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SsangYong Kyron: Auf dicke Hose gemacht

Wer ihn im Rückspiegel erblickt, macht lieber freiwillig Platz: Der SsangYong Kyron ist trotz seiner Größe nur halb so teuer wie eine Mercedes ML-Klasse. Ob er auch nur halb so gut ist, klärt unser Test.

Von Jens Maier

Er ist groß und bullig, macht ordentlich was her und wirft Fragen auf: "Was ist das denn für ein Auto?", war eine der häufigsten. Aber auch die Antwort sorgte für wenig Aufklärung: "Ein Sangwas? Wo kommt der denn her?", wurde meist hinterher geschoben. Was nur beweist, dass Autobauer SsangYong in Deutschland noch kräftig an seiner Marke feilen muss. Mit dem neuen Sports Activity Vehicle Kyron sind die Koreaner auf dem besten Weg. Mit einem gemeinsam mit Mercedes entwickelten Motor steckt auch deutsche Technik unter der Haube und macht den Kyron damit zum Wilderer in hiesigen Gefilden - zum kleinen Preis.

Denn der mit vier Türen plus Heckklappe antretende Kyron sieht nach mehr aus, als er kostet. Keiner sieht ihm an, dass er in der Basisversion nur halb so teuer ist wie die günstigste Mercedes ML-Klasse. Der Kyron 200 Xdi (4×2) ist für 23.900 Euro zu haben, der Mercedes ML 280 CDI schlägt mit 46.922 Euro zu Buche. Ist der Kyron deshalb nur halb so gut?

Blender mit Charme

Keine Frage, der Kyron ist ein Blender. Er wirkt muskulös und kraftvoll, obwohl gerade mal 141 PS unter der Haube stecken. Beim Blechkleid haben die Designer den europäischen Markt im Blick gehabt - und sich einiges getraut. Die Front bietet spitz zulaufende Scheinwerfer und einen Kühler wie aus einer italienischen Autoschmiede. Mehrere Sicken und Kanten sorgen zusammen mit der vom vorderen Radlauf sanft ansteigenden Linie für eine interessante Optik. Bereits im Stand hat der Kyron daher eine ungewöhnliche Dynamik. Ausgestellte Radläufe haben sich längst auch in der SUV-Klasse als sportliches Designmerkmal durchgesetzt.

Dass die Sportlichkeit und die Geländetauglichkeit nur vorgetäuscht sind, verrät ein Blick ins Datenblatt der Basisversion: Allradantrieb ist nicht serienmäßig, obwohl der Kyron im Look eines echten Geländewagen daher kommt. Da die meisten SUVs die asphaltierten Wege niemals verlassen, ist das allerdings nicht am falschen Ende gespart. Wer ein zuschaltbares Allradgetriebe haben will, kann sich den Wunsch für 3000 Euro mehr erfüllen. Allen Versionen gemeinsam ist der mit Mercedes entwickelte Motor. Der Zweiliter-Vierzylinder-Diesel arbeitet mit einem Common-Rail-System und bietet 104 kW (141 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmeter auf. Das wird von 1800 bis 2750 Umdrehungen in der Minute geliefert. Mit Fünfgangschaltgetriebe kommt der Kyron auf 167 km/h und beschleunigt in etwa 16 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Gegen die satten 190 PS des Mercedes ML 280 CDI und seinen Sprint in 9,8 Sekunden auf 100 hat der Kyron somit keine Chance, doch um im Stadtverkehr mitzuhalten, reicht die Power allemal. "Platz da" symbolisiert er, wenn er mit seinen 4,66 Metern um die Ecken kommt und so manchem Golf-GTI-Fahrer durch seine kräftige Schnauze beim Blick in den Rückspiegel einen Schrecken einjagt. Das klappt auch auf der Autobahn, zumindest so lange, bis die Tachonadel bei 170 Stundenkilometern hängen bleibt. Bei der Beschleunigung im oberen Geschwindigkeitsbereich merkt man dem Kyron sein hohes Gewicht deutlich an. Bei 120 km/h scheint eine halbe Ewigkeit zu vergehen, ehe die 1,9 Tonnen beim Druck aufs Gaspedal die Höchstgeschwindigkeit erreicht haben. Ein Sportwagen ist er auch an der Ampel nicht, der Common-Rail-Diesel vermittelt hier allerdings subjektiv das Gefühl, besser weg zu kommen.

Platz in Hülle und Fülle

Der Innenraum des Kyron kommt ohne Blendwerk daher. Die Schalter sind solide, fast schon rustikal anmutend und ganz klar an japanischen Vorbildern orientiert. Die Liebe zum Detail fehlt oft, doch es ist alles dort anzutreffen, wo der Fahrer es vermutet. Gegen den noblen Innenraum des Mercedes ML hat der Kyron allerdings keine Chance. Er versprüht zu viel Plastik-Charme. Richtig nervig ist die Funkfernbedienung der Zentralverriegelung: Ob der Wagen auf oder zu ist, gerät zum Ratespiel. Platz bringt der Kyron aber in Hülle und Fülle mit: 625 Liter Gepäck fasst der Kofferraum, mit umgeklappter Rückenlehne sogar 2322 Liter. Das reicht für jeden Ikea-Besuch. Die Beinfreiheit ist auch auf den hinteren Plätzen vorzüglich und reicht auch für drei Erwachsene locker.

Die Sicherheitsausstattung des Kyron leistet sich nur eine Schwäche: ESP ist nur bei der Allrad-Variante serienmäßig. ABS und vier Airbags sind hingegen selbstverständlich. Außerdem vermittelt der Kyron durch sein bulliges Auftreten und seine hohe Sitzposition das Gefühl, in einer Burg zu sitzen. Daten über Crash-Tests fehlen allerdings, was eine objektive Vergleichbarkeit erschwert.

Schwarz auf Weiß sind hingegen die Verbrauchswerte zu haben: 7,7 Liter schluckt der Riese im Schnitt, was für die schwachen Fahrleistungen mehr als entschädigt. Alles in allem bekommen Kyron-Käufer somit sehr viel Auto fürs Geld. Wer Platz braucht und gerne auf dicke Hose macht, dem sei der Kyron wärmstens empfohlen.

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