HOME

Berliner Start-up: Drive By – Carsharing mit Kiez-Credibility

Ein kleines Berliner Unternehmen will gegen Car2Go und DriveNow antreten. Und das könnte klappen, denn Drive By hat ein Abrechnungssystem, das nicht zum Rasen verleitet - und ein viel besseres Image als die Töchter der Autoindustrie.

Das Motto von Drive By lautet "miles not minutes".

Das Motto von Drive By lautet "miles not minutes".

Hersteller

Wozu braucht man noch ein Carsharing-Unternehmen, das seine in die Stadt stellt? Immerhin gibt es schon Car2Go und DriveNow. Und nun kommt auch noch das Drive By und will den etablierten Giganten Konkurrenz machen. Ein bisschen hört sich das an wie David gegen Goliath. Und dennoch könnte es klappen, denn für Drive By sprechen gleich mehrere Faktoren. Zum einen ist es die Idee "Ankommen statt Rasen". Bei den Großen zahlt der Kunde jede Minute, die er im Auto sitzt, bei Drive By dagegen die Strecke. Es wird also nicht billiger, wenn man rast. Und man muss sich auch über den Stau nicht doppelt ärgern, weil man Zeit verliert und dabei die Uhr läuft.

Kein Zwang zum Rasen

"Bei uns sind die Kosten für jeden kalkulierbar. Du kennst die Strecke, dann weißt du auch was es dich kostet", sagt Timo Nührich, einer der drei Gründer, im Gespräch mit dem stern. Ihm geht es um eine Mobilität, die mit der Stadt von heute und morgen zu vereinen ist. Die Premium- und PS-Kultur von DriveNow will Drive By nicht kopieren.

Dafür gibt es ein anderes Feature: "Wir haben als erster Anbieter auch Transporter in dieser Form des Sharing angeboten." Es ist also möglich, einen kleinen Transporter zu leihen, ohne eine Niederlassung von Sixt oder anderen Vermietern zu besuchen. Im Angebot sind von VW und von Renault. Wer nur eine Waschmaschine von einer Wohnung in die andere bringen will, für den dürfte Drive By konkurrenzlos günstig sein. Ein Crafter kostet 99 Cent den Kilometer – innerstädtische Strecken sind selten länger als 15 Kilometer.

Derzeit unterhält Drive By nur eine vergleichsweise kleine Flotte von etwas über 100 Fahrzeugen in . Die Großen haben jeweils mehr als die zehnfache Anzahl an Fahrzeugen in Berlin auf der Straße. Das Unternehmen profitiert davon, dass man zugleich Kunde bei Drive By und der Konkurrenz sein kann. Die Anmeldung ist kostenfrei. Ist gerade kein Drive-By-Fahrzeug in der Nähe, ist das kein Beinbruch, dann nimmt man eben ein Modell der Konkurrenz.

Stallgeruch der Innenstadt

Aber es bleibt dabei: Geht es rein nach der Abdeckung, muss man Drive By schon sehr mögen, um nach den Fahrzeugen Ausschau zu halten. Also: Warum sollte man ein Fahrzeug von Drive By unbedingt haben wollen? Abgesehen vom Abrechnungsmodell nach Kilometern? Im Biotop der Berliner Innenstadt stimmt der Stallgeruch des Berliner Start-ups. Drive Now und sind letztlich Tochterunternehmen der Autoindustrie. Gerade BMW und Mercedes arbeiten mit Fleiß daran, die Innenstädte mit riesigen SUVs zu fluten. Sie stehen für den PS-Kult in Deutschland, für freie Fahrt auf der Autobahn und bieten ihren wohlhabenden Kunden zum Beispiel Features an, mit denen man kurzfristig die Schalldämmung im Endauspuff umgehen kann. Da bollert der Achtzylinder richtig los. Das freut den Fahrer und alle Anwohner haben auch etwas von seinem Ampelstart.

Nach Berlin kommt Hamburg

Diese PS-Seligkeit ist nicht unbedingt das Image, welches Carsharing-Kunden schätzen, für die Autos eine Art von gelegentlich notwendigem Übel sind. Die andere Firmenkultur fällt schon auf den ersten Blick auf. Wenn die Großen auf Kundenfang gehen, werden ihre Werber wie in einer Bank gekleidet - im blauen Anzug oder im Kostüm. Timo Nührich wirkt dagegen, als könnte er auch in einem Berliner Kaffee arbeiten. Kiez-Credibility statt Corporate Image. Das kommt an, die User sind mit dem Service jedenfalls sehr zufrieden. Nührich hat zuvor in der Autoindustrie gearbeitet. Daher bringt sein Start-up einen riesigen Vorteil mit: Das Verleihgeschäft arbeitet schon jetzt profitabel. "Das stimmt zumindest, wenn wir die Autos und die Verleihvorgänge betrachten. Da schreiben wir operativ schwarze Zahlen." Die Kosten für den Overhead der kleinen Firma werden dann allerdings nicht berücksichtigt. Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass die Firma in weiteren Finanzierungsrunden Geld einsammelt. Für den Kunden ist vor allem wichtig, dass die Fahrzeugflotte weiter wachsen kann, ohne dass die Firma finanziell ausblutet. Und Drive By will expandieren, noch 2018 soll es nach Hamburg gehen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity