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Carloft-Wohnungen Privat-Parkplatz auf der Etage


Parken unter der Laterne nervt, ein Parkplatz im Keller ist auch nicht cool. Stilvolles Parken bedeutet, dass der eigene Wagen per Fahrstuhl ins Appartement gebracht wird. In Berlin kann man sein Loft mit dem Auto teilen.

Ein kleiner Fehler führt zum überraschenden Nachbarschaftskontakt: Eigentlich sollte der Lift ja eine Etage höher landen, stattdessen hält er direkt vor der Carloggia der Nachbarin mit BMW. Auch gut, so gewinnt man gleich einen Einblick vom Alltag im CarLoft: neben dem Wagen stehen ein Buggy, Laufräder der Kinder, ein Gartengrill – ganz wie in einer Vorortgarage einer Familie. Nur sind wir hier inmitten der Stadt, Berlin Kreuzberg, im 3. Stock, während unten die anderen Anwohner auf der Suche nach einem Parkplatz herumkurven. Da ist so ein Loft mit Parkplatz vor der Wohnungstür eine feine Sache.

Der kleine Fehler im Fahrstuhlprogramm, so verspricht Johannes Kauka, wird morgen bereits behoben sein. Dem Geschäftsführer von CarLoft ist klar, dass der Fahrstuhl einem Nadelöhr gleicht – ohne Aufzug kommt keiner von der Stelle. Um sicherzustellen, dass jeder Anwohner auch morgens pünktlich zur Arbeit kommt, brauchte es eine ausgeklügelte Aufzugssteuerung. "Das funktioniert nicht so trivial, wie man es sich zunächst vorstellt", erklärt Kauka, als wir auf der Büroetage angekommen sind: "Man muss ja auch die Wartezeit bei der Vorbestellung berechnen!"

Einzigartiges System

Das System des integrierten Stellplatzes ist weltweit einzigartig und wurde eigens von CarLoft konzipiert und die dazugehörige Software entwickelt. Im Carlift kann man ja nicht einfach wie im Hotelaufzug dazu steigen. Das Programm enthält daher auch eine Kalenderfunktion und Vorbestellfunktion mit einer Ankunftszeitangabe.

Jeder Anwohner kann daher den Aufzug termingerecht ordern; etwa für Donnerstag, den 9. September, 7 Uhr 30. Falls der Zeitpunkt bereits gebucht ist, berechnet der Computer den nächstmöglichen Termin. Die reine Fahrt im Lift dauert weniger als eine Minute, hinzu kommen natürlich Ein- und Ausfahrt. Spätestens 7 Uhr 35 also sollte der Carlift zur Verfügung stehen.

"Außerdem", so Kauka, "berechnet der Computer die Gebühren." Denn die Fahrten sind nicht kostenlos, kosten zwar nur ein paar Cents, werden aber je nach Nutzung auf die Nebenkosten der Nutzer umgelegt.

Teurer als die Tiefgarage

Teuer ist die Carloggia selbst: Immerhin etwas über dreißig Quadratmeter groß, kostet sie allein um die 45.000 Euro; ein Platz in einer Tiefgarage, räumt Kauka ein, nur zwischen 25 und 30.000 Euro. Dafür bietet das Loggia-System entsprechenden Komfort – ganz wie ein Parkplatz vorm Reihenhaus. Ohne Stellplatz sind Wohnungen mit gehobener Ausstattung in Citylage kaum zu verlaufen. Tiefgaragen ersparen dem solventen Kunden die nervtötende Parkplatzsuche auf der Straße. Aber sie werden häufig auch mit schicken Farben und Beleuchtung als beklemmend empfunden..

Auch für Johannes Kauka geht es weniger darum, aus der Wohnung heraus auf den eigenen Wagen zu schauen – "es sei denn, es wäre ein Oldtimer". Den Wagen, auch bei einer Stadtwohnung gleich vor der Tür parken zu können, sei einfach praktisch, nicht nur wegen dem Ein- und Ausladen. Man hat stets Zugriff auf Dinge, die im Auto liegen blieben, etwa das vergessene Handy. Und wenn der Wagen nicht da ist, kann der Platz natürlich auch anderweitig genutzt werden, etwa für eine Tischtennisplatte oder eine Grillparty, obwohl die 150 Quadratmeter großen Lofts ohnehin noch eine überdachte Terrasse bieten.

Wirkt der Parkplatznot entgegen

Eine solche Wohnung kann sich zwar kaum jeder leisten, aber auch nicht nur Millionäre. Rund 3.200 Euro kostet ein Quadratmeter der insgesamt elf CarLofts – für einen Neubau in Citylage nicht übermäßig teuer. Etwas Vermögen oder gutes Einkommen braucht es allerding schon.

Kritiker aus Kreuzberg empfanden das Konzept daher anfangs als Symbol der Gentrifizierung des alternativen Kiezes. Es kam zu Demonstrationen gegen das Projekt – auch weil manch alternative Anwohner darin eine Ikonisierung des Autos sahen. Befürworter halten dagegen, dass das Konzept der Parkplatznot in Innenstädten entgegen wirkt und eine Alternative zu bautechnisch oft nicht realisierbaren Tiefgaragen bietet.

Auch ökologisch ist das Projekt wegweisend, zumindest für Elektroautos, denn die können gleich an der Steckdose der Carloggia aufgeladen werden. Die CO² Emissionen durch lange Fahrten zur Arbeit und die auf lange Strecken zurückzuführende große Annzahl an privaten Fahrzeugen sollen der Vergangenheit angehören. Das Konzept passt also keinesfalls nur für Porschefahrer. Der Besitzer BMW in der ersten Etage ist Unternehmer und Familienvater mit zwei Töchtern. Wenn die Mädchen ihre Freundinnen in der Nachbarschaft besuchen wollen, benutzen sie allerdings das Treppenhaus und durch die City Lage auch das Fahrrad.

Von Roland Brockmann

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