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Porsche 911 Cabrio: Himmlisches Gelbfieber

Gas geben, Krach machen, Spaß haben - wie schön ist es doch, sich noch mal richtig pubertär zu fühlen. So jedenfalls erging es stern-Reportern im neuen porsche 911 Cabrio auf dem Weg von Sevilla nach Stuttgart

Gut, kann sein, dass ich 53 bin. Und von Harry, dem Fotografen neben mir, sagt man sogar, er sei 57. Aber wenn es drauf ankommt, sind wir glatte 48 und können die Welt aus den Angeln heben. Sofern der Rücken mitmacht. Wir besitzen die Kraft der zwei Herzen, haben jetzt unsere Lesebrillen aufgesetzt und geben die Strecke von Sevilla nach Stuttgart, Porscheplatz 1, ins Navigationsgerät ein. Die sollen wir mit dem neuen Porsche Carrera S Cabrio zurücklegen. 2300 Kilometer durch Spanien und Frankreich und ein kleines Stück deutsche Autobahn. 23 Stunden und 34 Minuten wird die Fahrt dauern - das Navigerät hat's ausgerechnet. "Ich glaube", sagt Harry, "wir sollten unterwegs eine Pause einlegen." Meinetwegen auch zwei.

Zur Verfügung steht uns für die Tour ein gelber ("speedyellow") Wagen mit 355 PS, der 293 km/h schnell sein soll, wobei sich bis Tempo 50 das Dach öffnen oder schließen lässt. Eine dieser beiden Geschwindigkeiten werden wir auf unserer Fahrt nicht erreichen, aber das dick gefütterte Dach machen wir schon mal im Stand auf. Ein Knopfdruck, und nach 20 Sekunden ist über uns andalusischer Himmel. Kleiner Tipp: Wer sich vor seiner örtlichen Eisdiele richtig blamieren möchte, kann mit dem hoch aufschwingenden Dach ohne Schwierigkeiten das Ladenschild herunterholen.

Jedesmal, wenn ein neuer 911er auf den Markt kommt, geht ein Raunen durch die Porschegemeinde: Ist das noch der gute, alte Knochenschüttler? Oder nur ein weichgespülter Aufguss, mit dem jede Oma zur Fußpflege fahren kann? Als vor einigen Jahren der erste wassergekühlte 911er erschien, waren viele Aficionados kurz davor, sich mittels Fensterheber zu enthaupten. Ein Porsche hat luftgeküüühlt zu sein - das war Gesetz! Inzwischen ist viel heißes Wasser durch die Kühler geströmt, und die erhitzten Gemüter sind wieder auf normaler Betriebstemperatur. Auch beim neuen Modell kann Entwarnung gegeben werden: Der Wagen schafft den Spagat zwischen Sänfte und Sau mit Bravour; Heißsporn und ältere Dame werden zufrieden sein. Vor allem sieht er mit seinen runden Scheinwerfern dem ewig schönen Vorbild von 1963 wieder ähnlicher.

Sechs Grad plus. Porsches Neuer brummt mit 130 gen Barcelona. Die Sitz- und Fußraumheizung köchelt auf höchster Stufe und hält untenrum warm. Obenrum streicht der Wind durchs dünne Haar, das Windschott verhindert Zug von hinten. Mit Mütze und Schal könnten wir gemächlich bis nach Stuttgart-Zuffenhausen durchfahren. Obwohl die Sitze einen umklammern und man wie ein Fuß im Schuh sitzt, bietet der Wagen durchaus Komfort für lange Strecken. Sogar zwei sehr elegante, mit einem raffinierten Mechanismus ausklappbare Becherhalter haben die Autobauer im Cockpit untergebracht.

Aber ehrlich: Hätten wir eine gemütliche Tour gewollt, wären wir mit einem VW Passat gefahren. Man sollte doch wenigstens mal den Motor aufheulen lassen, oder das Tempolimit kurz, aber heftig überschreiten. Ja, ja, gut, die europäischen Verkehrsordnungen, die Würde des Alters, die Vernunft und so weiter sprechen dagegen. Und keiner will sich über seine Verhältnisse blamieren, schon recht. Nun ist der männliche Körper zum Glück in der Lage, den Verstand und besonders das Schämzentrum mit Testosteron zu fluten und damit kurzzeitig außer Kraft zu setzen. Peinlich ist einem dann nichts. Das geschieht meistens, wenn viele PS im Spiel sind.

Wer trotz dieses biologischen Prozesses noch Hemmungen hat, sollte auf einen Tunnel warten. In seiner Dunkelheit kann man halbwegs anonym handeln, obendrein ist die Akustik gewaltig. Und so geschieht es auch in einer längeren Unterführung kurz hinter Granada. Reinfahren, auskuppeln und: das Gaspedal einmal kurz bis zur Vorderachse durchtreten. Ein Donner bricht los. Es hallt und knallt von den Wänden zurück, als hätte ein Düsenjet überholt. Der Sechszylinder schreit und faucht und bellt, dass der kurz in die Pubertät zurückgefallene Lümmel am Steuer erst eine Gänsehaut bekommt und dann ein leicht bescheuertes Grinsen. Genau wie der Seat-Fahrer auf der Nachbarspur.

