Lancia Feiner Kleiner


Eine gute Nachricht aus Italien: Der neue Lancia Ypsilon sieht knuffig aus und geht ans Herz. Er dürfte auch die angeblich kühlen Tedeschi rühren.

Die Marketingstrategen von Lancia geben sich viel Mühe, den neuen Ypsilon als eine Art Urknall in der luxuriösen Kleinwagenklasse zu beschreiben. Da ist von "verführerischer Schönheit" die Rede, die Zielgruppe sei "ein distinguierter Kundenkreis", der "in einem Erzeugnis Exklusivität sucht... und bei der Benutzung eines Automobils zuerst und vor allem an das Vergnügen denkt".

Einfach formuliert, meinen die Wortdrechsler dies: Der Flitzer ist wie Schampus von Aldi, gut und preisgünstig. Tatsächlich ist der Ypsilon seit seiner Markteinführung 1985 eine Art Luxus-Wegbereiter in dem Segment geworden, der fast zwei Millionen Käufer gefunden hat. Mit der dritten Ypsilon-Generation, "unserem kleinen Flaggschiff", will der schlimme Not leidende Fiat-Konzern im Kleinwagensegment endlich wieder Boden unter die Räder bekommen. Ob der kleine Italiener, den Fiat nun der Kanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf zum Trost für den geplatzten Italien-Urlaub schenken will, eine Chance hat, klärt der stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria: zurückhaltend

Der Ypsilon war noch nie ein protziges Auto. Das macht ihn sympathisch. Und die Designer waren mutig, zitieren sie doch Elemente der großen Thesis-Limousine, die dort irgendwie unfertig wirken. Beim Ypsilon sehen sie fröhlicher und schöner aus. Die im Innenraum verwendeten Materialien wirken nicht billig, sind gut verarbeitet und strahlen einen Hauch Erlesenheit aus. Originell, aber gewöhnungsbedürftig sind die Armaturen. Gestylt im Retrostil der fnziger Jahre, stecken Tacho und Drehzahlmesser unter einem Dach auf der Mitte des Armaturenbretts.

Gas & Spass: okay.

Ein Sportwagen ist er nicht. Wirklich lahm ist er jedoch auch nicht. Die Motorenpalette reicht von 60 bis 95 PS. Damit sind zwischen 150 und 175 km/h Spitze drin. Für ein Auto dieser Kategorie genug. überraschend angenehm führt sich der 1,3-Liter Diesel mit 70 PS, bei einem Durchschnittsverbrauch von nur 4,6 Liter. Jedenfalls theoretisch. Wie viel er auf der Straáe nuckelt, hängt vom Fahrstil ab. Für diesen Motor gibt es eine elektrohydraulische Halbautomatik, das DFN-System. Was vielversprechend klingt und von den Ingenieuren zur "Dolce far niente"-Technik erhoben wird, ist indes nicht so komfortabel, wie die Metapher für süßes Nichtstun verheißt.

Im Automatikmodus ruckelt es unschön, wenn geschaltet wird. Da wechselt man die Gänge doch lieber per Schalthebel.

Gleiten & Geniessen: angenehm.

Keineswegs hat man den Eindruck, in einem Kleinwagen zu sitzen. Hier kommt der Kleine groá raus. Vorne wie hinten gibt?s ausreichend Platz, und die Vordersitze lassen sich auch an groáe Menschen optimal anpassen. Der Ypsilon ist leise und mit einem komfortablen Fahrwerk ausgestattet, das ein gutes Fahrgefhl erzeugt. Bei der Servolenkung allerdings wurde zu viel des Guten getan. Vor allem beim Rumkurven in der Stadt verliert man das Gefühl für zielgenaues Lenken. Sie ist zu leichtgängig. Andererseits wird Einparken zum Kinderspiel.

Geld & Wert: sehr gut.

Obwohl die Preise noch nicht auf den Euro genau bekannt sind, ist alles Aldi: Die Liste drfte bei knapp 12000 Euro beginnen und bei etwa 15000 Euro enden. Ziemlich kurz geraten dabei: die Aufpreisliste. Schon die Basisversion hat alles serienmäßig, was ein Auto heute braucht. Vom ABS bis zu vier Airbags, vom elektrisch verstellbaren Fahrersitz bis zur Zentralverriegelung per Funkfernbedienung. Und schon in der nächsthöheren Variante "Argento" ist die Klimaanlage ab Werk dabei. Üppig wird es in der Top-Version. Neben einer Zweizonen-Klimaautomatik gibt?s auch ein Bose-Sound-System, einen CD-Player, einen Tempomat und eine zweifarbige Lederpolsterung ohne Aufpreis. Noch ungekl„rt ist, ob die elektronische Schleuderbremse ESP Serie wird oder als Extra geordert werden muss.

Fazit: Mit der Neuauflage des Ypsilon ist Lancia eine gleichermaßen hübsche wie preisgünstige fahrende Hutschachtel gelungen. Sie dürfte vor allem Kunden an-locken, die auf vorzeigbaren Chic für relativ wenig Geld aus sind.

Peter Groschupf print

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