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Autohaus-Pleite: Drei, zwei, eins - aus!

Zum ersten, zum zweiten, zum letzten: Mit einer ungewöhnlichen Auktion schloß in Verl ein Opel-Händler seine Pforten. Das komplette Inventar wurde versteigert. Ein Stimmungsbericht aus dem Autohandel, in dem das große Sterben begonnen hat.

Wenn Claudia Nowak an den Besuch bei ihrer Hausbank denkt, schwingt in ihrer Stimme noch ein bisschen Bitterkeit mit. "Sie brauchen gar keinen Antrag zu stellen - als Opel-Händler stehen Sie für uns auf der gleichen Stufe wie ein Sonnen- oder Nagelstudio", gibt sie die Sätze wieder, die man ihr ins Gesicht gesagt habe. Mit anderen Worten: Nicht kreditwürdig. Auch Opel machte es Claudia Nowak und ihrem Team leicht. Statt der üblichen Kündigungsfrist von zwei Jahren hatte das Verler Autohaus neun Monate.

Damit fiel die endgültige Entscheidung leichter. "Es wurde lange hin- und her überlegt - aufgeben oder nicht? Dabei ist auch die ein oder andere Träne geflossen", erzählt sie. Ende des Monats ist nun Schluss. Der Verkaufsraum ist bereits wie leergefegt, in der Werkstatt schraubt noch ein einsamer Mechaniker an einem Auto herum.

Mit der gegenwärtigen Situation der deutschen Automarke habe der Entschluss wenig zu tun, sagt Claudia Nowak. "Der Automarkt im Kreis ist dicht. Allein entlang der A2 sind schon zahlreiche Betriebe in die Insolvenz gegangen. Die Käufer sind nur noch auf Rabatte aus, die Kriegskassen der Händler sind einfach leer, sagt die Geschäftsführerin, die den Familienbetrieb von ihrem verstorbenen Vater übernommen hat.

Seit 1956 existierte das Verler Autohaus, der dienstälteste Mitarbeiter ist seit 1971 an Bord. Als Nowak Anfang der 90er Jahre in den Betrieb kam, brachten die Nowaks pro Jahr zwischen 500 und 600 Autos unters Volk. Im Jahr 2008 wurden gerade mal 180 Stück verkauft. Und die Abwrackprämie mit dem Run auf Kleinwagen? Nowak winkt ab. Bei kleinen und billigen Autos ist die Gewinnspanne für die Händler gering.

20.000 Einzelteile unterm Hammer

Bevor irgendwann vielleicht der Insolvenzverwalter an die Tür geklopft hätte, nahmen Claudia Nowak und das Team vom Autohaus ihr Schicksal in die eigene Hand und wählten einen "sauberen Abschluss". Nun fällt buchstäblich der Hammer: Abgesehen vom Grundstück und den Gebäuden wird alles versteigert - vom großen Opel-Signet über die komplette Werkstatteinrichtung bis hin zu Gebrauchtwagen, demontierbaren Lagerhallen, Reifen, Werbematerial, Betriebsanleitungen und Modellautos.

Mehr als 20.000 Artikel kommen unter den Hammer. So dürften sich zum Beispiel andere Opel-Händler für Hebebühnen oder das teure Spezialwerkzeug interessieren. Oldie-Fans werden scharf sein auf das riesige Ersatzteillager, Sammler und Schnäppchenjäger auf T-Shirts mit dem Opel-Logo oder seltene Prospekte.

Es ist jedoch mehr als bloßes Inventar, was in der dreitägigen Auktion unter den Hammer kommt. Mehr als ein halbes Jahrhundert Opel-Geschichte wird aufgelöst. Dazu gehören ein Opel Blitz-Feuerwehrwagen, das Vorkriegs-Fahrrad und sogar der "Frigidaire"-Kühlschrank, der einst bei Opel produziert wurde. Die Nowaks waren tief mit der Marke verwurzelt und ganz will sich Claudia Nowak nicht von den Blitz-Autos trennen. Zwei Oldtimer von 1916 und 1924 kommen nicht in die Versteigerung und ein Zeugnis ist tabu: "Den Meisterbrief meines Vaters behalte ich natürlich."

"Das wird nicht der letzte Händler sein"

Wie hoch der Erlös der Versteigerung wird, hängt auch von Detlef Jentsch ab. Der von der Industrie- und Handelskammer bestellte und vereidigte Auktionator hat das ganze Material gesichtet, schwärmt von Raritäten und dem riesigen Ersatzteillager auf zwei Etagen.

"Ich entkerne den ganze Betrieb", sagt Jentsch. Um die Masse an Auktionsobjekten zu bewältigen, wird er sie zu Paketen zusammenfassen und immer wieder ein paar Raritäten dazwischen streuen, um den Besuchern der Auktion möglichst großes Kino zu bieten.

"Ich habe in den vergangenen 29 Jahren schon alles mögliche versteigert, sogar das Inventar einer ganzen Wohnsiedlung - aber noch nie ein komplettes Autohaus," sagt Jentsch. Vielleicht ist es ja eine gute Übung für die Zukunft: "Ich gehe davon aus, dass das nicht der einzige Händler bleibt, der unter den Hammer kommt", fürchtet Jentsch.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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