HOME

Porsche 911 GT3 RS: Den Führerschein bitte

Der neue Porsche 911 GT3 RS ist nicht mehr und nicht weniger als ein Rennauto für die Straße. 500 PS an der Hinterachse sorgen schon beim Blick in die technischen Daten für ein flaues Gefühl im Magen.

"Schon beim ersten Anblick ist klar, der meint es ernst", meint Andreas Preuninger, Leiter der GT-Fahrzeuge bei Porsche trocken. Was sich anhört wie das typische Marketing-Blabla vor der Markteinführung eines neuen Modells, stellt sich schon nach wenigen Kilometern als durchaus treffend dar. Noch nie war ein Serienfahrzeug im Hause Porsche so nah mit einem Rennauto verwandt, wie es der 911 GT3 RS ist. Selbst wenn Andreas Preuninger nicht den martialischen Heckflügel mit Tendenz zum Wickeltisch meint, sondern den humorlosen Blick ins Datenblatt des 181.690 Euro teuren Wagens - es ist keine Schande zu behaupten: dieses Fahrzeug verlangt nach Respekt. Sollte er ihm nicht entgegengebracht werden, wird aus mangelndem Respekt schnell Angst. Denn selten zuvor fühlte sich der Grat zwischen perfekt kontrollierbar und Auf Wiedersehen! so schmal an.

Porsche 911 GT3 RS: Den Führerschein bitte
Er kostet ab 181.690 Euro.

Er kostet ab 181.690 Euro.

Dank des familienfreundlichen, aber nach hinten die Sicht raubenden Heckflügels beträgt der Anpressdruck bis zu 345 Kilogramm. Das hat zur Folge, dass Kurvengeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse, oder physikalisch formuliert, Querbeschleunigungen von fast zwei G erreicht werden können. Gemeinsam mit den 500 PS und 460 Newtonmetern, die ausschließlich an den Hinterrädern ankommen, ist der Neuling im Straßenverkehr mehr als nur eine brutale Fahrmaschine. Was auch gut an den zahlreichen Gewichts-Downgrade-Möglichkeiten zu erkennen ist, die Porsche ohne Aufpreis anbietet. So lassen sich unter anderem durch den Wegfall der Klimaanlage und des Radios 20 Kilogramm einsparen. Ein von 90 auf 64 Liter Fassungsvolumen reduzierter Treibstofftank ist ebenfalls erhältlich. Da schon der normierte Verbrauch 12,7 Liter auf 100 Kilometer beträgt, bietet sich letztere Option aber nur für echte Hardcore-Racer an.

Warum trotz des Zusammenspiels der 325 Millimeter breiten und 21 Zoll großen Hinterräder mit der perfekt arbeitenden Traktionskontrolle dennoch der kalte Schweiß fließt? Eben wegen jener hohen Geschwindigkeiten. An Stellen, wo normal geartete Autofahrer bremsen, jagt der Drehzahlmesser beim 4,55 Meter langen GT3 RS gern nochmal kurz gen 9.000 Umdrehungen pro Minute. Wo normalerweise mit maximal 80 Kilometer pro Stunde in eine Kurve eingelenkt wird, donnert der 1.420 Kilogramm schwere Zweisitzer fast doppelt so schnell durch. Die Frage nach dem Warum kann und wird immer gleich beantwortet: Weil es die Gesetze der Physik zulassen. Die einzige Schwachstelle beim 1,29 Meter flachen Porsche 911 GT3 RS sitzt hinter dem schicken Alcantara-Lenkrad und heißt Mensch.

Um auch dort die Fehlerquote möglichst gering zu halten, darf der Fahrer während der kompletten Fahrt beide Hände am Lenkrad halten. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe PDK "schaltet genauso, wie es ein Rennfahrer machen würde" lobt Rennfahrer-Legende Walter Röhrl die Automatik. "Wir bei Porsche schalten natürlich gerne per Hand, aber noch lieber sind wir schneller", lautet die emotionslose Erklärung von Andreas Preuninger. Und auch die Lenkung könnte nicht präziser und genauer reagieren. Lässt selbst ein begnadeter Rennfahrer die Finger von der Traktionskontrolle, die Sport-Federung ist stets eine der ersten Einstellungen, die er beim Besteigen des Cockpits betätigt. Schon auf den ersten Meter wird die Wirkung dieses kleinen Fingerzeigs deutlich. Der Kontakt zur Fahrbahn könnte nur direkter sein, wenn der Hintern direkten Kontakt zum Asphalt hätte.

Das wiederum bietet sich bei Geschwindigkeiten von bis zu 310 Kilometern pro Stunde nur bedingt an. Viel imposanter als die Topspeed ist allerdings der Weg dorthin. Im Stand den linken Fuß auf der Bremse, den rechten Fuß voll auf dem Gaspedal positioniert, springt der Drehzahlmesser bis kurz vor die große Sieben und im Display erscheinen die magischen Worte "Launch Control aktiviert". Die sich auf sechs Brennkammern verteilenden vier Liter Hubraum füllen sich klangvoll mit Treibstoff. Mit dem Lösen der Bremse startet ein von den Ansauggeräuschen durch die gewaltigen Lufteinlasskanäle noch viel präsenter zu spürender Orkan. Nach 3,3 Sekunden fliegt die Tachonadel über die 100, nach weiteren 7,6 Sekunden ist die doppelte Geschwindigkeit erreicht. Zusammen mit der auf Wunsch knallharten Federung entsteht so eine der schnellsten Ganzkörpermassagen im Automobilsektor, die stets von einem zwanghaften Lachen, Schreien oder auch allem zusammen begleitet wird.

Ob ein GT3 RS auch alltagstauglich sein muss, sei mal dahingestellt. Allerdings überrascht Porsche seine Kunden mit auf beiden Seiten beleuchteten Schminkspiegeln, USB-Aufladebuchsen und einem Schalter, der eine zuvor eingespeicherte Geschwindigkeit hält. Das im Fachjargon Pit-Speed-Limiter genannte Helferlein bietet sich vor allem in Tempo 30, 50, 70 oder kurz in allen Zonen an, die in irgendeiner Weise limitiert sind. Denn sollte die Frisur nach einem kurzen Zwischensprint wieder sitzen und das zuvor alles filmende Smartphone wieder aufgeladen werden, bedarf es bei einer Fahrt mit dem Über-911 vor allem an einem: Disziplin. Denn auch der beste GT3 RS-Pilot ist nichts ohne seine Fahrerlaubnis.

Press-Inform / pressinform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.