HOME

MERCEDES S-KLASSE: Die Rückkehr des Sternenkreuzers

Mit Mitbewerbern hat Mercedes grundsätzlich keine Probleme. Wenn allerdings ein Emporkömmling der S-Klasse im Test frech den Doppelauspuff zeigt, hängt der Haussegen im Schwabenland schief.

Mit Mitbewerbern hat Mercedes grundsätzlich keine Probleme. Wenn allerdings ein Emporkömmling der bisher unangetasteten S-Klasse im Test frech den Doppelauspuff zeigt, hängt der Haussegen im Schwabenland mächtig schief. So unlängst geschehen, als ein großes Automagazin den VW Phaeton gegen die bisher ungeschlagenen Sternenkreuzer antreten ließ.

Aufwendiges Facelift

Besonders schmerzlich für die sonst so stilsicheren Mercedes-Autobauer: Neben den überlegenen Fahrleistungen wirkte vor allem das Interieur der S-Klasse im Vergleich zum Wolfsburger Dickschiff mächtig kitschig. Das fand man in der Stuttgarter Konzernzentrale gar nicht lustig. Um die zahlungskräftige Kundschaft bis zur nächsten S-Klasse bei der Stange zu halten, fiel die ohnehin geplante Überarbeitung der S-Klasse eben etwas aufwändiger aus. Auf dem Pariser Autosalon wagte sich der geliftete Luxus-Mercedes erstmals an die Öffentlichkeit.

Äußerlich ist der Sternenkreuzer kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Größere Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger, ein steilerer Kühlergrill und neu geformte Außenspiegel sollen der S-Klasse zu einem sportlicheren Auftritt verhelfen.

Mehr Luxus im Innenraum

Wesentlich konsequenter nahmen sich die Mercedes-Entwickler die inneren Werte der Limousine zur Brust. 40 Elemente im Innenraum mussten schickeren Nachfolgern weichen. Vor allem Knöpfe und Schalter sollen nun Phaeton-resistent sein. Zusätzlich wurde die Aufpreisliste um eine komplett neue Ausstattungslinie erweitert. Wer bei der Bestellung »designo couture« ankreuzt, bekommt in seiner S-Klasse beinahe alles verbaut, was gut und teuer ist. Nappa und Nubuk-Leder, Alcantara am Dachhimmel und Zierteile aus Pappel- oder Ahorn-Edelholz.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Safety first!

Einen Zacken aus der Phaeton-Krone wird das neue Insassen-Schutzsystem PRE-SAFE brechen. Das System wird vom Schleuderverhinderer ESP und dem elektronsichen Bremsassistent mit Informationen versorgt und schützt die Insassen, bevor ein Unfall passiert. Melden die Fahrsicherheitssysteme eine brenzlige Situation, strafft PRE-SAFE automatisch die Gurte und fährt elektrisch verstellbare Sitze in die für einen Crash günstigste Position. Gerät das Fahrzeug ins Schleudern, werden außerdem Seitenfenster und Schiebedach geschlossen.

Mächtiger Motor

Eindrucksvoll melden sich die Stuttgarter auch im Wettbewerb um den stärksten Zwölfzylinder zurück. 500 PS leistet das Triebwerk, dem unter der Haube des S600 von zwei Turboladern 800 Newtonmeter Kraft abgerungen werden. Was fehlt, ist lediglich der im Phaeton verbaute Allrad-Antrieb. In diesen Genuss kommen nur S-Klasse-Kunden, die sich für ein Benzinermodell mit Sechs- oder Achtzylindertriebwerk entscheiden.

Das reicht zwar alles nicht, um den frechen Phaeton von der Überholspur zu vertreiben - dennoch sollte man in Wolfsburg aufmerksam die Entwicklung der nächsten S-Klasse verfolgen. Das Imperium schlägt zurück - immer!

Jochen Knecht

Wissenscommunity