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Traumjob Testfahrer: Gejagte zwischen den Welten

Giorgio Sanna hat einen der begehrtesten Berufe Italiens. Er ist Testfahrer bei Lamborghini. Auch Wolfgang Schuhbauer kann mit seinem Job Eindruck schinden als Entwicklungsingenieur bei Jaguar und Land Rover.

Die Beschreibung dieses Tätigkeitsfeldes treibt selbst gestandenen Männern Tränen der Sehnsucht in die Augen: Testfahrer bei einem Autohersteller - das ist schon spannend genug. Aber dann gleich Pilot im offiziellen Auftrag von Lamborghini, dem renommierter Hersteller von Traumsportwagen - das verschlägt vielen die Sprache.

Giogio Sanna ist gerade Anfang 30 - und doch macht den Job schon ein paar Jahre. Als er 2001 nach Sta. Agata zu Lamborghini kam, stand er noch im Schatten der Testfahrer-Legende Valentino Balboni. Der hatte den Lamborghinis der 40 Jahre zuvor ihren technischen Schliff gegeben, düste mit Murcielagos, Miruas, Countachs und Espadas um die norditalienischen Kurven und durch die ganze Welt.

Das ist heute der Job von Giorgio Sanna, einem der beiden Testfahrer im Hause Lamborghini. Der andere Mario Fasanetto - hat einen nahezu identischen Job. Kündigt sich ein neues Modell an, gibt es im Terminplan von Sanna und Fasanetto kein Platz mehr für Freizeit und Freunde. Ihr letztes Baby der Lamborghini Reventon, eine 650 PS starke Mischung aus Rennwagen und Kampfjet, war da ein vergleichsweise leichtes Projekt.

"Da der Reventon technisch stark auf dem Murcielago LP640 basiert, haben wir in erster Linie Hochgeschwindigkeits-Test gefahren", erzählt Sanna. "Hier geht es um Fahrverhalten und besonders die Aerodynamik bei Top-Speed."

343 km/h Spitze

Ein Teil der statischen Tests fand im Ingolstädter Audi-Windkanal statt. Die meisten Testrunden wurden jedoch in Nardo und Ehra-Lessien gedreht. "Wir sind mit dem Reventon eine Höchstgeschwindigkeit von gemessenen 343 km/h gefahren", sagt der 32jährige Rennfahrer. "Bei absoluter Höchstgeschwindigkeit ist er eine Spur ruhiger als der normale Murcielago, weil das Heck stabiler ist."

Wenn ein neues Auto in den Handel kommt, haben nicht nur die Entwicklungsabteilungen der Hersteller harte Jahre hinter sich. Auch die zumeist stark getarnten Prototypen haben auf nahezu allen Kontinenten hunderttausende von marternden Kilometern zurückgelegt.

Der Job des Testfahrers hört sich spannend an. Doch die Überholspur hat auch ihre Schattenseiten. Tag für Tag ein Leben im Auto. Kilometer für Kilometer auf Eis, Schnee, Asphalt, Sand und Geröll. Tage ohne Ende, oftmals abseits jeglicher Zivilisation. Aber: "Es ist kein Problem, im eigenen Entwicklungsteam Kollegen zu finden, die für ein paar Monate oder sogar Jahre nach Südafrika oder Namibia gehen und hier in der Entwicklung tätig sind, berichtet der ehemalige BMW-Testingenieur Frank Ysenberg.

Getarnte Aggressionsobjekte

Wolfgang Schuhbauer macht den Job als Entwicklungsingenieur und Testfahrer schon rund 20 Jahre. Nach seinem Einstieg beim Getriebespezialisten ZF ist er seit über 17 Jahren für die britischen Nobelmarken Jaguar und Land Rover als Fahrwerksentwickler tätig. Scheucht Modelle wie den neuen Jaguar XF im Rekordtempo über die Nordschleife des Nürburgrings, um Schwächen möglichst früh in der Entwicklungsphase aufzudecken. Hinter dem Lenkrad ist er stoisch ruhig. Enge Kurven, wechselnder Fahrbahnbelag oder Aquaplaning auf der welligen Straße - er ist die Ruhe selbst. Schuhbauer ist ein netter, freundlicher Familienvater, den nichts aus der Ruhe bringen kann.

Doch sein Job, so der Leiter des Jaguar-Testzentrums am Nürburgring, hat sich in den vergangenen Jahren erschwert: "Seit Unfälle mit Erprobungsfahrzeugen auf öffentlichen Straßen publik wurden, hat sich das Verständnis für unsere Arbeit auch in der Gegend des Nürburgrings leider zum Negativen gewendet", bedauertt Schuhbauer. "Früher wurden wir eher zuvorkommend behandelt. Heute reagiert der PKW-Fahrer eher aggressiv auf getarnte Fahrzeuge."

200.000 km pro Jahr

Für ein Sonderprojekt wie den Reventon war der Aufwand vergleichsweise klein: Die Tests wurden in rund zwei Monaten abgespult. Sanna: "Ich selbst bin mit dem Lamborghini Reventon rund 10.000 Testkilometer gefahren. Pro Jahr sind es bei mir insgesamt wohl mehr als 200.000."

Es geht um Handling und gerade beim Lamborghini-Volumenmodell Gallardo um die Abstimmung des elektronischen Stabilitätsprogramms. "Wir müssen bei Lamborghini eben immer sehr nah an einem echten Rennwagen sein", sagt Sanna auf. Da hilft ihm sein anderer Job: Als ob er in der Woche nicht schon genug Kilometer in den Asphalt brennen würde, geht es am Wochenende noch privat auf die Rennstrecke.

Sanna ist - ebenso wie Wolfgang Schuhbauer - Rennfahrer und tritt in der italienischen Tourenwagenserie mit einem PS-starken Audi RS4 an. Sollte dann noch ein Tag frei bleiben, gibt es nicht selten einen Ausflug zu den Lamborghini-Fahrertrainings rund um den Globus. "Ich bin daher pro Jahr rund 200 Tage in der Welt unterwegs", rechnet Sanna zusammen.

"Natürlich ist der Beruf des Testfahrers ein absoluter Traumjob. Aber er ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, weil wir die Wagen im absoluten Grenzbereich bewegen. Und nicht alles ist ein Zuckerschlecken." Lamborghini ist seine große Liebe. Wenn er schon fremdgehen muss, hat Sanna ebenfalls seine Lieblingsmodelle: "Die neuen Porsche 911 GT2 und GT3 sind unglaublich gut geworden und auch der Ferrari F430 ist stark. Sagt er - steigt ein in einen schneeweißen Murcielago und fährt davon. Die nächsten Tests warten.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.