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Neuer Trick der Autodiebe Autoklau in 60 Sekunden

Auf der Überwachungskamera ist der Diebstahl festgehalten.
Auf der Überwachungskamera ist der Diebstahl festgehalten.
© Youtube Screensho
Ein Auto auch ohne Schlüssel zu starten, gilt als schick. Leider macht es die Keyless-Ausstattung kinderleicht, ein Auto zu klauen. Robert G.s Sportrenner war in 60 Sekunden weg.

Schlechte Nachrichten für Autobesitzer: Ein Trick der Autodiebe, dem bislang nur Luxuswagen zum Opfer gefallen sind, wurde in letzter Zeit demokratisiert. Jetzt werden in Rekordzeit auch Fahrzeuge der Mittelklasse gestohlen.

 Robert G. aus Birmingham vermisste am Morgen seinen Ford Focus auf der Einfahrt. "Wir überprüften die Überwachungskameras und sahen, dass der Wagen in weniger als 60 Sekunden gestohlen wurde." Zuerst habe er gedacht, dass er wohl seine Schlüssel im Auto liegen gelassen hätte.  Dabei brauchten die Diebe keine Schlüssel, ihr Trick nennt sich die Keyless-Methode. Keyless heißt beim Auto eine Ausstattung, mit der das Auto gestartet werden kann, ohne dass ein Schlüssel in ein Schloss gesteckt werden muss. Man muss den Schlüssel nur mit sich führen, dann entsichert er den Wagen elektronisch und man kann das Fahrzeug mit einem Druck auf den Power-Knopf starten.

 Die Autodiebe kommen ohne den elektronischen Schlüssel zurecht, sie benutzen auch keinen Universal-Schlüssel, der den Wagen hackt. Sie setzen anders an. Auf dem Video ist gut zu erkennen, dass die Diebe den Wagen nicht von außen aufschließen können. Ganz traditionell müssen sie ein Seitenfenster einschlagen.

Technik aus dem Osten

Von dort verschaffen sie sich Zugang zum Diagnose-Port des Autos, stecken ein kleines Gerät ein, dass die Fahrzeugelektronik dazu bringt, den Wagen aufzuschließen und zu entsperren. Ein Knopfdruck weiter und der Wagen fährt davon. Der Dieb benötigt keine besonderen Kenntnisse für den Diebstahl in Rekordzeit.

Robert G. wurde eine teure ST-Sportversion des Ford Focus gestohlen. Die professionellen Diebe suchen aber auch einfachere Modelle heim, sofern sie nur über eine Keyless-Ausstattung verfügen. Richard Coles der eine Fanseite für den Focus ST betreibt, sagte der "Sunday Times": "Das ist eine Epidemie. In den letzten sechs Monaten wurde in jeder Woche einem unserer Mitglieder das Auto gestohlen."

Keine Lösung in Sicht

Das Problem betrifft aber nicht nur Ford, sondern auch andere Marken. Die kleinen Geräte, die die Elektronik überlisten, werden in Osteuropa und China programmiert und  gelangen dann nach Europa. Die Zunahme der Diebstähle lässt vermuten, dass diese Geräte leichter verfügbar und billiger geworden sind. Außerdem ist erst seit einigen Jahren eine nennenswerte Anzahl von Keyless-Fahrzeugen jenseits der Luxusklasse auf den Straßen.

 Mit der Verbreitung der Technik werden  auch die Diebstähle zunehmen. Noch nie war es so einfach, ein Auto zu stehlen. Eine echte Lösung ist nicht in Sicht. In Großbritannien empfiehlt die Polizei, das Lenkrad mit einem speziellen Schloss zu sichern. Wie beim Fahrrad wird das Lenkrad dann mit einem gewaltigen Bügel fixiert.

Hauptproblem ist, dass der Diagnose-Port des Autos offen sein muss und nicht durch spezielle Verfahren geschützt werden darf. Die EU will so verhindern, dass nur spezielle Vertragswerkstätten Wartungen und Reparaturen durchführen können. Die offene Schnittstelle ermöglicht einen fairen Wettbewerb,  öffnet den Wagen aber auch für Diebe.


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