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Rolls Royce Alpine Trial Wie in alten Tagen


Vor genau hundert Jahren quälten sich vier Rolls Royce Silver Ghost und andere Teilnehmer über unwegsame Alpenpässe. In diesem Jahr findet die Jubiläums-Tour statt. Wieder mit alten Autos und nicht weniger enthusiastischen Fahrern

Eine Niederlage kann ein immenser Ansporn sein. Diese Weisheit ist nicht ganz neu, aber heute noch genauso gültig, wie vor 100 Jahren. Damals machte sich ein gewisser James Radley in seinem Silver Ghost auf, um die berüchtigte Berg-und-Talfahrt des "Alpine Trials" oder der "Österreichische Alpenfahrt"; wie die Rallye damals hieß, zu gewinnen. Der Grund für diese eherne Entschlossenheit, lag im Scheitern des Jahres 1912 begründet, als der Katschbergpass den Rolls-Royce-Fahrer wie eine lästige Fliege abschüttelte.

Der Grund war eine schlechte Vorbereitung: Radley fuhr einen Rolls Royce Silver Ghost mit dem er die berühmte Wettfahrt von London nach Edinburgh bestritten hatte. Doch das Auto mit nur drei zu hoch übersetzen Gängen war den harten Bedingungen der Geröllstraßen durch die Alpen nicht gewachsen. Diese Niederlage war für die stolzen Briten, die bereits Anfang des letzten Jahrhunderts für Rolls Royce in Anspruch nahmen, das beste Auto der Welt sein, nur schwer zu ertragen.

Also rüstete Rolls Royce den Ghost für das Jahr 1913 mit einer niedriger übersetzten Viergangschaltung und anderen Bremsen an der Hinterachse aus. Außerdem verbesserten die Techniker die Kühlung und gestalteten das Sechszylinder-7,4-Liter-Triebwerk so, dass es gestartet werden konnte, ohne die Motorhaube zu öffnen. Diesmal klappte das Unterfangen, Radley konnte die 2.929 Kilometer lange Wettfahrt mit seinem 50-PS-Silver-Ghost beenden und bekam dafür sogar noch den Preis der Stadt Triest überreicht.

Auch die drei anderen Rolls-Royce-Piloten, Curt Friese, EW Hives und Jock Sinclair wurden mit Lob überschüttet. Bis auf die letzte Etappe zurück nach Wien, als Sinclair in Guntramsdorf in einen Unfall verwickelt war, beendet die Rolls-Royce-Werksfahrer alle Etappen auf den ersten vier Plätzen. Friese, der die Rallye ohne Strafpunkt absolviert hatte, bekam den wichtigsten Einzelpreis aus den Händen des Erzherzogs Leopald Salvador

Insgesamt 6.179 Silver Ghost wurden zwischen 1906 und 1925 gebaut. Rund 40, der auch als "40/50 HP" bezeichneten Fahrzeuge, haben sich jetzt auf die Tortur durch Österreich, Italien, Kroatien, Slovenien und wieder zurück nach Wien gemacht. Die Intention der meist sehr wohlhabenden Automobil-Enthusiasten ist der Spaß an der Sache, einfach das urtümliche Erlebnis selbst zu erleben. Deswegen freut sich Strone MacPherson, der mit einem 1914 Alpine Eagle Silver Ghost an den Start geht, besonders auf den Loiblpass. "Da sind es noch Schotterstraßen und es gibt auch keine Leitplanken. So wie 1913", erklärt der freundliche Schotte. Angst das seine teure automobile Preziose bei der Tortur Schaden erleidet hat er nicht. "Das hält das Auto locker aus!"

Jedem Rolls-Royce-Fan geht bein Anblick der historischen Autos das Herz auf. Beim einem Zwischenstopp an der historischen Basilika in Mariazell versammeln sich Menschtrauben um die Oldtimer, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt. So wie Michael Zeitlins Silver Ghost, Baujahr 1914, in dem sogar der Prince of Wales und spätere König von England Edward VIII während seines New York Aufenthalts 1919 die 8th Avenue entlang gefahren wurde. Nachdem der königliche Rolls-Royce 1991 bei einer Auktion verkauft wurde, brach in der Halle, in der die Autos standen, ein Feuer aus.

Zeitlin erstand den Silver Ghost dann von der Versicherung und ließ das verbrannte Automobil in zehnjähriger mühevoller Kleinarbeit wieder restaurieren. Apropos: Als fünf Teilnehmer in der Hotelgarage die Motoren starteten, schlug prompt der Feueralarm an. Gottseidank, ohne, dass die Sprinkler aktiviert wurden.

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