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USA: Soundsystem und Bierkästen – so stoppte die Polizei eine Amish-Kutsche

Amish sind friedlich, trinken nicht und nutzen keine Elektrizität. Der Polizei von Trumbull County fiel ein herrenloses Pferd mit einer Kutsche auf. Die Passagiere waren geflüchtet, ließen aber jede Menge Bier zurück, und die Rückwand des Karrens wurde von einem Soundsystem eingenommen.,

Eine Amish-Kutsche mit Pferd

Auf seine Art ist der Amish-Buggy ein technisches Wunderwerk, das man kaum noch verbessern kann (Symbolbild)

Picture Alliance

Der stellvertretende Sheriff von Trumbull County in North Bloomfield staunte nicht schlecht, als er eine herrenlose Amish-Kutsche auf der Straße fand. Auf der Bank stand ein angebrochener Kasten Bier. Noch absonderlicher war, dass der Karren mit einem riesigen selbst gebastelten Soundsystem in der Rückwand ausgestattet war und führerlos auf der Straße unterwegs war.

Als sich die Polizisten näherten, sprangen die Männer von dem Karren und verdrückten sich ins Gebüsch. Vermutlich, weil sie betrunken waren. Das Pferd trottete mit der Kutsche von allein weiter. Um einen Unfall zu vermeiden, mussten die Polizisten sich zunächst um das Pferd kümmern und den Karren abschleppen. "Ich habe noch nie einen amischen Buggy mit einem Pferd angehalten, aber mir wurde gesagt, dass das Pferd den Heimweg zum Stall findet, unabhängig davon, ob der Kutscher wach ist oder ob überhaupt jemand in der Kutsche ist. Dieses Pferd trottete jedenfalls weiter die Straße hinunter in Richtung der Zufahrt zu einem Bohrloch und hielt dann an", sagte Chief Deputy Joe Dragovich zu dem Sender "Fox 8".

Aus Europa geflohen

Bei den Amish handelt es sich um eine religiöse Gruppe, die wegen der Verfolgung ihres Glaubens aus Europa flohen. Ihren Ursprung haben sie in den Täufer-Bewegungen des 16. Jahrhunderts. Heute werden nur die "Amish der alten Ordnung" als solche wahrgenommen, andere Gruppen haben sich dem modernen Leben angepasst. Die Anhänger der alten Ordnung lehnen hingehen moderne Technik, wie auch die moderne Lebensweise ab, und leben nach eigenen Regeln, die in vielem den Vorstellungen vergangenen Jahrhunderte ähneln.

Dabei sprechen sie untereinander eine eigene Variante des Deutschen. Obwohl Kutschen, Kleidung, und der weitgehende Verzicht auf Elektrizität sehr mittelalterlich anmuten, leben die Amish nicht in einem Retro-Kosmos. Auch ihre Welt wandelt sich langsam, allerdings sind die Amish sehr vorsichtig, welche Neuerungen sie übernehmen. Alkohol und Soundsystem gehören jedenfalls nicht zu den erlaubten Dingen.

Medienpräsenz der Amish

Die Amish leben zwar für sich, sind aber keine abgewandte Sekte. Sie gehören in ihren Siedlungsgebieten zu den Attraktionen des Fremdenverkehrs, mit schöner Regelmäßigkeit tauchen sie als exotische Gestalten in Filmen und Serien auf, am bekanntesten dürfte der Filme "Der letzte Zeuge" mit Harrison Ford sein. Wegen der Sittenstrenge und der allgemeinen Friedfertigkeit der Amish, werden Berichte über Fehltritte von Amish in den USA begierig aufgesogen.

In den Jahren 2015 und 2016 zogen eine Serie von gewalttätigen Zwangsrasuren weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Mitglieder einer Amish-Splittergruppe überfielen nachts die Häuser ihrer Gegner und scherten fünf Männern mit Gewalt die traditionellen Bärte und lange Haare. Auch bei diesen Gewaltakten wurde moderne Technik eingesetzt: Die Täter filmten die Demütigung mit einer Kamera und benutzten auch einen elektrischen Rasierer.

Kra
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