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Alternative Antriebe: Lohnt sich Autogas jetzt noch?

Wie Pilze schießen die Autogas-Säulen an den Tankstellen aus dem Boden. Besitzer von Alt- und Neuwagen stehen Schlange bei den Umrüstern. Aber jetzt bricht der Benzinpreis ein und könnte dem Boom ein Ende machen, bevor er richtig begonnen hat.

Von Christoph M. Schwarzer

Hamburg, Stadtteil Hammerbrook: Hier, wo die Autobahn endet, werden die leeren Tanks gefüllt. Dabei stoppen die Fahrer älterer Benziner immer häufiger an der Autogassäule, halten den Förderknopf gedrückt und bekommen nicht nur wegen des Winters kalte Füße. Der Spritpreis verfällt rasant, während der für Flüssiggas fast konstant bleibt. Benzin: 1,12 Euro. Autogas: 69 Cent. Die schwarze Null im Amortisationsrechner für den Einbau der Zusatzeinspritzung rückt in immer weitere Ferne.

Amortisation frühestens nach 155.000 km

Zum Beispiel beim Golf BiFuel. Gerade hat Volkswagen den variablen Trinker in Bologna vorgestellt. Der Normverbrauch im Benzinmodus von 7,1 Litern summiert sich zu 7,95 Euro auf 100 Kilometer. Im Gasbetrieb sind es laut VW knapp 30 Prozent mehr oder 9,2 Liter, die auf der gleichen Strecke 6,35 Euro kosten. Alles in Butter? Nein. Der BiFuel steht zwar noch nicht in der Preisliste. Legt man aber den gleichen Aufpreis wie beim Sharan-LPG zu Grunde, kommen die 2488 Euro erst nach 155.000 Kilometern rein.

Immer vorausgesetzt, dass die Tankdisziplin stimmt. Denn obwohl über 4500 Autogastankstellen eindeutig ein dichtes Netz sind, hat nicht jeder immer Lust, bei Regen und Kälte permanent auf den Knopf zu drücken, der das Flüssiggas ins Auto bringt. Da wird dann schon mal zum Benzinhahn gegriffen. Der ist sowieso notwendig, weil der Standardsprit kurzzeitig zum Warmfahren gebraucht wird. Und schon rückt der Zeitpunkt wieder ein Stück nach hinten, an dem sich die Umbaukosten rechnen.

Keine Ölpreisbindung bei Autogas

Ja, ist doch klar, sagt der Stammtisch, wegen der Ölpreisbindung läuft der Gaspreis eben um ein paar Monate hinterher, immer ruhig bleiben, Ostern sieht’s wieder anders aus! Das stimmt bei der Heizung für Haus und Wohnung, nicht aber beim Autogas. Der Deutsche Verband Flüssiggas e.V. (DVFG) bestätigt auf Anfrage von stern.de, dass es keine Preisbindung gibt. "Selbstverständlich gibt es keine festgelegten Preisverhältnisse", sagt Robert Schneiderbanger, Hauptgeschäftsführer des DVFG. Er betont, dass die Gaspreise von den Beschaffungskosten an den internationalen Energiemärkten abhängig seien und verweist auf Zusatzfaktoren zu Gunsten von Autogas wie den gestiegenen Wiederverkaufswert.

Der ist aber gerade für Altbenziner oft kein Thema mehr. Da geht es entweder knallhart darum, preisgünstig ans Ziel zu kommen. Oder darum, sich den schicken, dicken Wagen vom Schlag eines Opel Omega Kombi oder den Mercedes S300 aus der W126-Baureihe weiterhin leisten zu können. Da der Preis für die Umrüstung unabhängig von der Fahrzeuggröße bei 2000 bis 3000 Euro liegt, kommen Schluckspechte und Vielfahrer am schnellsten in den grünen Bereich. Wer aber etwa einen gebrauchten Golf IV umbauen will, sollte sich den Golf VI als warnendes Rechenvorbild nehmen: Nach 155.000 zusätzlichen Kilometern sind viele Gebrauchte auf dem Schrottplatz angekommen.

Diesel als lachender Dritter

Das zukünftige Verhältnis von Autogas- zu Benzinpreis vorauszusagen, wäre Kaffeesatzleserei. Wie auslegungsfähig der vom DVFG genannte Begriff des Beschaffungs- oder Marktpreises ist, wissen Autofahrer aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit den Mineralölkonzernen aber genau. Als Folge könnte ein Totgesagter wiederauferstehen: Der Diesel. Beim Neuwagen-Golf mit einem Normverbrauch von 4,5 Litern kosten 100 Kilometer nämlich nicht 6,35 Euro (Autogas) oder 7,65 Euro (Benzin), sondern nur 4,86 Euro. Sogar der Gebrauchtdiesel kann wieder eine Option werden, auch wenn 700 Euro für Partikelfilter und grünes Ampellicht in der Feinstaubzone investiert werden müssen.

Fazit: Planungssicherheit und ökonomische Garantien bei Umbau auf oder Neukauf von Autogasantrieben gibt es nicht. Die Wahl des Energieträgers – Benzin, Diesel oder Gas – bleibt wie gehabt immer auch eine Spekulation auf die zukünftige Entwicklung bei Tankstellenpreisen, Versicherungstarifen sowie Steuer- und Umweltgesetzen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.