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Rache eines VW-Kunden: Diesen ausgeschlachteten Golf soll VW in den USA zurücknehmen

Volle Entschädigung kassieren, aber nur das Fahrgestell zurückgeben und die Ersatzteile behalten -  das war der Plan eines Golf-Besitzers in den USA. VW wollte nicht, da suchte er Hilfe vor Gericht.

Gut zu erkennen: Mayer hat sogar die Verkleidungen im Innenraum ausgebaut-

Gut zu erkennen: Mayer hat sogar die Verkleidungen im Innenraum ausgebaut-

In den USA wurde VW dazu verdonnert, alle Betrugs-Diesel mit 2-Liter-Motor zurückzunehmen. Besonders bitter für VW: Die Wagen dürfen nicht in Länder mit laxen Umweltschutzregeln exportiert werden, eine Umrüstung nach US-Standard wird auch kaum möglich sein. Die Absicht der Behörden ist klar, der Betrugs-Konzern soll bestraft werden: Die betreffenden Wagen müssen auf den Schrott.

Ganz besonders clevere VW-Kunden, wie Joe Mayer aus Cincinnati, denken daher: "Ist ja eigentlich schade drum." Sie bauen alle brauchbaren Teile aus und wollen nur ein Grundgestell zurückgeben. Mayer hat von seinem Golf Haube, Türen und Heckklappe entfernt. Im Inneren sollen sogar die Airbags fehlen.

Gutes Geschäft mit den Ersatzteilen

Die Motive für die Aktion sind nicht ganz klar, natürlich kann Mayer versuchen, die Teile als Ersatzteile auf E-Bay zu verkaufen, ob der Erlös am Ende den Aufwand wert ist, darf bezweifelt werden. Als sein VW-Händler von Mayers Plan erfuhr, nur das Grundgerüst des Wagens zurückzugeben, strich dieser den Rückgabetermin. Mayer sagte zu dem Auto-Portal Jalopnik, der Händler habe behauptet "das sei nicht der Sinn der Rücknahme."

Der findige Mayer hingegen wollte sich auf eine Klausel berufen, dass VW bei der Rücknahme auch Wagen mit Kratzern und Beulen anstandslos zurücknehmen müssen. Der Sinn der Klausel ist, dass VW die Entschädigungssummen nicht durch Bagatellschäden nach unten drücken kann.

Immerhin sind die Scheinwerfer noch dran.

Immerhin sind die Scheinwerfer noch dran.

Richter war nicht amüsiert

Unter dem Vorsitz von Richter Charles Breyer wurde der VW-Vergleich abgeschlossen, der VW zur Rücknahme der Diesel verpflichtete. Der Richter konnte der Idee von Mayer nichts abgewinnen. Er warnte VW-Besitzer eindringlich davor, die Wagen vor der Rückgabe zu demontieren. VW-Anwalt  Robert Giuffra bestätigte in einer Gerichtsanhörung, dass es mehrere Fälle gäbe. Mayer soll nur der extremste Kunde sein, weil er alles, was nur möglich war, aus dem Wagen entfernt hatte. Richter Breyer erklärte: "Die Absicht der Vereinbarung war, dass Volkswagen die Wagen so akzeptiert, wie sie auf der Straße benutzt worden sind, und nicht, dass Volkswagen ausgeschlachtete Autos übernehmen muss." 

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Auch von offiziellen Stellen können die Plünderer keine Hilfe erwarten. Jonathan Cohen, Rechtsanwalt der Federal Trade Commission, sagte, seine Behörde  helfe "grundsätzlich keinen Konsumenten, die absichtlich böswillig handeln", berichtet "USA Today". 

Schlechte Karten also für Joe Mayer. Noch ist nicht bekannt, ob sein VW-Händler nun darauf besteht, dass der Golf wieder zusammengebaut wird. Oder ob man es ausnahmsweise akzeptieren wird, wenn Mayer die Ersatzteile auf einem Anhänger mitbringt.

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