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Kein Sicherheitsabstand - Kampfradler streift Frau beim Überholen

Er wollte schnell vorbei und streifte eine Frau auf ihrem Rad beim Überholen. Sie stürzte schwer. Die Frau sei selbst schuld, argumentierte der Radrabauke vor Gericht, denn sie hätte weiter rechts fahren sollen. Das Gericht sah das anders.

Auch Radfahrer müssen einen Sicherheitsabstand einhalten, auch wenn es das Überholen schwieriger macht.

Auch Radfahrer müssen einen Sicherheitsabstand einhalten, auch wenn es das Überholen schwieriger macht.

Abstand halten – das verlangen Radfahrer, wenn sie von Kraftfahrzeugen überholt werden. Als Regel gilt ein Abstand von 1,40 Meter. Der allerdings von Autofahrern nur selten eingehalten wird. Aber umgekehrt halten manche Radler einen Sicherheitsabstand für unnötig, wenn sie selbst überholen wollen.

Auch Radfahrer müssen Abstand halten

Das geht so nicht, sagt das Oberlandesgericht () Karlsruhe. Kommt es zum Unfall, haftet der überholende Radfahrer. Was war geschehen: Im konkreten Fall fuhr eine Frau auf einem zwei Meter breitem Radweg. Ein herannahender Mann versuchte, sie links zu überholen, dabei berührte er die Frau mit der Schulter. Sie stürzte und erlitt einen komplizierten Bruch, der langwierig behandelt werden musste. Der überholende Mann sah die Schuld nicht bei sich, sondern – typisch Kampfradler – bei der Frau. Nicht er habe zu knapp überholt, sie sei zu sehr in der Mitte gefahren. Sie habe gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen und sei selber schuld. 

Abstimmung

Überholen Radfahrer zu rücksichtslos - was meinen Sie? 

Mit diesen irrigen Vorstellungen räumte das Oberlandesgericht auf. Zuerst einmal hieß es im Beschluss: Ein Radfahrer, dessen Fahrlinie auf einem zwei Meter breiten Sand-Schotter-Weg einen Seitenabstand von ca. 80 cm zum rechten Rand des Weges einhält, verstößt nicht gegen das Rechtsfahrgebot. Das war auch kaum anders zu erwarten. Auch wenn ein Rad auf der Straße fährt, muss es nicht am äußersten Rand direkt neben der Gosse fahren.

Kein Recht aufs Überholen

Hinzu kommt, dass man beim eines Rades immer mit gewissen Schwankungen rechnen müsse. Das muss ein Radfahrer ebenso wie ein Autofahrer bedenken. Vor allem stellte das Gericht klar, dass es kein Grundrecht auf Überholen gibt. Sei ein Überholen mit ausreichendem Seitenabstand nicht möglich, könne der schnellere Radfahrer eben nicht vorbei. Die Verpflichtung, beim Überholen einen Seitenabstand einzuhalten, der eine Gefährdung des anderen Verkehrsteilnehmers ausschließt, gelte nach der Straßenverkehrsordnung auch im Verhältnis zwischen zwei Radfahrern. 

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das Urteil erging 2016 und wurde nun in der "Neuen Juristischen Wochenschrift" veröffentlicht.

Kra
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