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Automesse Genf: Von wegen Partylaune - der Dieselschock lähmt die Auto-Industrie

Auf dem 88. Genfer Salon gibt es glänzende Stars und spannende Neuheiten. Doch ein Thema beherrscht die Messe: Hat der Diesel noch eine Zukunft? Eine Lösung für die Diesel-Krise hat hier niemand.

Die Welt und vor allem die Autokunden wartet auf eine Antwort auf die Dieselkrise und bekommt statt dessen PS-Boliden wie den Porsche 911 GT3RS präsentiert.

Die Welt und vor allem die Autokunden wartet auf eine Antwort auf die Dieselkrise und bekommt statt dessen PS-Boliden wie den Porsche 911 GT3RS präsentiert.

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Auf der ersten Automesse des Jahres am Genfer See wird die Stimmung für das Autojahr gesetzt. Traditionell gern mit Hinguckern und leistungsstarken Rennern. In diesem Jahr sollten das Mercedes AMG GT Coupé, das zukünftige BMW M8 Gran Coupé und ein 520 PS starker Porsche 911 GT3 RS diese Rolle übernehmen. Aus Übersee schaut die Bullitt-Sonderedition des Ford Mustang vorbei, ganz nobel geht es im Rolls-Royce Dawn Zweisitzer zu.

Stimmungskiller aus Deutschland

So war es zumindest gedacht, bis eine folgenschwere Gerichtserschwerung in Deutschland den Städten erlaubte, eigenmächtig Fahrverbote auszusprechen. Verdient waren die Fahrverbote allemal. In Deutschland wurden die Autohersteller trotz ihrer Betrügereien in der Dieselaffäre vom Staat bislang mit Samthandschuhen angefasst, aber dieses Urteil saß. 

Nun fehlt vielen Herstellern trotz ihrer Neuheiten und sehr guter Verkaufszahlen buchstäblich die Luft zum Atmen. Dieselfahrverbote im früher so autoverliebten Deutschland schlagen mächtig auf die Stimmung. Die Dieselangst trifft jeden – nicht nur die deutschen Hersteller werden leiden, sondern auch die Autobauer aus Frankreich, Italien oder Japan. Der deutsche Markt ist und bleibt der wichtigste in Europa. Nun besteht die Gefahr, dass nicht nur alle Diesel, die älter als zwei bis drei Jahre sind, aus den Innenstädten verbannt werden. Die Hersteller müssen fürchten, dass dies nur ein Anfang ist, die Städte menschengerechter umzugestalten und dem Autoverkehr die Flächen zu entreißen, die man ihm in der autovernarrten Nachkriegszeit so großzügig gelassen hat.

Messen in der Krise

Gut dran sind die Hersteller, die an dem Trauerspiel in Genf gar nicht teilnehmen. Hersteller wie Opel, Infiniti, DS, Chevrolet und Cadillac sucht man vergeblich. Immerhin gab es weit weniger Absagen als auf der IAA im vergangenen Herbst, wo knapp ein Dutzend Automarken einen Messeauftritt am Main strich. Tatsächlich ist auf dem Genfer Salon 2018 mehr los als in den Jahren zuvor und es gibt mehr Neuheiten. Denn unabhängig vom Tiefschlag Fahrverbot kämpfen die Automessen um ihren Platz. Viele Hersteller wollen ihr Engagement reduzieren oder ganz verschwinden. Teure Flugpreise und astronomische Hotelkosten belasten die Bilanz. Aber vor allem: Die Bedeutung der Automessen schwindet von Jahr zu Jahr. 

Dabei trumpfen die Premiumhersteller mächtig auf. An Neuheiten fahren Audi A6, BMW X4, das limitierte Range Rover SV Coupé oder der BMW M8 Grand Coupé (noch als seriennahe Studie) und der 639 PS starke AMG GT Coupé auf. Daneben stehen überarbeitete Modelle wie Mini, Skoda Fabia, Maybach S-Klasse oder die Mercedes C-Klasse. Daneben strahlen Studien wie der Subaru Viziv Tourer Concept, die Neuauflage des historischen Mini oder der spektakuläre Fenyr Supersport.

Auch Autos für normale Menschen

In Genf stehen extravagante Studien und PS-Boliden im Rampenlicht, aber es gibt auch eine Menge an Jedermann-Autos. Da wären: der Mazda 6 Kombi, Volvo V60, der Kia Ceed Sportwaggon, der elegante Peugeot 508 oder der Hyundai Santa Fe. Groß, günstig und familiär geht es in Familienkastenwagen wie dem Citroën Berlingo oder dem Peugeot Rifter (ehemals Partner) zu. Der nächste VW Golf lässt noch ein Jahr auf sich warten und auch Ford hat den neuen Focus anders als erwartet nicht gezeigt. Nun tritt der neue Toyota Auris gegen den Kia Ceed an. 

Im Lichte der Dieselkrise verblüfft, dass der 88. Genfer Automobilsalon bei den Hybridmodellen wenig Neues zeigt. Der neue Toyota Auris hat zwar Hybridantriebe mit 122 und 180 PS, besitzt aber keine Plug-in-Technik. Der Bentley Bentayga Plug-in-Hybrid wird dagegen von einer Kombination aus Dreiliter-V6-Turbo und einem Elektromotor angetrieben. Zusammen leisten sie 460 PS, der 2,5 Tonnen schwere Panzer kann immerhin 50 km rein elektrisch fahren.

Das Kaninchen vor der Schlange

Aber das reicht nicht, um über die Ratlosigkeit der Industrie hinwegzusehen. Es ist keine Strategie zu erkennen, wie die Diesel-Technik gerettet werden könnte. Und ohne diese Strategie ist der Dieselmotor für Pkw praktisch tot. Um das zu erkennen, muss man nur die Rabatte ansehen, die heute aufgerufen werden, damit sich ein Kunde eines Diesels erbarmt. Die Hersteller behaupten allesamt, großartige Pläne für das Elektroauto zu haben: Doch auf die Krise nach dem Diesel muss jetzt sofort eine Antwort kommen und nicht in fünf Jahren.

Kra mit Pressinform
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