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Abwrackprämie: Chaos durch Nachfrage-Boom

Erfolgsmodell Abwrackprämie: Bereits eine Million Anträge sind beim Bundesamt für Wirtschaft eingegangen, eingeplant war lediglich ein Budget für 600.000. Die Autohändler erleben einen unerwarteten Nachfrage-Boom - und versinken im Chaos.

Zunächst war der Jubel bei Autohändlern und Kunden groß: Die Ankündigung der Bundesregierung, die Antragsfrist für die Abwrackprämie bis Ende 2009 zu verlängern, löste einen Sturm auf die Autohäuser aus. Aber dann brach das Chaos aus.

Fatal war die Änderung des Verfahrens: Reservieren kann man sich die Umweltprämie über 2500 Euro nun nur noch auf der Internetseite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Doch für die massiven Zugriffe war die Seite nicht gewappnet: Wegen Überlastung war das Antragsformular zeitweise nicht abrufbar. Und so gerieten etliche Kunden in Panik, weil sie fürchteten, leer auszugehen. Ihren Frust ließen sie bei den Autohändlern ab.

Bis zu 20.000 Anträge stündlich

Auch die Verkäufer verzweifelten. "Wir haben versucht, innerhalb von zwei Tagen 1000 Reservierungen zu platzieren", sagt Henning Schulski, Verkaufsleiter bei einem der größten Volkswagen-Händler in Hamburg. "Aber da ging erst einmal gar nichts." Inzwischen habe man herausgefunden, dass es mitten in der Nacht am besten funktioniere. Dafür hat Schulski extra ein Team zusammengetrommelt. Etliche Anträge müssten noch an den folgenden Tagen abgearbeitet werden.

So reißt die Flut von Anträgen nicht ab. "Wir wundern uns, dass das nicht abflacht", sagt Holger Beutel, Sprecher des Bafa. 10.000 bis 20.000 Anträge stündlich registrierten die Rechner. Insgesamt seien inzwischen knapp eine Million Anträge eingegangen. Beutel bestätigte, dass es immer noch zum Teil technische Probleme gäbe, auf die die Behörde allerdings keinen Einfluss hätte.

Volkswagen größter Nutznießer

Derweil versucht die Bundesregierung, den Kunden die Panik zu nehmen. "Es gilt die Zusage, dass im Jahr 2009 die Umweltprämie gezahlt wird", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. "Es gibt keinen Grund zur Panik, zur Hast oder zur Eile." Jeder Antrag werde bearbeitet. Ursprünglich hatte die Bundesregierung lediglich ein Budget von 1,5 Milliarden Euro eingeplant, das hätte für 600.000 Antragsteller ausgereicht. Die Autobranche geht aber von mindestens 1,5 Millionen Anträgen bis Ende des Jahres aus.

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Volkswagen-Händler wie Henning Schulski in Hamburg erleben offenbar den größten Ansturm. VW profitiere am meisten von der Abwrackprämie, teilte das Bafa mit. Über 14 Prozent aller Prämien gingen an Käufer von Volkswagen. Opel kommt auf etwas über zehn Prozent und Hyundai auf 7,8 Prozent. Schulski freut sich über das "positive Signal" für die Autobranche. Aber auf den Stress mit dem neuen Online-Verfahren hätte er gerne verzichtet. "Das hat Kunden und Verkäufer unnötig verunsichert."

söw

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