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Mercedes GLE 350 de: Langstrecke

Mercedes spendiert seinem erfolgreich gestarteten GLE eine Kombination aus Diesel- und Elektromotor. Die elektrische Reichweite ist mächtig, doch der Vierzylinder passt nicht in das Luxusmodell mit Allradantrieb.

Mercedes GLE 350 de

Mercedes GLE 350 de

Manchmal kann man ja auch einmal von der Konkurrenz lernen, die sich in der Vergangenheit bereits eine blutige Nase geholt hat. So getan bei BMW, denn die Bayern schickten die vergangene PHEV-Generation von 7er und X5 mit einem Vierzylinder-Turbo ins Rennen, der von einem Elektromotor unterstützt wurde. Die Kombination ließ es im Alltag nicht nur an Image, sondern auch an Souveränität und Klangvolumen vermissen. BMW besserte nach und nunmehr sind die Modelle 7er und X5 als Plug-Hybriden mit deutlich besseren Reihensechszylindern kombiniert. Auch Audi hat dazu gelernt, denn der ehemalige A8 als Vierzylinder mit Elektroboost wurde in der neuen Generation ebenfalls zum Sechszylinder. Leider hat Mercedes aus den Fehlern der Konkurrenz nicht gelernt, denn bei den Schwaben deutet nur die Nomenklatur als GLE 350 de auf einen Sechszylinder hin. Stattdessen gibt es unter der Motorhaube einen Vierzylinder-Diesel mit einem sehr kräftigen Elektromotor, der mit seinen 100 Kilowatt im Getriebetunnel verbaut wurde.

Langstrecke
Mercedes GLE 350 de

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Wer mit dem GLE 350 de startet, ist im Normalfall elektrisch und somit nahezu lautlos unterwegs. Und die über 90 Kilometer elektrischer Reichweite sollten dafür sorgen, dass man die meisten Strecken des Alltags ohne Zutun des Verbrenners zurücklegen kann. Gut so, denn im Elektromodus macht der über 2,4 Tonnen schwere Crossover einen sehr ausgewogenen Eindruck und präsentiert sich nicht nur durch das beeindruckend geringe Geräuschniveau beinahe wie ein echtes Elektroauto. Der Verbrenner wird nur dann zugeschaltet, wenn man im Sportprogramm unterwegs ist oder im Zwischenspurt in der City oder auf der Landstraße besonders kraftvoll beschleunigt. Dann tönt der Vierzylinder-Diesel allerdings angestrengt so, wie man es sich von keinem Luxus-SUV der Oberklasse wünscht. Der Verbrenner springt zunächst zwar dezent ein, doch das nagelnde Geräusch entlarvt das Triebwerk nicht nur unweigerlich als Diesel, sondern auch noch als einen mit überschaubaren zwei Litern Hubraum und vier Zylindern.

Dabei mag man darüber streiten, ob die Kombination aus Diesel und Elektromotor mit Nachladefunktion per Stecker auf lange Sicht überhaupt eine sinnvolle Alternative ist. Die Dieseltriebwerke sind an sich im Alltagsbetrieb sparsam genug, ohne dass ihnen ein Elektromodul zu Hilfe kommt. Fahrverbote für Innenstädte? Derzeit kaum abzusehen. Zudem sind die Märkte, auf denen sich Elektroautos oder Plug-In-Hybriden der größten Beliebtheit erfreuen, solche außerhalb von Europa und haben deshalb keine besondere Dieselneigung. Hersteller wie JLR oder PSA, die in der Vergangenheit bereits Kombinationen aus Selbstzünder und Elektromotor angeboten haben, konnten sich kaum über eine nennenswerte Nachfrage freuen und schickten die Antriebsvarianten schneller als ehemals geplant wieder in Rente. Kaum zu glauben, dass dies bei Mercedes anders sein wird. So sollten die Plug-In-Hybriden in der Symbiose mit einem Benziner eine bessere Marktchance haben; bestenfalls jedoch mit ebenso imageträchtigen wie kraftvollen und laufruhigen Sechs- oder Achtzylindern.

Gespeist wird der Elektromotor im Mercedes GLE 350 de von einer Lithium-Ionen-Batterie, die 31,2 kWh zur Verfügung stellt. Das Akkupaket - das gedoppelte Modul aus der hybriden A-Klasse - ist unter dem Laderaum verbaut, wobei den SUV-Fans eine Stufe im Ladeabteil erspart bleibt und das Volumen mit bis zu 1.915 Liter bei umgelegter Rückbank allemal üppig dimensioniert ist. Optisch unterscheidet sich der Plug-In-Hybride weder innen noch außen von seinen GLE-Brüdern mit Diesel- oder Benzinmotor. Neben dem normalen Benzinstutzen gibt es in der linken Seitenwand eine zwei Zwillingsklappe nebst Combo-Ladedose für Wechsel- und Gleichstrom. An entsprechenden Säulen ist das Laden das Batteriepakets in rund einer halben Stunde möglich. Die elektrische Reichweite ist mit gut 90 Kilometern dabei allemal eindrucksvoll. Und so lange der GLE 350 de im Elektromodus unterwegs ist, passt das Bild. Springt der Commonrail-Diesel mit seinem zwei Liter großen Zylinderquartett ein, wird es schwieriger.

Das liegt nicht an der Gesamtleistung, denn die ist mit 235 kW / 320 PS und 700 Nm maximalem Drehmoment allemal groß genug, um den Allradler entsprechend flott zu bewegen. Vielmehr hapert es am Klang, denn das Dieselaggregat macht keinen Hehl daraus, zwei Zylinder zu wenig im Gepäck zu haben. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 210 km/h abgeregelt und rein elektrisch schafft der GLE immerhin 160 km/h. 0 auf Tempo 100 in 6,8 Sekunden interessieren in der Realität deutlich weniger als die elektrische Reichweite und der Normverbrauch von 1,1 Litern Diesel auf 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 29 g entspricht. Offiziell gibt es noch keinen Preis für den Plug-In-Hybriden Mercedes GLE 350 de, jedoch dürfte der Preis knapp über dem des 272 PS starken GLE 350d liegen, der bei rund 70.000 Euro startet.

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