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Autonomes Fahren: Dieser Volvo fährt für Dich

Allein Fahren kann nicht nur das Google-Car. Auch ein Volvo kann sich selbst steuern - aber nur auf der Autobahn. An das totale Roboter-Auto glauben die Schweden nicht.

Von Harald Kaiser

Volvos Vision: Entspannt blättern, während das Auto lenkt

Volvos Vision: Entspannt blättern, während das Auto lenkt

"Drücken Sie auf das kleine Pluszeichen links am Lenkrad", sagt Volvo-Ingenieur Mikael Thor. Sogleich geht alles wie von selbst. Die Technik orientiert sich auf Göteborgs Stadtautobahn am Vordermann und an den weißen Linien auf der Straße. Ob das auch klappt, wenn die weißen Linien zugeschneit sind, muss sich noch herausstellen. Instinktiv hält man die Hände zum Eingreifen bereit, doch schnell liegen sie im Schoß und man staunt, was die Sensoren, das Radar, das Navi und die Kamera im Zusammenspiel leisten. Lenken, Bremsen, Abstand halten, alles geht automatisch.

Auf der zwei- bis dreispurigen Stadtautobahn klappt das prima – weil es nur in eine Richtung geht und keinen Gegen- wie auch keinen Querverkehr gibt. Die Anforderungen an ein Computersystem sind zwar hoch, um diese Herausforderung zu bewältigen. Aber der Anspruch, den der viel komplexere Innenstadtverkehr mit Ampeln, Zebrastreifen, Fußgängern, Fahrradfahrern, Kreisverkehren, Seitenstraßen und unzähligen Verkehrsschildern an ein selbstentscheidendes System stellt, ist weitaus höher. So immens, dass die Volvo-Technik derzeit noch passen muss.

Auf halbem Weg stehengeblieben

Dennoch, der Plan ist, dass das Heilixblechle eines Tages selbst fährt. Dann hätte der Mensch Pause. Experten nennen das "autonomes Fahren". Wäre es da nicht vernünftiger, gleich in die U- oder S-Bahn umzusteigen? Dort kann man sogar ein Nickerchen machen. Nein, sagt Volvo. Es geht darum, das Autofahren anders zu organisieren, die individuelle Mobilität zu erhalten – gesteuert von elektronischen Heinzelmännchen. Wichtigstes Ziel: keine Verkehrstoten mehr. Daran arbeiten alle Hersteller. Die Schweden wollen 2017 aber als Erste mit 100 dieser Roboterautos den Alltagseinsatz in Göteborg testen. Bis die Technik serienreif ist, vergehen jedoch mindestens noch 15 Jahre.

Wird der Mensch dann überflüssig? "Nein", sagt Mikael Thor, "er wird immer die Kontrolle über das Geschehen behalten. Es ist nur ein Knopfdruck, dann ist das System ausgeschaltet. Aber weil menschliche Fehler die Ursache für etwa 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind, glauben wir, dass das automatisierte Fahren die meisten Unfälle verhindern kann." Auch der Spritverbrauch würde sinken, weil die Technik immer nur soviel Gas wie nötig gebe. Und weil Roboter gleichmäßiger fahren als Menschen profitiere ebenfalls der Verkehrsfluss. Obendrein hätte der Mensch weniger Stress, weil er nicht mehr aufpassen müsse.

Volvo steckt sich also andere Ziele als Google. Auch der autonome Volvo bleibt letztlich ein gewohntes Auto. Das kürzlich vorgestellte Google-Car verfolgt ein ganz anderes Konzept. Bei Google kann der Mensch weder lenken noch bremsen, Pedale oder Steuer sind überhaupt nicht an Bord. Und Ein "Nur für die Autobahn" ist bei Google auch kein Thema, das Wägelchen wurde für die City konstruiert und auch die Versuchsfahrten der Google-Prototypen machten keinen Boden um bewohntes Gebiet. Google traut seinem System zu mit vielen Schilder, Hunden am Wegesrand und kreuzenden Radfahrern fertig zu werden. Bei allen Versuchen ist die Frage der Haftung ungeklärt, wenn das System ausfällt und es deswegen zu einem Unfall kommt. Die Verlockung ist groß, der Technik die Entscheidung zu überlassen, weil sie viel schneller reagiert als der Mensch, der durchschnittlich etwa eine Sekunde von der Erkennung einer Gefahr bis zur Vollbremsung benötigt. Bei Tempo 50 bedeutet das beispielsweise, dass das Auto noch 14 Meter fährt, bis die Bremsen packen. In dieses ethische Dilemma will Volvo gar nicht erst kommen. Entwicklungschef Peter Mertens sagt: "In solch einer Lage darf man auf keinen Fall der Technik die Entscheidung überlassen." Klingt vernünftig, aber platzt damit nicht die Vision vom automatisierten Fahren? Wie soll die junge Frau auf dem Foto entspannt Zeitung lesen können, wenn sie im Notfall die Entscheidung treffen soll?

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.