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Toyota Corolla Verso D-Cat: Der Sauber-Hammer

Diesel-Power für die ganze Familie, plus garantiert gutes Umwelt-Gewissen. Der Corolla Verso versöhnt die Gehirnregion für Fahrspaß mit den vernünftigen Gebieten.

Von Gernot Kramper

Wer, außer einem Toyota-Fahrer kann schon sagen, ihn fahre der sauberste Diesel der Welt spazieren? Vorausgesetzt er hat den 2.2-Liter D-Cat an Bord. Das patente Triebwerk unterbietet nicht nur die Euro vier Norm, das innovative Filterkonzept reduziert Partikel und obendrein die Stickoxide. Mit einem Motor der 177 PS- und 400 Nm-Klasse ist der Corolla Verso mehr als üppig motorisiert und das kann man leider auch hören. Nach dem Anlassen und bei geringer Geschwindigkeit klopft und knarzt es gewaltig. Einmal warm geworden, beruhigt sich der Poltergeist.

Familien-Wolf

Dafür wird der kompakte Wagen für die ganze Familie spektakulär bewegt. Kraft steht über das Drehzahlband zur Verfügung, der Vorderradantrieb bringt es überraschend klaglos auf die Straße. Als Durchschnittsverbrauch gibt Toyota 6,8 Liter an. Mit 205 km/h Spitzengeschwindigkeit kann der Verso auf der Autobahn mehr als gut mithalten. Wer aber versucht, ein Tempo jenseits von 140 km/h vorzulegen, muss sich auf Nachdurst unter der Haube einstellen. Bei 180 km/h konsumiert der überschaubar große Wagen fast zwölf Literchen, das hätte man nicht gedacht. Zur Belohnung lässt der Motor den Fahrer auch nicht hängen, Steigungen ignoriert er und beim Beschleunigen müssen hoch motorisierte Limousinen das Pedal durchdrücken, um mitspielen zu können.

Beruhigend, dass die Lenkung entsprechend präzise ist und das Fahrwerk mit der Leistung auch umzugehen weiß. In Kompakt-Vans der ersten Generation wurde man in Kurven noch von der bangen Frage "Packt er es, oder packt er es nicht?" geplagt, so etwas muss man nicht fürchten.

Variabelchen

Ein Motor ist nicht alles. Vom Konzept her gehört der Corolla Verso zu den kompakten Mini-Vans mit drei Sitzreihen. Wie bei allen Modellen der Klasse ist die dritte Reihe nur bedingt zu verwenden. Es handelt sich um Kindersitze zur gelegentlichen Verwendung, unbewegliche Erwachsene sollte es tunlich vermeiden, sie aufzusuchen. Im Toyota lassen sich die Sitze einfach und patent mit einem Handgriff versenken bzw. wieder hervor zaubern. Mit einer Länge von 4.360 mm und einer Höhe von 1.625 mm gehört der Verso zu den Ranken und Schlanken im Feld der Dreireiher. Sein eleganter Auftritt verstärkt diesen Eindruck noch. Das Dach schwingt sich geschickt auf, fällt dann schnittig wieder ab. Die Form der Seitenfenster und die Abrisskante betonen das dynamische Erscheinungsbild. Vom Brotkasten-Look eines Touran oder des ersten Zafira ist der Corolla Verso weit entfernt, eben näher an einem Kombi, wie alle Verso-Varianten. Vorteilhaft, weil man sich nicht sofort als stolzer Familienmensch präsentiert. Merkliche Nachteile erfährt der Stauraum durch die hinuntergezogene Linie nur dann, wenn man sperriges Gut wie Fahrräder transportieren möchte. Das Toyota-Design leistet sich keine Fehler - fast wirkt es makellos. Doch es verzichtet auch auf Mätzchen, die Emotionen wecken. Es ist also kein Wagen, der als Spielzeug für große Jungs durchgehen könnte.

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"Wunschlos glücklich"-Ausstattung

Den großen Motor gibt es nur mit großer Ausstattung, gefahren wurde die Top-Ausstattung Executive, hier kommt der Corolla Verso auf 28.200 Euro. Überflüssig alle Details herunterzubeten, in der Executive-Ausstattung ist wirklich alles an Bord, selbst das DVD-Navigationssystem gehört zum Päckchen. Als "Extra" gibt es neben der Metallic-Lackierung (430 Euro) nur noch wirkliche Sonderwünsche, wie ein DVD-System. Für 2.200 Euro Aufpreis werden die Rücksitze in einen Kinosaal verwandelt. Die Verarbeitungsqualität ist hoch, der Look sachlich. Der durchscheinende Aquamarin-Farbton der Instrumente lässt sich ausgezeichnet ablesen, doch manchen wird der Farbton an den Kühlschrank bei der Großmutter erinnern.

Spaß mit dem Saubermann

Von den aktuellen Mini-Vans gehört der Corolla Verso zu den fahraktivsten, kann es durchaus mit der B-Klasse und dem Zafira II inklusive des Sportfahrwerks aufnehmen. Fahrzeuge von Toyota sind keine Billigheimer, aber in seiner Klasse ist der Corolla Verso mit seiner Leistung und der Komplett-Ausstattung preislich absolut konkurrenzfähig. Einen Sauber-Kraftkerl wie den D-Cat hat derzeit niemand im Angebot. Klar, mit 7,8 Sekunden ist ein Opel OPC eine Sekunde schneller an der Hunderter-Marke, aber dafür ist der Corolla Verso auch ein viel vernünftigeres Fahrzeug.

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