Motorrad-Ausstellung Tollkühne Männer auf knatternden Kisten


Rennmaschine, Witwenmacher und billiges Transportmittel - die Geschichte des Motorrades hat viele Facetten. Eine Ausstellung in Wien will jetzt alle mit dem Zweiradvirus infizieren, die noch nicht Motorrad fahren.

Die Ausstellung Wiener Ausstellung "Schräglage" (17. November 2004 bis 4. April 2005) zeigt die Geschichte des Motorrades im "Alltag" von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart von der Rolle als billigem Transportmittel, bis zum luxuriösen Freizeitgerät.

Gezeigt werden 100 Raritäten von Leihgebern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Für Fans historischer Maschinen sind allein die Exponate einen Wienbesuch wert. Ein Teil der Ausstellungsobjekte wurde übrigens direkt ins Museum gefahren. Daher findet die Ausstellung auch im Winter statt, in der warmen Jahreszeit wollten sich die Besitzer nicht von ihren Schätzen trennen, denn selber fahren macht glücklich.

Besonderes Augemerk gilt der österreichischen Motorradproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg. Hinzu kommt der Motorsport mit den ehemals sehr beliebten "Bergrennen". In der Not behalf man sich, wie es eben ging. Aus Altmaterial wurden neue Maschinen zusammengeschraubt. Und natürlich wurden damit Rennen gefahren. Zur Not nur mit einer Wollmütze auf dem Kopf. Tragischer Held des österreichischen Motorradsports war Rupert Hollaus. 1954 stand er bereits als Motorradweltmeister fest, als er im Spätsommer 1954 in Monza für NSU startet. Am 11. September 1954, wenige Tage nach seinem 23. Geburtstag, stürzte er auf der Jagd nach einer neuen Bestzeit zu Tode. Eine Bodenwelle war ihm zum Verhängnis geworden.

Bella Italia

Keine Geschichte des Motorrades ohne Motorroller. Diese italienische Mode repräsentiert das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Die Roller wurden nicht nur von Neukunden gekauft, sondern warben einen Teil der bisherigen Motorrad-Klientel ab. Bis heute haben Motorroller als Kultobjekt überlebt. Im Jahr 1956 lieferte Piaggio die millionste Vespa aus. Gezeigt werden die damals das Straßenbild prägenden Modelle, mit dem Flair von Italienbummel und Milchbar.

In den sechziger Jahren erreichte auch Österreich der Absturz der europäischen Motorradindustrie, als Fortbewegungsmittel verdrängte das Auto das Zweirad Vor allem für Freunde von Marken wie Puch, Lohner, Rotax und KTM ist diese Ausstellung ein Fest. Autofahrer verstehen meist wenig von der Faszination des Motorrads, auf sie wartet eine Nachhilfestunde.

Gernot Kramper

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