreindruck und der ist in der Audi-Kombination schlichtweg grandios. Der bärenstarke Diesel geht mit dem traditionell recht sportlichen A8 eine beeindruckende Liaison ein. Dass 650 Newtonmeter den Wagen rasant bewegen, versteht sich von selbst, aber niemals drängt sich bei Audis Flaggschiff der Eindruck brutaler, unzivilisierter Kraftentfaltung auf. Selbst wenn der A8 beim Gewaltstart fast explodiert, dann tut er dies mit gebotener Anmut und Eleganz. Erheblichen Einfluss auf den positiven Eindruck hat der Allradantrieb. Kräfte dieser Dimension sind für die weitere Antriebsachse dankbar und das spürt der Fahrer besonders bei der Beschleunigung in Kurven.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Viel Auto für viel Geld

Mit dem Allradantrieb und der adaptiven Dämpfung kostet der A8 mit dem Dieselwunder 81.000 Euro. Dieser Basispreis kann natürlich noch beliebig ausgebaut werden, 95.000 Euro sollte man als realistische Preismarke im Kopf haben. Ohne Frage ist der Audi A 8.2 4.2 TDI im Vergleich zu anderen Luxuslimousinen sein Geld wert, denn es gibt sehr viel Auto für das Geld. Ob jemand soviel Auto wirklich braucht, ist eine müßige Frage. Denn welche Wünsche lässt ein Geniestreich wie der A6 wirklich offen? Aber auch beim A8 könnte man ja tüchtig sparen, den Audi A8 3.2 mit dem stufenlosen multitronic Automatikgetriebe und ohne Allradantrieb gibt es schon ab 60.900 Euro. Er liefert 260 PS bei einem Verbrauch von 9,8 Liter auf 100 km und erreicht ebenfalls die Abregelungsgrenze, wenn es der Verkehr mal zulässt.

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