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Abwrack-Gewinner: Schlachtfest auf dem Schrottplatz

Nirgendwo schlägt die Abwrackprämie heftiger ein als auf dem Schrottplatz. Plötzlich rollen zehnmal so viele Autos zum Ausschlachten an wie zuvor - und die Wagen sind gut in Schuss. Nichts vom Geschäft mit den Fahrzeugteilen hat allerdings der Besitzer. Der muss auf seinen Alten sogar draufzahlen.

Von Anja Semmelroch

"Ich wollte Dich fragen, ob Du nicht Deinen Urlaub unterbrechen könntest? Wir haben hier alle Hände voll zu tun." Martin kann, und Junior-Chef Tim Kiesow (27) steckt zufrieden das Handy zurück in die Lederjacke. Seit der Staat jedem Neuwagenkäufer 2500 Euro mit auf den Weg gibt, ist Leben eingekehrt auf dem familieneigenen Autofriedhof vor den Toren Hamburgs. In "normalen" Jahren landen um die 3500 Ausgediente auf dem Norderstedter Schrottplatz, den die Kiesows selbstbewusst als größten in ganz Deutschland bewerben. 2009 ist die 1500er-Marke bereits geknackt - und das Mitte Februar. Ginge es im gleichen Tempo weiter, könnten es am Jahresende 12.000 sein. An Spitzentagen rollen bis zu 150 Autos vor die Annahme.

Im Autoleben ist hier Endstation. Für Kiesow und seine Männer geht das Geschäft jetzt erst los. Was vielversprechend aussieht, wird in der Demontage aufgebockt. Hier gilt der Grundsatz: "Je interessanter das Fahrzeug, desto tiefer wird geschlachtet." Kiesows Mechaniker bauen alles aus, was auf dem Gebrauchtteilemarkt noch Geld bringen könnte - und das nicht zu knapp: Ein gut erhaltener Mercedes-Motor ist durchaus seine 3000 bis 5000 Euro wert, schätzt der Chef. An die 45.000 Autoteile hat Kiesow in den hallenhohen Regalen hinter dem Verkaufstresen auf Lager. Rote, gelbe, blaue, grüne Motorhauben. Stoßstange an Stoßstange, Getriebe neben Getriebe, bis unter die Decke.

Ein Schrottauto - drei Mal Verdienen

Das ausgenommene Schlachtvieh hievt der Gabelstapler als "Auslage" auf den SB-Platz: Hier kann sich jeder in schier endlosen Autoreihen nach Herzenslust selbst zu seinem Ersatzteil durchschrauben - ungeprüfte, aber billige Ware. Immerhin wirft jedes Wrack im Schnitt noch einmal 300 Euro ab. Erst wenn nichts mehr zu holen ist, geht die Karosserie an den meistbietenden Schredderbetrieb. Ein Schrottauto, drei Mal Verdienen. Der Großvater hatte eine gute Geschäftsidee. Dabei war an eine Abwrackprämie seinerzeit noch gar nicht zu denken.

"Ist ja wie Weihnachten!" Seinen Namen will der Rotbärtige im Schmuddel-Parka auf dem SB-Platz nicht nennen, trotzdem ist er in Plauderlaune. Drei Mal pro Woche fährt er neuerdings hier heraus, kämpft sich mit Einkaufswagen und Werkzeugtasche durch den öligen Schneematsch zwischen den Autowracks. Mal lässt er 60, mal 70 Euro bei Kiesow. Heute hat er mit seinem Kumpel eine Türleiste für einen Golf zutage gefördert - aber sie haben ja auch gerade erst angefangen. "Solche Autos hat man vorher hier nie gefunden", sagt er und strahlt.

"Die Qualität ist deutlich gestiegen"

Tatsächlich gibt es seit Januar bei Kiesow nicht nur viel mehr, sondern auch mehr Gutes. "Die Qualität ist deutlich gestiegen", bestätigt der Junior-Chef. In Vor-Abwrack-Zeiten landeten vor allem Autos mit Baujahr 1990 bis '95 auf dem Schrottplatz. Seit der Staat die Neuwagenkäufer mit Prämien lockt, füllt sich der SB-Bereich mit neun bis zwölf Jahre alten Wagen. Platz ist genug da bei 68.000 Quadratmetern Betriebsfläche. 2500 Wracks hat Kiesow hier sonst im Angebot. Jetzt, wo das Geschäft brummt, lässt er die Reihen enger stellen; so kriegt er noch mal 1000 Schrottautos unter. "Der Kunde freut sich", ist sich Kiesow sicher.

Jeder Kunde? Wer sein Auto hier entsorgt, hat nichts vom lukrativen Geschäft mit den Gebrauchtteilen. Früher, bevor es die Abwrackprämie gab, hat Kiesow den meisten Kunden den Restwert erstattet. Dann kam der Boom, und Kiesow stellte um aufs Prinzip: Auto gegen Verschrottung. Mittlerweile sagt er: "Wir könnten es nicht durchhalten, wenn wir die Fahrzeuge kostenlos annehmen." Für den Neuwagenkäufer heißt das: Er muss 50 bis 100 Euro drauflegen, damit er seinen Alten überhaupt loswird. Alternativen gibt es laut Kiesow nicht: "Ich wüsste nicht, welcher Verwerter das anders macht. Wir müssen ja auch überleben."

"Kraftakt für die Autoverwerter"

Es klingt paradox: Der Junior-Chef des größten deutschen Autoverwerters klagt auf dem Scheitelpunkt der Verschrottungswelle über Existenznöte. Aber vom "Glücksfall Abwrackprämie" will Kiesow nichts wissen. Stattdessen spricht er lieber über die "logistische Herausforderung" und den "Kraftakt für die Autoverwerter". Die eigenen Schlepper reichen längst nicht mehr aus, um die Stillgelegten bei den Autohäusern im Großraum Hamburg abzuholen. Also muss Kiesow Speditionen beauftragen, außerdem Hilfskräfte einstellen, zusätzliche Gabelstapler anmieten. Dazu die 250 Euro Kosten, die die fachgerechte Entsorgung eines jeden Schrottautos ohnehin verursacht. Das geht nicht nur ins Geld. Bis die ausgebauten Gebrauchtteile gegen Bares an den Mann gebracht sind, können laut Kiesow Monate ins Land gehen - auch wenn hier sicher nichts verdirbt. "Diesen Riesen-Kostenblock schiebe ich jetzt erst mal vor mir her", wirbt er um Verständnis.

Denn den "Riesen-Kostenblock" schiebt er direkt an die Kunden weiter. Nur in ganz seltenen Fällen, wenn er mal einen gut erhaltenen Audi A4 oder einen 4er Golf zum Abwracken auf den Platz bekommt, lässt sich vielleicht über einen Restwert reden. Generell ist aber wenig Verhandlungsspielraum drin. Denn Kiesow denkt längst über 2009 hinaus. Wenn die Staatsprämie Vergangenheit ist, wird wohl wieder Ruhe einkehren auf dem Autofriedhof. Und das bedeutet: "Wir müssen uns jetzt den Speckgürtel anfressen für die Zeit, die danach folgt."

Bald könnte die Verschrottung an die 200 Euro kosten

Ob man der Argumentation folgen mag oder nicht - die Autoverwerter sitzen am längeren Hebel. Für die Kiesow-Kunden könnte es sogar noch dicker kommen: "Wenn sich der Boom länger hinzieht, werden die Recycler reagieren müssen", kündigt der Junior-Chef schon jetzt an. Heißt: Bald könnte die Verschrottung den Besitzer zwischen 150 und 200 Euro kosten.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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