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Autohype um Tesla: Hunderttausende kaufen das Tesla Model 3 blind, dabei gibt es mehr als ein Problem

Keiner weiß heute, wie das Model 3 von Tesla genau aussehen wird, wann es gebaut wird, was es kann und wie viel es exakt kosten wird. Alles egal: 276.000 Kunden haben blind zugeschlagen.

Tesla: Optisch zeigt sich das Model 3 als kompakter kleiner Bruder des Model S.

Optisch zeigt sich das Model 3 von Tesla als kompakter kleiner Bruder des Model S.

Die Präsentation des Tesla Model 3 war ein voller Erfolg. Der charismatische Tesla-Boss Elon Musk erwies sich einmal wieder als begnadeter Verkäufer seiner Ideen. Er präsentierte das Mittelklasse-Auto Model 3 als Revolution der Mobilität - und fast 300.000 Kunden folgten seiner Begeisterung und bestellten das Fahrzeug blind.  

Exakt 276.000 Kunden haben im Zeitraum von Donnerstagmorgen bis Samstagabend unterzeichnet, wie Elon Musk am Sonntag mitteilte. Inzwischen dürften es noch mehr geworden sein. Dabei ist die Vorbestellung eines Model 3 eine ernsthafte Sache und nicht ein folgenloser Klick auf eine Internetseite. Eine Order wird nur mit einer Anzahlung von 1000 Dollar akzeptiert.

Begeisterung für elf Milliarden Dollar

Das Model 3 soll zu Preisen ab 35.000 Dollar auf den Markt kommen, durchschnittlich kalkuliert Tesla mit - inklusiver einiger Extras - mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 42.000 Dollar. 276.000 Kunden bedeuten also einen sicheren Umsatz von über elf Milliarden Dollar. Von so viel Kunden-Begeisterung können andere Hersteller nur träumen. Der Tesla-Hype zeigt aber auch: Der Traum vom Auto ist noch lange nicht ausgeträumt. Es muss nur jemand kommen, der diese Träume wieder lebendig macht. Mercedes und Co. schaffen es derzeit nicht, Elon Musk schon.

Und tatsächlich hat das Model 3 das Potenzial, den Markt aufzurollen. Die beiden bisherigen Tesla-Modelle S und X kosten über 70.000 Dollar. Das ist automobile Oberklasse. Und bei aller Begeisterung für Tesla, die Zahl der Menschen, die sich ein so teures Auto leisen wollen, kann nicht beliebig wachsen. Das Model 3 entspricht dagegen preislich der Mittelklasse. Als Preisidee: Ein 3er-BMW mit Außendienstler-Ausstattung kostet auch etwa 42.000 Euro. Weder Mercedes noch BMW oder Audi bieten ein Elektrofahrzeug wie das Model 3 an. Die Reichweite von bis zu 350 Kilometer dürfte für die meisten potentiellen Kunden mehr als ausreichen.

Teslas Glanz und Teslas Probleme 

Mit dem Model S hat Tesla enorm vorgelegt. Teslas Startvorteil heute ist ein Nimbus, den man als das iPhone der Automobilbranche beschreiben könnte. Dieser Kult, die Vision, eine umweltfreundliche Mobilität komplett neu zu definieren, begeistert und führt zu der enormen Zahl von Vorbestellungen.

Aber es gibt auch Probleme für Tesla. Noch ist zum Beispiel vollkommen unklar, wann das Wunderauto wirklich geliefert wird. Ende 2017, sagt Elon Musk, beginnt die Auslieferung. Vermutlich wird 2018 daraus. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass es noch später wird. Und der Beginn der Auslieferung sagt noch nichts darüber aus, in welcher Stückzahl das Model 3 dann vom Band läuft. Die Vorbestellungen von heute werden sicher erst nach 2020 abgearbeitet sein. Tesla muss bis dahin die Probleme einer echten Massenfertigung meistern und zeigen, dass die Firma auch Geld mit Autos verdienen kann. Denn das schafft Tesla bislang nicht.

Die Zeit spielt gegen das Tesla Model 3

Vor allem der Faktor Zeit ist kritisch. Denn die heute so beeindruckenden technischen Daten des Fahrzeugs schrumpfen, je mehr Zeit zwischen Ankündigung und Auslieferung verstreichen. Sollten Google oder Apple ein selbstfahrendes Roboterauto auf den Markt bringen, dürfte ihr Fahrzeug die Tekkies weit mehr begeistern, als der bloße Elektroantrieb des Tesla. Der Hype würde dann ein neues Objekt der Begierde finden. Und eine ganz konkrete Gefahr droht von Chevrolet. Die GM-Marke bringt mit dem Bolt auch ein Elektrofahrzeug der Mittelklasse auf den Markt. Preise und Leistungsdaten von Bolt und Model 3 liegen in etwa auf einem Niveau, soweit man das heute überhaupt sagen kann. Der Kultfaktor des Tesla ist größer, aber wer jetzt bestellt, kann Weihnachten seinen Bolt in Empfang nehmen, im Model 3 dürfte man als 300.000 Besteller im besten Fall vier Jahre später Platz nehmen können.



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