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Produktionsende VW T2 Transporter: Good Bye Bully

Nichts hält für die Ewigkeit - das spürt in diesem Monat auch der legendäre VW Bully. Nach 56 Jahren heißt es auf Wiedersehen sagen. Die Produktion im brasilianischen Stammwerk São Bernardo do Campo läuft im August aus.

Nach einer Last Edition von 600 Fahrzeugen sagt der VW Transporter, eine automobile Legende, die seit Herbst 1957 gebaut wurde, auf Wiedersehen. Ihm machen ab Ende des Jahres gültige strengere Vorschriften bei Abgas- und Crashverhalten den Garaus. Leider ist die Sonderserie des T2-Transporters ausschließlich in Brasilien zu bekommen. Die Last Edition kostet mit 85.000 brasilianischen Reais umgerechnet rund 10.000 Euro mehr als das 17.000 Euro teure Basismodell. Dafür gibt es statt der sonst nur noch verfügbaren weißen Lackierung eine klassische Zweiton-Lackierung, Weißwandreifen und historische Ausstattungsdetails der letzten fünf Jahrzehnte. So gibt es traditionelle Vorhänge an den Seitenscheiben, Vinyl-Verkleidungen und Sitze mit blauen Kedern und gestreiften Mittelbahnen. Eine Plakette auf dem Armaturenbrett trägt die laufende Nummer 1 / 600. Auch die Final Edition bietet abgesehen von Kopfstützen und Gurten vorne keinerlei Sicherheitsausstattungen.

Seinen charakteristischen Boxerklang hatte der Bully schon vor Jahren verloren. Denn im Heck des Lademeisters dröhnt seit vielen Jahren kein Boxer, sondern ein 1,4 Liter großer Reihenvierzylinder mit 78 PS und 125 Nm maximalem Drehmoment. Die 1,3 Tonnen Leergewicht und die wenig ausgeklügelte Aerodynamik des Hecktrieblers verhindern, dass sich die Fahrleistungen nennenswert von denen abheben, als der T2 Ende der 70er Jahren in unseren Breiten auslief. Wer es drauf anlegt, schafft den Spurt 0 auf Tempo 100 in knapp 17 Sekunden. Vier nicht immer leicht einzulegende Gänge - mehr gibt es nicht. Zur Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h gehört zumindest auf den schlechten brasilianischen Pisten ein gutes Stück Mut. Ansonsten ist man unterhalb von 100 km/ besser aufgehoben. Wie in Brasilien üblich können Benzin und Ethanol ganz nach Gusto getankt werden. Der Verbrauch: rund zehn Liter.

Man sitzt im T2 wie bei uns in den 60er und 70er Jahren hoch zu Ross und hält ein Lenkrad in Händen, dessen üppiger Durchmesser mindestens genauso ungewöhnlich ist wie die Neigung. Einmal im Leben Busfahrer - nur eben in einem kleinen Bus. Das Cockpit ist kaum als karg zu bezeichnen. Außer dem Tachometer, ein paar Blinkleuchten und einer LCD-Anzeige für den Kilometerstand gibt es nicht viel. Zwei Lichtschalter und ein Lüftungsregler - Radio, Heizung oder irgendwelche elektrischen Helfer? Nicht die Spur. Stattdessen sticht zwischen den Beinen die Lenksäule steil nach oben und auch bei den winseldünnen Türen muss man kurz nach dem Erklimmen des T2-Throns kurz an einen Unfall denken.

Die Sitze lassen sich weder vorne noch hinten nennenswert verstellen. Wenn auf allen drei Frontsitzen Erwachsene Platz genommen haben sollten, wird es zumindest kuschelig. Rund 30 Zentimeter neben der selbstmörderischen Lenksäule befindet sich die zweite, kaum kalkulierbare Gefahrenquelle des Volants. Diesen Schalthebel hätte Hochspringer Sergej Bubka einst für seine Rekordsprünge missbrauchen können. 2006 legte Volkswagen do Brasil den T2 neu auf, nachdem er über die Jahrzehnte zuvor nie aus dem Programm verschwunden war. Lange Zeit hatte man eine Mischlösung aus dem 1967 ausgelaufenen T1 und seinem Nachfolger T2 auf die brasilianischen Straßen geschickt. Auf den unwegsamen Pisten von Sao Paulo, Rio de Janeiro oder Brasilia ist der T2 eine feste Größe im Straßenbild. Dass wird sich nach der Einstellung der Produktion kaum ändern. Denn auch beim T2 gilt das Käfer-Motto: er läuft und läuft und läuft.

Die Lenkung ist schwergängig, der Wendekreis gigantisch und nicht nur bei den gigantischen Hügeln zur Verkehrsberuhigung kommt das aus den 50er Jahren stammende Fahrwerk des Bullys an seine allzu engen Grenzen. Unschlagbar ist die Übersicht, denn wo die Scheiben enden, ist auch beim 4,51 Meter langen Auto Schluss. Gewohntermaßen gibt es am Heck zwei Klappen. Hinter der oberen kann man den hoch gelegenen Laderaum erreichen. Vor dem Laderaum lassen sich beiden Sitzbänke keinesfalls problemlos umklappen. Wer mehr Platz braucht, muss die Sitze mit rund einem Dutzend Schrauben ausbauen und in der Garage lagern. So war das nun einmal in den unsteten 60er und 70er Jahren. Dann stehen aber auch über 4.800 Liter Stauraum und eine Tonne Zuladung zur Verfügung. Doch nach 56 Jahren ist es jetzt vorbei. Eine Legende sagt Good Bye.

Press-Inform / pressinform
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.