Autorabatte Preis lass nach!


Die Hersteller kämpfen um jeden Kunden. Mehrwertsteuer und Klimadebatte erschweren das Geschäft. Autoexperte Dr. Ferdinand Dudenhöffer erklärt, was die Zukunft bringt.

stern.de-Interview mit dem Autoexperten Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Professor an Fh. Gelsenkirchen und Geschäftsführer der B&D Forecast GmbH.

Herr Dudenhöffer. Immer stärkere Rabatte werden beim Autokauf eingeräumt. Sehen Sie ein Ende dieser Verkaufsförderung?

Das Rabattniveau in den nächsten Monaten wird sehr hoch bleiben. Die Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuer im letzten Jahr haben den Effekt, dass heute Kunden fehlen. Daher kämpfen die Hersteller noch härter mit Konditionen. In der zweiten Hälfte des Jahres gehen wir davon aus, dass der hohe Rabattdruck leicht zurückgeht. Die gute Konjunktur erlaubt den Herstellern, die hohen Rabatte leicht zurück zu fahren.

Woher kommt dieser Druck auf den Markt, dass Rabatte von bis 25 Prozent nötig sind?

Die Autoindustrie hat Überkapazitäten. Wenn man die Verkaufsplanungen der Hersteller addiert, landet man schnell über 120 Prozent der Nachfrage. Weil das nicht geht, kämpft jeder mit hohen Rabatten um die Gunst des Kunden.

Was verdienen die Hersteller dann noch an ihren Fahrzeugen?

Der hohe Rabattdruck schlägt sich natürlich auf die Gewinne nieder. Die goldenen Zeiten im Automobilgeschäft sind bei den Massenherstellern vorbei. Berücksichtigen muss man natürlich, dass nicht jedes Modell mit Rabattaktionen belegt ist. Oft sind es Modelle, die in Kürze durch neue Fahrzeuge ersetzt werden. Bei Auslaufmodellen sind die Entwicklungskosten natürlich schon eingespielt, und daher bleibt trotz hohem Rabatt noch ein Gewinn in der Kasse.

Wird durch diese Maßnahmen nicht das Vertrauen in die Werthaltigkeit von Marken und Modellen untergraben?

Ja, der hohe Rabatt von heute bedeutet allzu oft, dass der Gebrauchtwagenpreis in ein paar Jahren im Keller ist. Die Freude über den großen Rabatt von heute hält also nicht ewig an.

Parallel zu den Rabattierungen erleben wir in der letzten Zeit eine Ausweitung der Garantieleistungen. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

Je länger der Garantieanspruch, umso besser gestellt ist der Kunde. Im Prinzip sind also längere Garantiezeiten absolut zu begrüßen. Der Druck kam hier sicher durch die Japaner und Koreaner, die mit längeren Garantiezeiten aggressiv um Kunden werben. Die Deutschen mussten hier reagieren.

Hier ist das Kleingedruckte zu beachten. Welche Bedingungen werden gestellt? Bleibe ich mit meiner Werkstattwahl frei? Was kostet mich das Vergleichsfahrzeug vom Wettbewerber mit kürzerer Garantie? Nur der schafft es den besten Kauf zu machen, der knallhart nachrechnet.

Die Preispolitik ist komplizierter und auch undurchschaubarer geworden. Wie soll der Kunde sich verhalten, um nicht übervorteilt zu werden?

Der große neue Trend seit Herbst letzten Jahres sind die Komplettangebote – also Fahrzeug-Finanzierung, Versicherung, Wartung und Garantie in einer Rate. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend sich weiter verstärkt. Für den Kunden ist es daher enorm wichtig, genau nachzurechen und zu prüfen, welche Leistung im Paketangebot er wirklich braucht. Wer ein Großteil der Paketleistung nicht braucht, sollte wirklich prüfen, ob der nicht ohne Paketangebot besser gestellt ist. Das gleiche gilt natürlich auch für Sondermodelle. Das Schnäppchen ist nur dann interessant, wenn die verschiedenen Ausstattungen auch gebraucht werden.

Die Fragen stellte Gernot Kramper


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