Bei der Beschreibung

des infernalischen Lärms, den der Boxermotor beim Hoch- und Runterdrehen macht, klaffen die Meinungen übrigens sehr weit auseinander. Ein Kneipengespräch darüber könnte sich so anhören:

Mann 1: "Von wegen Fauchen und Bellen. Was Sie da hinten hören, das ist das porschetypische röchelnde Hecheln."
Mann 2: "Na, ich bitte Sie. Das ist ein schnarrendes Wummern, mit einem Stich ins Jauchzen vielleicht. Hecheln? Wir sind doch nicht im Kreißsaal."
Mann 3: "Entschuldigung, wenn ich mich einmische. Ein Porsche, ich fahre meinen vierten, ein Porsche zeichnet sich durch sein heiseres Röhren aus. Das ist der Zauber dieses Wagens."
Mann 4 (schüttelt heftig den Kopf): "Es ist ein hämmerndes Brüllen. Allenfalls noch ein grummelndes Jubilieren."
Mann 1: "Nun wird er wunderlich. Herr Ober, vier Bier!"

Solange aus dem Heck kein rasselndes Scheppern klingt, haben alle Recht. Denn dann wäre vermutlich der Motor hin. Ob Schnarren oder Hecheln, auf das typische 911er-Geräusch reagieren die Fans wie der Pawlowsche Hund auf die Klingel. Eine eigene Abteilung mit 50 Akustikingenieuren kümmert sich darum, dass sich der Porsche auch wie einer anhört. Zur Verstärkung des Sounds haben die zum Beispiel einen mechanischen Klangverstärker eingebaut, der in bestimmten Drehzahlbereichen elektronisch zugeschaltet wird. Ganz zu schweigen von den Membranen, die die Sauggeräusche des Motors über die Längsholme direkt in die Fahrgastzelle transportieren.

Es nieselt. Runter auf 50 Sachen, Dach zu. Selbst bei kühner Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit bleibt es dicht wie ein Dosendeckel. Der Beifahrer schläft, so sanft rollt der Porsche die letzten Kilometer bis zum ersten Hotel. Will man ihn wecken, drückt man die Sport-Taste, dann wird die Federung bretthart und jede Unebenheit der Straße stellt sich persönlich beim Gesäß vor. Die Sport-Einstellung bewirkt auch, dass der Gasfuß noch direkter mit dem Motor verbunden ist und sich die Stabilitätskontrolle (PSM) später einschaltet. Wer mit radierenden Reifen losfahren oder ein klein wenig driften möchte, ist der beste Freund dieses kleinen Knopfes. Wer den Beifahrer schlafen lassen und seine Bandscheiben schonen will, lässt die Finger davon.

Auch in Frankreich

bleibt das Cabrio wegen Kälte eine geschlossene Veranstaltung. An den Mautstellen ziehen die beiden aus der Generation 50 plus mit dem Auto 250 plus ihre Beschleunigungsnummer ab: zahlen, Gas geben, losknattern, alle abhängen, nach vier Sekunden, kurz vor 100, in den zweiten Gang und dann bei 140 gleich in den sechsten und den Tempomat einschalten. Lupenreine Pubertät, sage ich Ihnen. Und wenn man danach wieder vorschriftsmäßig dahingleitet, macht man eine erstaunliche Beobachtung. Obwohl man gar nicht überholen will, sondern brav in der Kolonne fahren, weichen die Vorausfahrenden in einer Art vorauseilender Kapitulation bereitwillig auf die Nebenspur aus. Sie zwingen einen quasi, vorbeizuziehen.

Noch ein Wort zu den Bremsen. Sie gelten als die besten weit und breit und haben etwa die Wirkung einer Betonwand. Wenn man ernsthaft auf das mittlere Pedal tritt, klappen einem die Ohren nach vorn, und nur die Gurte verhindern, dass man aus dem Wagen fliegt. Wem das noch nicht reicht, der kann sich zum Preis eines Renault Logan (ca. 7200 Euro) Keramikbremsen bestellen, die noch viel besser sind, den Wagen also schon im Stand abbremsen.

Es gibt wahrscheinlich kein perfekteres Auto als das 911er-Cabrio, wenn man sich
- ohne Kinder, nennenswertes Gepäck und abgekoppelt von jeder Sinnhaftigkeit
- den Wind um die Nase wehen lassen will. Entsprechend schwer fällt der Abschied in Stuttgart, als wir den Wagen bei seinem Herstellern abgeben.

Und schicksalsergeben steigt man zu Hause wieder in seinen Diesel-Golf mit der Beule in der Tür, der alles kann, was ein Normalo von einem Auto verlangt, der praktisch ist, sparsam und unauffällig. Und vernünftig, bis es wehtut. Am Ende dieser Geschichte lesen Sie meinen Namen, und Sie wissen, wie knapp man scheitern kann:

Peter Pursche / print

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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