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Dienstwagen-Management: Auto-Ökologie mit der Brieftasche

In Deutschland fahren immer mehr Dienstwagen auf den Straßen. Die Flotteneinkäufer bestimmen das Straßenbild. Reinhard Happel vom Leasingunternehmen Arval verrät, wie das Umweltbewusstsein über den Geldbeutel stimuliert wird.

Herr Happel, Sie, bestimmen welche Wagen wir fahren. Im Flottengeschäft werden die Wagen neu gekauft. Privat werden sie nach drei, vier Jahren aufgebraucht.
Richtig, das Flottengeschäft hatte eine enorme Bedeutung. Wir haben seit langem den Trend, dass viele Unternehmen ihren Mitarbeitern Wagen zur Verfügung stellen. Also werden Privatwagen weniger nachgefragt, während die Flottenwagen wichtiger werden. Vielleicht ergibt sich so auch der Trend zum familiären Zweitwagen.

Ist Fahrzeugflotte gleich Fahrzeugflotte?
Im Flottenmarkt gibt es die große Unterscheidung zwischen einem technischen Fuhrpark, da ist das Auto ein reines Arbeitsmittel, oder einen Motivationsfuhrpark. So etwas haben wir zum Beispiel bei Managementfahrzeugen oder bei Mitarbeitermodellen. Diese Zielgruppen bevorzugen höherwertige Fahrzeuge und Ausstattungen.

Ist der Wunsch nach dem teuren und edlen Auto in allen Ländern gleich vertreten?


Nein, in Deutschland nimmt das Auto definitiv einen höheren Stellenwert ein als in anderen europäischen Märkten. Unsere Gruppe Arval ist international tätig. Wir haben also einen direkten Vergleich durch eigene Daten. In Spanien ist ein Auto ein reines Transportmittel, der Statuswert tritt weit zurück. Und in Deutschland ist es nach wie vor wichtig, welches Auto der Nachbar fährt. Die Leute identifizieren sich mit ihrem Fahrzeug.

Stichwort: Motivationsfuhrpark. Da muss das Auto vor allem Spaß bringen, wo bleibt der Umweltschutz?
Dienstwagen sind keine Spaßveranstaltung. In den Fuhrparkrichtlinien ist oft eine Minimierung des CO2 Ausstoßes vorgesehen. Aber auch die einzelnen Fahrer wählen häufiger ein besonders effizientes Fahrzeug und lassen ein anderes dafür stehen.

Sitzen immer grüne Umweltengel am Steuer?


Vielleicht, warum nicht? Tatsächlich setzt sich die Vernunft auch über die Brieftasche durch. Bei den einzelnen Fahrzeugen wird nicht mehr nur auf den Listenpreis geschaut, sondern sehr viel stärker auf die "Total Cost of Ownership". Oder die Mitarbeiter werden an den Kosten beteiligt. Ein ökologisch sinnvolles Fahrzeug verbraucht eben weniger Kraftstoff. Im Dienstwagenbereich gibt es teilweise extrem hohe Laufleistungen. Also macht sich der Verbrauch sehr viel stärker bemerkbar, als bei einem privaten Cityfahrzeug, das 8000 Kilometer im Jahr bewegt wird.

Und echte Ausreißer gibt es nicht?


Wir betreuen nicht vorrangig den klassischen Freiberufler, der sich seinen Traumwagen als Dienstwagen gönnt. In größeren Fuhrparks sind reine Spaßfahrzeuge wie Offroader oder Coupés meist ausgeschlossen. Das ist eine Legende, dass man problemlos einen Sportwagen als Dienstwagen bekommt.

Drängen die Firmen selbst auf umweltbewusste Lösungen?
Auf Nachhaltigkeit wird heute viel Wert gelegt. Beim Flottenleasing dringt der Kunde von ganz allein tief in diese Problematik ein, weil Leasinggesellschaften wie wir ein geballtes Flotten- und Kosten- und Umwelt-Knowhow mit in seine Entscheidung einbringen. Und wir sind von den Kenntnissen her gesehen natürlich sehr viel besser aufgestellt, als ein Mittelständler, der einfach ein paar Wagen für seinen Vertrieb benötigt.

