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Reportage: Zwischen Finne und Straße: BMW setzt Segel

Tausende von Rennsportfans wünschen sich, dass BMW wieder in die DTM einsteigt. Doch die Bayern setzen auf andere Zugpferde. Neben der Formel 1 sollen das Golf und Segeln sein. Die Teilnahme am America’s Cup etwa soll die eigenen Entwickler beflügeln.

Denn BMW nähme wohl kaum derart viel Geld in die Hand, um an der 32. Auflage des America’s Cup teilzunehmen, wenn da nicht mehr als "nur" öffentlichkeitswirksame Eigenwerbung bei heraus kommen würde. "BMW hat im Segelrennsport eine führende Rolle eingenommen, weil wir unser im Automobilbau erworbenes Know-How über Leichtbauweise fast 1:1 auf die Anwendung im Yachtbau transferieren können", erklärt Prof. Dr. Raymond Freymann, bei BMW verantwortlich für Forschung und Technik.

Aha, daher weht die Brise. Längst sind sich die großen Autobauer einig, dass nur mit mehr Leistung, exklusiven Extras und einem guten Namen allein kein Staat mehr zu machen ist. Das Thema Leichtbau aber hat in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutungen im Automobilbau eingenommen.

Auf der Suche nach einer immer perfekteren Fahrdynamik geht ohne intelligente Leichtbaukomponenten gar nichts. BMW gilt hier seit Jahren als eine der führenden Automobilfirmen. Diese Leichtbau-Erfahrung aus Massenproduktion und Formel-Rennsport macht man sich nun auch bei der Entwicklung der BMW-Yachten zunutze. Es geht insbesondere um Gewichtsersparnis und steife Strukturen. Kein Wunder: Die Kräfte, die über die Hightech-Segel auf den Bootsrumpf einwirken sind tonnenschwer. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bootsbau will man sich zukünftig auch im Fahrzeugbau zunutze machen.

Nicht zuletzt deshalb wurden vier spezialisierte Fahrzeug-Ingenieure in das Entwicklungsteam für die BMW-Yachten aufgenommen. "Sie haben nicht nur die Struktur der Yacht beeinflusst, sondern auch viele andere Bereiche, in denen die technische Qualität von BMW in die Designs eingeflossen ist", erklärt Design Koordinator Ian Burns. Die Parallelen zwischen dem Rennsport und dem Hochleistungssegeln liegen auf der Hand: Auch die 24 Meter lange und vier Meter breite Yacht ist ein Hightech-Geschoss - kein Gramm Fett auf den Hüften und um jede Hundertstel Sekunde kämpfend.

Das Boot selbst hat ein Gewicht von gerade mal zwei Tonnen, ein knapp 20 Tonnen schwerer Kiel sorgt jedoch dafür, dass die USA 87 auch im Grenzbereich beherrschbar bleibt. Jedes der mittlerweile zwei Boote ist mit einem Arbeitsaufwand von über 30.000 Stunden in Anacortes, im US-Bundesstaat Washington, entstanden. Hinzukommen weitere 200.000 Stunden für die Entwicklung des Bootsdesigns und 1.000 Stunden Fahrtests. In BMW-Labors wurden mehr als vier Millionen Rennen simuliert.

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Das alles zeigt, auf welchem Niveau die Yachten in der Königsklasse unterwegs sind. Die großen Gegner sind diesmal nicht Marken wie Mercedes oder Audi, Ferrari oder McLaren - sondern Alinghi und Team Neuseeland. Besonders der Name Alinghi ist nicht nur bei Segelfans bekannt. Das letztmalige Siegerteam kommt aus der Schweiz und durfte sich daher auch den Veranstaltungsort Valencia aussuchen. Da die Schweiz über keinen direkten Zugang zum Meer verfügt, entschied man sich nach dem Sieg im Jahre 2003 wegen der guten Voraussetzungen für die spanische Hafenstadt.

Dort findet in diesem Sommer die 32. Auflage des America’s Cup statt. Elf Teams jagen jedoch bereits ab Anfang April das von Ernesto Bertarelli finanzierte Alinghi-Team. Der Gewinner hat es gut: Nach alter Tradition müssen die elf Herausforderer in Vorregatten erst ihren Besten küren, der dann ab dem 23. Juni gegen die Alinghi antritt.

Die Erwartungen an das eigene Team sind im Hause BMW hoch. Prof. Dr. Raymond Fraymann: "Der America’s Cup ist die unumstrittene Formel 1 des Segelns, weil die technischen Anforderungen an die Yachtkonstruktion extrem hoch sind. Geht man nicht ans Limit, hat man den Cup schon verloren.“

Pressinform / PRESSINFORM
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