Auto-Einbrüche Zerlegen statt stehlen


Gegen böse Überraschungen ist kein Autofahrer gewappnet. Vor allem dann nicht, wenn der Wagen zwar nicht geklaut, aber von Unbekannten ausgeschlachtet wurde. Denn die Versicherung zahlt nicht in jedem Fall.
Von Björn Erichsen

Auto-Diebe haben immer öfter nicht nur die Wagen selbst, sondern auch deren Einzelteile im Visier. Die Autos werden teilweise gezielt wie auf Bestellung ausgeschlachtet, berichtet der Autoclubs AvD in seiner Mitgliederzeitschrift "Motor und Reisen". Neben Alufelgen und besonderen Reifentypen werden zunehmend auch Airbags, Navigationsgeräte oder teure Lenkräder aus dem Innenraum gestohlen.

"Die uns bekannten Fälle zeigen an, dass bei solchen Auto-Einbrüchen deutlich professioneller vorgegangen wird, als das früher der Fall war", sagt Ina Reckziegel, Chefredakteurin von "Motor und Reisen". Früher hatte man es bei Autoeinbrüchen häufig mit Formen von "Beschaffungskriminalität" zu tun, wo mehr oder minder spontan zugeschlagen wurde. "Heutzutage wird die Beute teilweise gezielt im Vorfeld ausspioniert", sagt Rechziegel. "die Diebe gehen auch immer dreister und brutaler zu Werke."

Kein Unterschied zwischen Auto-Ausschlachtung und -Diebstahl

Die Polizei in Hamburg verzeichnet keinen signifikanten Anstieg von gezielten "Ausschlachtungen". Allerdings sind solche Fälle schwer zu quantifizieren, da sie in der Statistik der Polizei nur als "Autoeinbruch" geführt werden. "Sollte dies allerdings im großen Stil verübt werden, fällt das natürlich auf und kommt auch in die Öffentlichkeit", sagt eine Sprecherin der Hamburger Polizei. Momentan kann man nur von Einzelfällen sprechen, die aber seien oftmals sehr spektakulär.

"Motor und Reisen" berichtet von einem Fall bei dem ein Corsa, Baujahr 1986, der von der Besitzerin Heidi O. völlig demoliert in der Tiefgarage ihrer privaten Wohnanlage aufgefunden wurde. Das nachgerüstete Navigationsgerät wurde gestohlen. Dieses hatten die Täter im Vorfeld schon im Visier: "Nach Erfahrungen der Polizei war mein Wagen wohl schon über einen längeren Zeitraum beobachtet worden", sagt O., "wahrscheinlich weil er auch mal tagsüber auf der Straße geparkt ist."

Nicht alles versichert

Die Versicherung deckt in solchen Fällen, neben den beim Diebstahl entstanden Schäden, auch den Verlust geraubter Fahrzeugteile und des Zubehörs ab. Allerdings sind grundsätzlich nur Teile versichert, die zum Fahrzeug gehören oder serienmäßig vom Hersteller in der Grundausstattung mitgeliefert werden. Sie müssten zudem am Auto befestigt oder unter Verschluss verwahrt worden sein, so der Autoclub.

Auch beim Zubehör gibt es Haken: Es ist nur dann versichert, wenn es in den Versicherungsbedingungen respektive in der "Liste der mitversicherten Fahrzeug- und Zubehörteile" steht. Und diese Liste kann je nach Versicherer unterschiedlich ausfallen. Navigationsgeräte sind in der Regel nicht versichert, ein Sportlenkrad oder der Airbag dagegen schon. Pech hat auf jeden Fall der Autofahrer, aus dessen Wagen das Mobiltelefon oder der Rasierapparat gestohlen wurde. Dieser Verlust ist nicht abgedeckt.


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