Immer wieder wird der Normverbrauch kritisiert. Welche Erfahrungen haben sie mit dem Spritverbrauch gemacht? Wird das immer mehr, oder weniger?

Der Spritverbrauch geht klar zurück. Das ist zum einen technologisch bedingt, zum anderen aber auch eine Frage der individuellen Einstellung der Fahrzeugnutzer zum Umweltschutz. Viele große Unternehmen unterstützen diesen Trend mit Spritspartrainings und Spritsparwettbewerben.

Irgendwann gehen Ihre Wagen dann in den Privatmarkt?


Sicher, aber die Wagen werden immer länger genutzt. Bis vor fünf Jahren waren wir bei einer Nutzungsdauer von 36 Monaten, im Moment liegen wir im Durchschnitt bei 40 Monaten. Das ist ein gutes Zeugnis für die Qualität. Die Fahrzeuge bleiben länger im Leasing, weil sie technisch sehr ausgereift sind. Es gibt kaum Probleme mit den Motoren, die Rostproblematik gibt es heute gar nicht mehr.

Und bestätigt der Privatmarkt beim Kauf Ihre Entscheidungen?


Wir haben kein Problem, energieeffiziente Fahrzeuge zu verkaufen. In der Psychologie gibt es zwischen Flotten- und Privatmarkt keinen Unterschied. Natürlich haben wir keine Mini-Fahrzeuge im Angebot. Doch generell gilt: Was im Flottengeschäft nicht geht, wird auch privat nur schwer akzeptiert. Als Profi haben wir den Markt und die Zukunft genauer im Blick als der einzelne private Kunde. Wir wissen, dass sich verbrauchsgünstige Fahrzeuge später besser vermarkten lassen. Wir haben ja auch eines Tages gesagt, Fahrzeuge ohne Dieselpartikelfilter können wir später nicht verwerten, die nehmen wir komplett aus dem Programm raus. Private Kunden waren zum Teil nicht so schnell, die haben heute ein Problem mit diesen Autos.

Elektrofahrzeuge sind im Moment die große Hoffnung. Umgekehrt gibt es sehr düstere Prognosen, was Haltbarkeit und Lebensdauer angeht. Wann rechnen Sie mit Elektrofahrzeugen in den Fuhrparks?


Wenn wir von Fuhrparks reden, dann sind das vor allem Fuhrparks mit mindestens 200 Fahrzeugen. Etablieren werden sich Elektrofahrzeuge in diesen großen Fuhrparks in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch nicht, aber man wird sie zu Testzwecken mehr und mehr einsetzen. Große Firmen leben oft von einem Innovationsvorsprung, der auch vor dem Fuhrpark nicht halt macht. Die Szenarien zu Haltbarkeit, Lebensdauer und Restwertstabilität werden sicher in den nächsten fünf Jahren immer griffiger und werden sich an den neuen technologischen Möglichkeiten in der Massenproduktion orientieren.

Wer kauft Ihre gebrauchten Fahrzeuge?


Viele Wagen werden von den Fahrern übernommen. Nicht unbedingt in eigener Person – der Fahrer bekommt ja meist ein neues Fahrzeug - aber für Freunde und Verwandte wird der alte Dienstwagen erworben. Das spricht für die Qualität eines Full-Service-Leasings, aber auch für die Qualität des Produkts. Der Fahrer kennt seinen Wagen nach über 100.000 gefahrenen Kilometern sehr gut. Wenn er den Wagen privat weitervermittelt, ist das schon ein echtes Qualitätssiegel.

Gibt es einen Trend zum Privatleasing?


Die Hersteller suchen nach Absatzkanälen. Da werden dann Pakete geschnürt, mit denen man den Kunden zum Privatleasing herüberzieht. Das klappt, weil Leasing gegenüber Kauf günstiger wird. Der Anreiz geht dann aber mehr von der versteckten Subvention aus als vom Leasing an sich. Richtig ist: Die Leute rechnen mehr nach als früher. Und: "Gekauft ist meins", das gilt heute nicht mehr unbedingt.

Teaser: Gernot Kramper

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.