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Lexus GS 300h: Öko-Bruder im Sportlerdress

Mit dem GS300h lässt Lexus ab Anfang des Jahres einen trägen Spritsparer im sportlichen Design auf die Straße. Kann der Lexus endlich Kunden der deutschen Premiumkonkurrenz zu den Japanern locken? Wohl kaum.

Der Puls steigt, die ersten Schweißtropfen bilden sich und der Gedanke "Ich habe hier nun wirklich nichts verloren" formt sich. Nur noch kurz das eng sitzende Sportlaibchen übergestreift und aus einem kleinen dicken Jungen ist ein für die Sportstunde korrekt gekleidetes Schulkind gezaubert. Dass ein sportliches Äußeres nicht ausreicht um beim Sprint einen Podestplatz zu erringen, müssen aber nicht nur Turnbeutelvergesser, sondern ab dem 11. Januar auch die Besitzer des neuen Lexus GS300h lernen. Denn der schicke und sich weder in puncto Außen- noch Interieurdesign Mängel erlaubende Japaner sieht leider nur sportlich aus.

Sein Gesamtgewicht von mindestens 1.730 Kilogramm verlangt der Elektro-Verbrenner-Kombination mehr Leistung ab, als es dem Fahrer und seinen bis zu vier Passagieren lieb ist. Dabei lässt ein Blick auf das erst bei 260 Kilometer pro Stunde endende Tachoblatt noch erste Vorfreuden aufsteigen. Auf dem Weg dorthin endet die Nadel aber bereits auf Höhe der 190er-Markierung. Zumindest in deutschen Landen peinlich in dieser Klasse. Auf der freien Autobahn muss selbst Fahrzeugen mit knapp der Hälfte der dem Lexusbesitzer zur Verfügung stehenden Gesamtleistung von 164 kW / 223 PS die linke Spur überlassen werden. Und auch mit der Sprintzeit von 9,2 Sekunden bis zum Landstraßentempo ist beim Autoquartett kaum ein Stich zu holen.

Wer sich jedoch schon vor dem Kauf des in der Basisversion bei 45.300 Euro startenden Hybriden von jedem sportlichen und dynamischen Gedanken verabschiedet, fährt mit ihm vor allem eines: verbrauchseffizient. Mit knapp fünf Litern Benzin auf 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von rund 110 Gramm entspricht, muss der 66 Liter fassende Benzintank nur selten wieder aufgefüllt werden. In den Kofferraum passen genau 402 Liter mehr als in den Tank, sprich 468 Liter. Für eine angenehm komfortable Reise sorgt indes nicht nur die ausreichend gefederte Dämpfung, sondern auch ein optionaler und vor allem nachrüstbarer W-Lan-Hotspot, der zumindest den Mitfahrern einen erhöhten Mehrwert bietet. Sollte die Lautstärke des Entertainmentsystems höher als normal geregelt worden sein, stört auch nicht mehr der äußerst unsportliche Klang des 2,5 Liter großen und 133 kW / 181 PS leistenden Vierzylinder-Benzinmotors.

Für einen, zumindest bis Tempo 40, lautlosen Antrieb ist der 105 kW / 143 PS starke Elektromotor zuständig. Das 300 Newtonmeter erzeugende Aggregat zieht seine Betriebsspannung von 650 Volt aus 192 Nickel-Metallhydrid-Zellen. Damit die Leistung an der Hinterachse ankommt, wurde ein stufenloses, variables Automatikgetriebe mit sechs Gängen verbaut. Zu Gunsten einer höheren Endgeschwindigkeit wäre das Siebenganggetriebe des größeren Bruder 450h wünschenswert. Schlechter steht es hingegen um die Lenkung des 4,85 Meter langen, 1,84 Meter breiten und 1,46 Meter hohen Lexus. Wirkt sie im Eco-Modus noch unauffällig und ausreichend präzise wird sie durch das Einlegen des Sport+-Modus unerträglich synthetisch.

Die Zeiten, in denen sich ein Autokunde auf Grund der umfangreicheren Serienausstattung zu einem japanischen Automobilhersteller hingezogen fühlte, scheinen zumindest bei Lexus der Vergangenheit anzugehören. Die Serienausstattung beinhaltet neben den gut passenden und sowohl beheiz- als auch kühlbaren Ledersitzen Bi-Xenonscheinwerfer, 17 Zoll große Leichtmetallfelgen, einen Park Assist - Abstandswarner und einen Berganfahrassistenten. Die nächsthöhere Ausstattung Executive Line schlägt mit 5.500 Euro Aufpreis und die kostspieligste Variante mit einem Gesamtpreis von 62.300 Euro zu Buche. Alles in allem reiht sich der Lexus GS300h ordentlich in die Riege der japanischen Hybride mit dem Anspruch auf ein komfortables und effizientes Reisen ein. Und wer sich für die Innenausstattung mit Edelholzapplikationen entschieden hat, belohnt gleichzeitig auch noch seine Augen mit einem, wie der Name bereits verraten möchte, edlen Ambiente. Doch gefährlich wird dieser Hybride der deutschen Premiumkonkurrenz beim besten Willen nicht.

Press-Inform / pressinform
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