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Ökobilanz von E-Autos Falschmeldung bei Facebook: Wie viel CO2 verursacht die Produktion einer Tesla-Batterie?

Ökobilanz von E-Autos: Wie viel CO2 setzt eine Tesla-Batterie frei?
Ein Tesla Model S wird in einem Werk im US-Bundesstaat Kalifornien fertiggestellt. Die Batterien des Herstellers sorgten auf Facebook für Spekulationen über die Ökobilanz von E-Autos.
© Jeff Chiu / Picture Alliance
Zu Tausenden wird auf Facebook ein Beitrag geteilt, der E-Autos der Marke Tesla eine schlechtere Ökobilanz bescheinigt als Verbrennern. Die Batterie würde bei ihrer Produktion Unmengen CO2 freisetzen, heißt es. Ein Faktencheck zeigt: die Behauptung ist Unsinn.

Dass E-Autos nicht nur Fans haben, ist längst klar. Die Visionäre hinter Tesla und Co. streben mit lauten Tönen eine Revolution des Automarktes an, die auf Kosten des Verbrennungsmotors geht. Letzterer bugsiert uns immerhin seit mehr als 100 Jahren von A nach B – da kann ein Abschied schon Mal schwerfallen. 

Auf Facebook kursiert derzeit eine Meldung, die die Ökobilanz von E-Autos der Marke Tesla ins Negative verkehren will. "Die Produktion einer Tesla-Batterie stößt 17 Tonnen CO2 aus", heißt es auf dem geteilten Foto. Das sei so viel, wie ein Verbrenner im Laufe von 200.000 gefahrenen Kilometern ausstößt. "Nur zur Erinnerung" kommentiert der Nutzer dazu. Der Beitrag wurde bisher mehr als 10.000 Mal geteilt (Stand 8. Juli, 11.30 Uhr).

DPA und Korrektiv rechnen CO2-Emissionen nach

Das Recherchezentrum "Correctiv" hat einmal nachgerechnet und kommt zu einem ganz anderem Ergebnis. Nicht nur sei der CO2-Ausstoß der Produktion einer Tesla-Batterie deutlich zu hoch angegeben worden, die Emissionen eines Verbrenners müssten zudem merklich nach oben korrigiert werden. Nach Angaben des Recherchezentrums produziert ein Auto mit Verbrennungsmotor durchschnittlich 35 bis 39 Tonnen CO2 auf 200.000 Kilometer – also mehr als doppelt so viel, wie in dem Beitrag angegeben. Batterien für E-Autos stoßen während ihrer Nutzung kein CO2 aus, aber bei ihrer Produktion werden Energie und Rohstoffe verbraucht. Eine Tesla-Batterie kommt in der Produktion den Angaben zufolge auf 13 Tonnen CO2-Emissionen. Die Autoren fügen außerdem hinzu, dass es sich hierbei um den schlechtesten berechneten Fall handele.

Den Correktiv-Berechnungen des CO2-Ausstoßes von Verbrennungsmotors liegen Ergebnisse des Kraftfahrbundesamtes, des Umweltbundesamts und der Helmholtz-Gemeinschaft zugrunde. Um die CO2-Emissionen der Produktion einer Tesla-Batterie zu errechnen, nutzten die Autoren Studienergebnisse des Fraunhofer-Instituts, der Universität Einhoven und des schwedischen Umweltforschungsinstituts.

Die Deutsche Presseagentur (DPA) stellte vor wenigen Tagen einen ähnlichen Faktencheck an und nahm dieselbe Facebook-Meldung zum Auslöser. Sie kam zu dem gleichen Ergebnis. Auch Facebook selbst hat den Beitrag als Fehlinformation gekennzeichnet. "Laut unabhängigen Faktenprüfern beruhen diese Informationen nicht auf Tatsachen", schreibt das Unternehmen und verweist auf die Recherchen von Korrectiv und DPA.

Tesla will Batterien klimaneutral produzieren

Sowohl Correktiv als auch die DPA machen allerdings deutlich, dass für die Berechnung der CO2-Emissionen einer E-Auto-Batterie viele Produktionsschritte berücksichtigt werden müssen – zum Beispiel der Abbau der für die Batterie-Produktion benötigten Rohstoffe, in der Regel Lithium oder Kobalt. Unterschiedliche Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen, weshalb beide angeführten Berechnungen von dem schlechtesten Fall ausgehen. Die Faktenprüfer von politifact.com kamen gerade mal auf 4,5 Tonnen CO2-Emissionen für die Herstellung einer 75-Kilowattstunden-Batterie in der Fabrik von Tesla in Nevada.

Tesla gibt zudem auf seiner Website an, eine neutrale CO2-Bilanz für die Produktion der Batterien und der Fahrzeuge selbst anzustreben. Die Gigafactory in Nevada soll nach ihrer Fertigstellung zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben werden – genau so die Gigafactory in Brandenburg, die sich derzeit im Bau befindet.  

Quellen: Korrektiv, DPA factchecking, polifact.com, Tesla 

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