HOME

Autobahnparkplätze: Überfülltes Asphalt-Motel

Auch LKW-Fahrer wollen schlafen. Für das Ruhebedürfnis von immer mehr Truckern werden die Autobahn-Rastplätze rücksichtslos zugeparkt. Gebühren fallen für die Ungetüme nicht an, den Ausbau der Parkgelegenheiten soll der Staat bezahlen.

Von Christoph M. Schwarzer

Der Platz reicht nicht mehr: Wenn erschöpfte LKW-Fahrer ausruhen wollen, treffen sie auf überfüllte Rastanlagen und Autohöfe. Und der Schwerlastverkehr nimmt weiter zu. Für die Sicherheit müssen neue Parkplätze her. Aber wer soll die bezahlen?

Es wird eng. Wer abends auf einer der großen Transit-Autobahnen wie der A2, der A5 oder der A8 mit dem Auto auf einen Rastplatz einbiegt, kann schon mal die Spiegel anklappen. Immer häufiger parkt eine Armada von LKWs auch außerhalb markierter Parkplätze. Und für die Autos bleibt nur eine schmale Gasse, um sich durchzuzwängen.

Wer soll die LKW-Parkplätze bezahlen?

Die Ursache sind die Lenkzeitvorschriften für die LKW-Fahrer. Auf je zwei Wochen verteilt – im Jargon "Doppelwoche" genannt – dürfen die Brummitreiber insgesamt 90 Stunden lenken, davon maximal 56 in einer Woche. Das ist gut und richtig, weil übermüdete Fahrer leichter Unfälle verursachen. Und anders als beim Shopping in der Innenstadt, bei der die Kommunen ihren Obolus verlangen, ist hier der Bund in der Pflicht: Damit die Autobahnkapitäne die Gesetze einhalten können. Aber der Schwerlastverkehr nimmt immer mehr zu, und die Parkplätze reichen nicht mehr. Eigentlich müssten neue gebaut werden. Eine fast schon raffinierte Konstruktion aus Eigentumsverhältnissen, Geldmangel und Bürokratie verzögert die Ausweitung.

Autohöfe wollen Mauteinnahmen

Laut Bundesverkehrsministerium gibt es etwa 40.000 Parkplätze. Rund die Hälfte davon stellen die Autohöfe: Große und meistens moderne Anlagen, die sehr nah, aber nicht direkt an den Autobahnen liegen. Für die LKW-Fahrer ist das eine Erholung, weil sie, so das Ministerium, "bessere Schlafvoraussetzungen bieten als die auch nachts vom Lärm beeinträchtigen Autobahnrastanlagen". Also auf zu den Autohöfen? Gerne, sagt Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender von deren Verband "VEDA" und selbst Betreiber von zwei Anlagen – wenn der Bund aus den Mauteinnahmen Geld für den Erhalt der Parkplätze gibt.

Dreistes Manöver: Instant Karma: Dieser ungeduldige Fahrer überholt das falsche Fahrzeug

Die Autohöfe sind nämlich privatwirtschaftliche Betriebe, die ihr Geld verdienen müssen. Und das wird immer schwieriger, weil das Preisgefälle beim Diesel in Europa immer größer wird. Im Gegensatz zur kleinen Tankstelle auf dem Land wurde an den Zapfsäulen der Autohöfe früher ein guter Teil des Gewinns gemacht: Die Masse macht’s oder besser – hat’s gemacht. "Jetzt hat der Actros von Mercedes serienmäßig einen 1.200-Liter-Tank, der problemlos auf 1.800 Liter aufgerüstet werden kann", erklärt Schneider. Bei geschätzten 28 Liter Verbrauch für einen 40-Tonner "fahren die damit von Warschau nach Barcelona." Tanken in Deutschland ist überflüssig.

