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KOMFORTSPORTLER: Wiederbelebter Stachel: Fiat Stilo Abarth

Carlo Abarth, 1908 als Karl Abarth in Wien geboren, liebte Italien und machte das Gros seiner Umsätze mit Auspuffanlagen. Seinen Namen trägt jetzt die sportliche Spitze des Fiat Stilo.

»Du, arbeite!« schrie Carlo Abarth seine entnervten Ingenieure an, wenn sie ihm klarmachen wollten, dass seine neueste automobile Vision in der Sackgasse steckte. Ein Patron, ein Diktator war der gebürtige Wiener. Und weil er glaubte, dass er seine Ausdauer und seine Rücksichtslosigkeit der Macht seines Sternkreiszeichens verdankte, klebte er auf jeden seiner Wagen den Skorpion. Jetzt, 23 Jahre nach Abarths Tod, ist das Label zurückgekehrt: Abarth lebt, und der Stilo macht den Anfang.

Sportabteilung

Analog zu Mercedes mit AMG, BMW mit der M-GmbH oder Rover mit MG folgt auch Fiat dem Trend zum sportlichen Spitzenmodell mit eigenem Markennamen. Der Fiat Stilo Abarth trägt seine Dynamik allerdings wesentlich zurückhaltender und eleganter zur Schau als seine Renn- und Tuninggroßväter aus den 60ern. Statt mattschwarz lackierter Motorhaube - das sollte gegen die Sonnenreflexion helfen - zeigt der Stilo Abarth Designkompetenz: Dachkantenspoiler, Seitenschweller und 17-Zoll-Felgen schaffen den Abstand zu den Einstiegsmodellen.

Zwei Pedale

Die Spitze markierte beim alten Abarth im Jahr 1968 das höllische Fiat 850 Coupe. 700 kg trafen auf 185 PS, was für infernalische Fahrleistungen sorgte. Doch das war der Rennsport. Der käufliche Serienwagen brachte es auf 52 PS und 135 km/h. Der neue Stilo Abarth präsentiert sich mit 170 PS und 215 km/h nicht nur auf dem Datenblatt näher am Rennwagen. Auch die Schaltung ist Rundkurs-verdächtig. Der Fünfzylindermotor - das lässt satten Sound erwarten - ist an das so genannte Selespeed-Getriebe gekoppelt. Eine Kupplung gibt es nicht, stattdessen werden die Gänge sequentiell am Schaltknauf oder wie in der Formel 1 am Lenkrad gewechselt. Wer will, kann sich auch ganz entspannt zurück lehnen und im vollautomatischen Modus fahren.

Luxusausstattung

Aller Sportlichkeit zum Trotz ist das Ausstattungsniveau gerade im Vergleich zur deutschen Konkurrenz üppig. Tempomat, Klimaautomatik und ein Navigationssystem mit großen Bildschirm sind beim Stilo Abarth immer dabei. Da verweist die Konkurrenz nur achselzuckend auf die Aufpreisliste. Überhaupt: 22.150 Euro (plus 800 Euro für den Fünftürer) sind ein Witz. Ein VW Golf mit leistungsgleichem 170 PS-Fünfzylinder und Navigationssystem kostet - ansonsten nackt - bereits 26.000 Euro, nicht eingerechnet der Mehrwert des Selespeed-Getriebes.

Raum für mehr

Umsonst dazu gibt es den Mythos Abarth. Die Rennzwerge von Fiat 850 TC Abarth bis hin zum 124 Abarth Rallye zeichneten sich immer durch ihre Erschwinglichkeit aus. Die getunten Fiat 500 waren kleine Wadenbeißer. Sowohl an der Ampel, als auch auf dem Nürburgring. Einige Abarths wurden sogar vom Karosserie-Gott Zagato designt. Es bleibt also reichlich Raum, um auf den Stilo Abarth noch was drauf zu setzen. Kompromissloser und noch stärker. Vielleicht sogar mit mattschwarzer Motorhaube. Dann kann der Skorpion wieder richtig zustechen.

Christoph M. Schwarzer

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