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Abgas-Skandal und die Folgen: So gefährlich ist die VW-Krise für Deutschland

Momentan gibt es jeden Tag einen neuen Tiefpunkt in der VW-Krise. Betrifft das den Durchschnittsdeutschen, der nicht bei Volkswagen arbeitet überhaupt? 

Volkswagen in Wolfsburg: Die neue Dimension des Abgas-Skandals bei VW wird immer stärker zum Politikum.

Volkswagen in Wolfsburg: Die neue Dimension des Abgas-Skandals bei VW wird immer stärker zum Politikum.

Im VW-Abgasskandal kommen immer weitere Details an den Tag, das Ausmaß ist nur schwer abzuschätzen. Würde VW an der Krise zerbrechen, wären die Folgen für Deutschland verheerend. Zum Glück ist das unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist folgendes Szenario: VW wird noch jahrelang mit der Aufarbeitung beschäftigt sein, am Ende aber gestärkt aus der Situation hervorgehen. Zur Not auch mit fremder Hilfe. Der Konzern ist "to big to fail" - also zu wichtig, als dass man das Unternehmen in eine tiefe Krise fallen lassen würde. Das öffentliche Interesse am Wohlergehen des Konzerns ist riesig.

Tragweite der Katastrophe

Volkswagen ist einer der größten Arbeitgeber der Welt. Allein in Deutschland sind etwa 270.000 Menschen fest bei dem Automobilkonzern angestellt. In Anbetracht von mehr als 40 Millionen Erwerbstätigen hierzulande insgesamt klingt das nicht viel. Ist der Hype um die VW-Krise also überflüssig? Sicherlich nicht, denn neben den 270.000 Angestellten im Dienst des Volkswagen-Konzerns hängen Hunderttausende weitere Jobs - mehr oder weniger - direkt vom Erfolg der Wolfsburger ab.

VW beschäftigt viele Leiharbeiter, aber auch das beschreibt nur einen Teil der Krise. Um die Tragweite und die potenzielle Bedrohung unserer Wirtschaft zu beschreiben, lohnt sich der Blick auf eine Besonderheit der Automobilbranche: Die relativ geringe Fertigungstiefe. Konkret bedeutet das, die Automobilhersteller kaufen viele Bauteile (z.B. Keilriemen, Reifen, Zündkerzen, Tachos, Lacke etc.) von Zulieferern ein. Wenige der Zulieferer arbeiten ausschließlich für VW, aber wer den Volkswagen Konzern als Kunden hat,  dem geht es schlecht, wenn es VW schlecht geht. In der Automobilbranche ist diese Abhängigkeit weitreichender als in anderen Branchen. Der Zündkerzenlieferant hat seinerseits Zulieferer, die ebenfalls von Drittfirmen beliefert werden – eine Kettenreaktion.

Wie viele Arbeitsplätze durch die VW-Krise direkt oder indirekt betroffen sind, lässt sich nur schätzen, mehrere Millionen sind es auf jeden Fall. Wer besonders pessimistisch ist, richtet seinen Blick an dieser Stelle noch auf die vielen Jobs, die vor allem in Niedersachsen indirekt im Zusammenhang mit VW stehen: Restaurants, Pizzalieferanten, Fitnessstudios und so weiter. Wenn bei Volkswagen der Stecker gezogen wird, geht (mindestens) in ganz Wolfsburg das Licht aus.

Was in der jetzigen Situation Mut macht

Eine Insolvenz des VW-Konzerns ist praktisch nicht denkbar. Der Konzern hat anerkanntermaßen gute Produkte und äußerst moderne Produktionsstätten. Die Verkaufszahlen sind (nach wie vor) im internationalen Vergleich überragend. Der Konzern ist grundsätzlich profitabel.

Alle Probleme, die jetzt auf VW zukommen, lassen sich mit Geld lösen – die Frage ist nur, um wie viel Geld es dabei geht. Momentan gehen die meisten Schätzungen von einem hohen einstelligen Milliardenbetrag aus – aber selbst, wenn auch das nur die Spitze des Eisberges ist, wird sich eine Lösung finden. VW wird die Krise überstehen. Wenn es sein muss auf Kosten der Steuerzahler.

Heiner Walberg

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