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Lancia Flavia 2.4 16v: Offener Italio-Amerikaner

Chrysler ist gestern - heute ist Lancia. Nach den umgelabelten Modellen Voyager und Thema ist der Flavia das dritte Modell im US-italienischen Bunde.

Aus seiner Herkunft macht der neue Lancia Flavia kein Geheimnis. Kann er auch nicht, denn der offene Viersitzer entspricht bis auf das italienische Firmenlogo dem Chrysler 200 Convertible. Dieser wiederum ist vom Grundkonstrukt weitgehend identisch mit dem Vorgängermodell Chrysler Sebring Cabrio. Gab es diesen einst mit verschiedenen Dachkonstruktionen in PVC / Stoff und als Klappdachversion, um auch als preiswertes Modell für das Mietwagengeschäft genutzt werden zu können, so versucht es der neu aufgelegte Flavia eine Ecke luxuriöser. Zu einem günstigen Preis von 36.900 Euro gibt es eine Komplettausstattung, die zumindest in Komfortsicht einiges zu bieten hat. Teilelektrische Ledersitze, vollelektrisches Dach, Festplattennavigation, Klimaautomatik und nicht zuletzt ein üppiges Platzangebot sind Charaktereigenschaften, die man in dieser Liga sonst kaum für unter 50.000 Euro bekommt.

Über die gigantische Länge von 4,95 Meter freuen sich die Insassen wegen des guten Platzangebots vorne und hinten ebenso wie über die 2,77 Meter Radstand. Der Kofferraum ist mit 377 Litern ordentlich dimensioniert, auch wenn dieser sich bei geöffnetem Dach auf 198 Liter verschlankt. Die üppigen Dimensionen, das Leergewicht von über 1,7 Tonnen und ein Stoffdach, das sich unzeitgemäß nur im Stand öffnen und schließen lässt, machen kein Hehl aus der Kernkompetenz des Lancia Flavia. Hier hält es der Neu-Italiener ganz wie sein Vorgänger der Sebring, der seit 2011 eben als 200 Convertible in den USA auf Kundenfang geht. Er ist ein Cruiser und ein guter zudem. Mit Fahrdynamik ist es nicht weit her. Das Fahrwerk aus McPherson-Federbeinen vorn und einer Mehrlenkerhinterachse ist dabei komfortabel, die Lenkung nicht zu schwammig und weder bei geöffnetem noch geschlossenem Dach gibt es nennenswerte Poltereien. Mit so einem Viersitzer den Pacific-Coast-Highway hinauf- oder hinabgleiten und die seichten Landschaften zwischen Los Angeles und San Francisco genießen - perfekt.

Wäre da nur nicht die enttäuschende Kombination aus Motor und Getriebe. Während es in den USA einen vergleichsweise leistungsstarken 3,6-Liter-V6-Pentastar-Motor mit 211 kW / 283 PS gibt, muss der europäische Sonnenanbeter am Steuer des Flavia zahlreiche Entbehrungen auf sich nehmen. Der 2,4 Liter große Vierzylinder ist ein in die Jahre gekommenes Relikt aus der Daimler-Chrysler-Kooperation. Er sollte einst als sogenannter Weltmotor eine günstige Basis für zahlreiche Konzernprodukte sein und besonders in den USA und Asien die Mittelklassekunden erfreuen, die keine großen Ansprüche haben. Leider hat sich daran ohne Zugaben wie Direkteinspritzung oder Aufladung nichts geändert.

Der Vierzylinder mit einer Leistung von 125 kW / 170 PS und einem Drehmoment von 220 Nm bei 4.500 U/min ist insbesondere in der Kombination mit der trägen Chrysler-Automatik ein lautstarkes und wenig arbeitsfreudiges Dauerärgernis. Der Motor ist träge, laut und passt schon gar nicht zu einem großen Cabriocruiser wie dem Flavia. Leistungsabrufe des Fahrers werden erst mit großer Verzögerung erhört und dann schieben sich Motor und Sechsgang-Automatik im Wechsel den schwarzen Peter der mobilen Untätigkeit zu. Die Fahrleistungen reichen dann in dieser Klasse allenfalls auch für das Nötigste. 0 auf Tempo 100 erledigt der laut aufheulende Motor in knapp elf Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit ist mit 195 km/h ebenfalls alles andere als eindrucksvoll. Der Verbrauch des Vierzylinders ist mit versprochenen 9,4 Litern angesichts des gebotenen mehr als stattlich.

Ähnlich unzeitgemäß wie der Antrieb zeigt sich die Sicherheitsausstattung des schmucken Lancia Flavia. Vier Airbags, ESP und ABS sind an Bord, doch das Thema Fahrerassistenzsysteme scheint noch nicht allzu tief in den Köpfen der italienischen Produktverantwortlichen angekommen zu sein. Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Spurhalte- oder Spurwechselassistent sind ebenso wenig verfügbar wie Xenonlicht, Abstandstempomat oder weitere Sicherheitsdetails, die sich mittlerweile längst durch die Mittelklasse ziehen. So wird es der Lancia Flavia trotz seines faires Preises schwer haben. Von wegen Dolce Vita.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.