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Berlins verrückte Verkehrspolitik: Der Irrsinn mit den Megatrucks

Niemand mag die neuen Monster-Laster, nur das Bundesverkehrsministerium liebt die Ungetüme heiß und innig. Ein Projekt, das nur scheitern kann.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Kein Mensch wird mit den Mega-Trucks wirklich warm, seit sie auf den Straßen fahren. Forsa Umfragen zum Thema ergeben eine stabile Ablehnungsfront von 80 Prozent trotz großangelegter Informations- sprich Werbekampagnen.

80 Prozent Ablehnung - das ist auch im Zeitalter des Wutbürgers ein ungewöhnlich hoher Wert. Der Mega-Laster ist damit mit Abstand das unbeliebteste Projekt der Regierung.

Die Befürworter in Berlin verstehen den bockigen Bürger nicht, weil sie nicht zuhören wollen. Die Auswertung des laufenden Feldversuches durch die Bundesanstalt für Straßenwesen hat fast nur Positives zu berichten. Eine Zunahme an Unfällen konnte nicht festgestellt werden. Das ist gut, doch Angst und das Unbehagen gegenüber diesen Giganten wurden wohlweislich nicht untersucht. Dass es kaum möglich ist, so einen Lang-Trumm auf der Landstraße zu überholen, spielt in den Berliner Visionen keine Rolle. Wie sich ein Radfahrer fühlt, wenn so ein Gigant neben ihm durch einen Kreisel fährt, wurde nicht gefragt.

Überall Monster-Trucks

Den Versprechungen der Politik, dass die Monster-Lkw auch in Zukunft nur auf ausgesuchten Strecken fahren dürfen, muss man misstrauen. Im Feldversuch beträgt die Länge des Versuchsnetzes bereits 10.150 Kilometer. Bei einer regulären Zulassung wird jedes Gewerbegebiet der Republik angeschlossen.

Und was wird passieren, wenn die megabreite Zufahrt wegen Bauarbeiten oder eines Unfalls einmal gesperrt sein wird? Dann wird der 25-Meter-Brummer auf schmalere Wege ausweichen und überall dort fahren, wo er durchkommt.

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Das Hauptargument für die Lang-Lkw lautet, dass sie gerechnet aufs Transportgut weniger Sprit verbrauchen als herkömmliche Lkw. Das mag richtig sein, leuchtet aber nicht ein: Ein Transport auf den noch viel längeren Mega-Güterzügen der Bahn würde die Umweltbelastung noch weit stärker reduzieren. Mega-Lkw würden den Trend "weg von der Schiene, rauf auf die Straße" noch verstärken.

Da vor allem gesetzliche Beschränkungen dafür verantwortlich sind, dass jeder vierte Lkw leer über die Straßen fahren muss, nimmt man dem Ministerium den Umweltengel nicht ab. Es gibt es andere Möglichkeiten, den Lkw Verkehr zu reduzieren, als ausgerechnet die Fahrzeuge immer weiter wachsen zu lassen.

EU und Bürger einmal einig

Politisch ist der Durchhaltewille des Bundesverkehrsministeriums glatter Selbstmord. Ramsauer scheiterte an der Punktereform. Die verworrenen Mautpläne der CSU zerschleißen seinen Nachfolger Dobrindt ohnehin, nun müsste er auch noch eine Diskussion um die Monster-Lkw führen. Chancen hat das Projekt ohnehin nicht. Bei den Lang-Lkws sind sich EU und Bürger einmal einig: Beide wollen die Riesen-Brummis nicht.

Das EU-Parlament hat sich schon im Frühjahr gegen den grenzüberschreitenden Verkehr der Lang Lkw ausgesprochen. Bei der Abstimmung wurden 606 Nein-Stimmen und nur zwei Ja-Stimmen gezählt, eindrucksvoller kann eine Niederlage nicht ausfallen. "Keiner will die Monster Trucks auf Europas Straßen ", erklärte damals eine Sprecherin des EU-Verkehrskommissars. Nur in Berlin will man nicht hören und propagiert weiterhin den Monster Truck. Auch wirtschaftlich wird er sich nie lohnen, wenn die Fahrzeuge in den deutschen Grenzen eingesperrt werden.

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