Alle paar Jahre neue Duschanlagen

Als Verdienst bleibt also nur das Geschäft mit den Parkgebühren. Die betragen laut Schneider sechs bis zehn Euro. Geld, das voll auf die Duschen, Klo und Essen angerechnet werden kann. Und der Service an den Autohöfen wird weiter ausgebaut. An mehreren Stellen gibt es sogar schon "Doc Stops", kleine Arztcontainer, an denen sich die Fahrer versorgen lassen können. Alles schön, wenn der Gewinn reichen würde. "Inzwischen gibt es einen Investitionsstau", erklärt Schneider. Die Parkplätze würden immer mehr verfallen, und die Duschanlagen wären ohnehin alle sieben bis neun Jahre fällig.

Damit die Fernfahrer also ihrer vom Gesetzgeber vorgegeben Pflicht zur Ruhe nachkommen können, sind die privat geführten Autohöfe absolut notwendig. Ohne sie geht es nicht. Darum möchte Karl-Heinz Schneider von der VEDA auch, dass sie in die Planungen des Verkehrsministeriums mit aufgenommen werden. Und er möchte am liebsten einen Teil der Mauteinnahmen haben, denn schließlich wird hier eine öffentliche Aufgabe erfüllt. Als kleine Drohung denkt er auch über Alternativen nach: "Gerne würden wir die ALDIs dieser Welt einen Supermarkt für die Fahrer bauen lassen." Auf Kosten der unwirtschaftlichen Parkflächen.

Rasthöfe ohne Ausbaumöglichkeit

Fein raus sind dagegen die klassischen Rasthöfe direkt an der Autobahn. Die hat der Bund 1998 verkauft. Privatisiert, wie es offiziell heißt. Seitdem werden die Tankstellen und Gaststätten der "Tank + Rast" unternehmerisch geführt. Nach mehreren Eigentümerwechseln sind das heute je zur Hälfte die Deutsche Bank-Tochter RREEF und die britische Private Equity-Gesellschaft Terra Firma. Wohl gemerkt, nur die Gebäude und der Grund darauf. Die LKW-Parkplätze direkt davor gehören weiter dem Bund. Deutlicher gesagt: Die Gewinne aus dem Geschäft mit den gestressten Fahrern fährt das Unternehmen ein. Die Kosten für Unterhalt und Ausbau der Parkplätze bezahlt der Bund aus den Einnahmen der Maut und damit der Konsument. Einen kleinen Wermutstropfen bilden dabei nur die Konzessionsgebühren, die die "Tank + Rast" an den Staat abdrücken muss.

Das Statement von Sprecher Andreas Rehm fällt darum auch eindeutig aus. "Wir brauchen einen konsequenten Ausbau der Parkflächen rund um die Rastanlagen." Und weiter: "Dies ist Angelegenheit des Bundes und der Straßenbauverwaltung der Länder." Angelegenheit bedeutet hier: Zahlemann und Söhne. Eine Situation, die der Bund selbst durch den Verkauf der Anlagen geschaffen hat.

Behördenmühlen mahlen langsam

Das Problem der überfüllten Parkplätze ist beim Bundesverkehrsministerium längst bekannt. Hier geht man von einer jährlichen Steigerung des Güterverkehrs von zwei bis drei Prozent aus. Untätig war das Ministerium nicht: Auf etlichen Autobahnparkplätzen von Rhynern auf der A2 bis Nürnberg Feucht an der A9 wurden mehr als 4.000 Stellplätze geschaffen. Der weitere Ausbau braucht Zeit. Das kann Jahre dauern. Da muss die Flächennutzung auf angrenzendem Gelände beachtet werden. Vielleicht ist ein Wasserschutzgebiet in Gefahr. Und auch die Anwohner sind nicht begeistert und "können Projekte verzögern". Wer möchte schon eine Autobahn im Vorgarten, nur weil der Joghurt einmal durch ganz Europa gekarrt werden muss? Die Zeche zahlen neben den Steuerzahlern die Fahrer, die nach Aussage des VEDA-Vorsitzenden Schneider oft unter "menschenunwürdigen Zuständen" leben. Dann steht auch schon mal ein verirrter 40-Tonner in der 30-Zone.

Wissenscommunity