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Feldversuch mit Gigalinern: Bahn frei für die Monstertrucks

Riesenlaster dürfen im nächsten Jahr auf die Straße, zunächst für fünf Jahre. So lange will die Regierung die 25-Meter-Lkw testen. Was rollt da auf uns zu?

Von Gernot Kramper

Es ist - im wahrsten Wortsinne - ein Riesenexperiment, das da im Januar startet. Trotz massiver Kritik werden dann 25 Meter lange LKWs über deutsche Straßen rollen. Rechtsbasis ist eine Ausnahmeverordnung der Regierung. Die Zustimmung der Bundesländer wird für den Versuch nicht benötigt. Tatsächlich boykottieren mehrere Länder den Test – darunter auch Nordrhein-Westfalen. Nur Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Thüringen, Hessen, Bayern und mit Einschränkungen Sachsen-Anhalt machen mit und nur dort werden die Riesenlastwagen auch zunächst fahren. Ein genauer Plan mit den freigegebenen Strecken wird allerdings erst im Januar vorgelegt.

Auf was müssen sich die anderen Verkehrsteilnehmer jetzt einstellen? Auf gar nichts - sagen die Befürworter. Tatsächlich werden die 400 Versuchsfahrzeuge, die im Wesentlichen nur auf ausgesuchten Autobahnen fahren werden, die Republik nicht ins Verkehrschaos stürzen. Sie werden nicht einmal besonders auffallen. Ab Januar 2012 sind Gigaliner zwar die längsten, aber keineswegs die gefährlichsten Verkehrsmonster auf deutschen Straßen. Großmähdrescher beanspruchen mit über 3,5 Meter Breite einen guten Teil der Gegenspur, ebenso wie die Schwer- und Sondertransporte von Yachten und Maschinenteilen, die allerdings nur gesichert mit Begleitfahrzeugen auf Reise gehen dürfen.

Die Ausnahme wird zur Regel

Trotz der Größe dürfen die Riesen-Lkw das heute vorgeschriebene Höchstgewicht von 44 Tonnen nicht überschreiten, so will man stärkere Schäden an Brücken und Fahrbahnen vermeiden. Trotz des begrenzten Umfangs des Versuchs kann keine Entwarnung gegeben werden: Ziel des Speditionsgewerbes ist es nicht, dass 400 Riesenlaster in Deutschland fahren. Ziel ist es, in Zukunft diese Goliaths der Straße wie normale Lkws zuzulassen.

Weil der Verkehrsversuch sorgfältig geplant und begleitet wird, vermeidet er die Probleme, die sich im bundesweiten Tagesgeschäft später ergeben werden. Im Versuch sind nur wenige ausgesuchte Strecken für die Riesen freigegeben. Im Normalbetrieb werden die Giganten die Republik überschwemmen. Denn es ist nur schwer vorstellbar, dass ein Teil der Autobahnen, Autobahnzubringer und Bundesstraßen für sie gesperrt bleiben. Kontinuierlich wird der Druck auf Landkreise und Kommunen zunehmen, jedes Gewerbebiet erreichbar zu machen. Ein Unternehmen "abgeschnitten" vom Güterverkehr – das wird es nicht geben. Die Ausnahme wird zur Regel werden.

Auch das freigegebene Streckennetz wird in der Praxis erweitert werden müssen. Was passiert, wenn der erste Lang-Lkw wegen eines Unfalls auf seiner erlaubten Strecke einen Tag stehen bleibt, weil die Umleitung für ihn nicht geeignet ist? Auch bei Sperrungen wegen Bauarbeiten wird es "pragmatische" Lösungen geben. In der Praxis bedeutet das: Es wird auch dann gefahren werden, wenn die Radien der Abzweigungen das eigentlich unmöglich machen. Schon auf den Werbebildern der Befürworter ist zu erkennen, dass die Gigaliner andere Straßen und Kreisel benötigen, weil sie mit einer normalen Fahrbahnbreite nicht auskommen. Auf Dauer werden die Kommunen diese Engpässe entschärfen - sprich den Bedürfnissen der Gigaliner anpassen - auf Kosten des Steuerzahlers.

Umweltnutzen ist fraglich

Kritiker vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und auch die Deutsche Polizeigewerkschaft sehen eine Gefahr, etwa wenn ein Pkw einen Gigaliner überholt: Weil die Fahrbahn viel schwieriger einsehbar sei, dauere der Vorgang länger, das Unfallrisiko steige. Die offizielle Abhilfe: Ein Warnschild soll auf die besondere Länge hinweisen, der Pkw-Fahrer im Zweifel einfach hinterherfahren. Spannend ist auch die Frage, wie gefährlich es wird, wenn Gigaliner selbst überholen müssen, etwa um an einem auf der Fahrbahn geparktes Fahrzeug vorbeizukommen.

Für den Gigaliner spricht im Wesentlichen das Kostenargument. Mehr Last auf einem Lkw - das spart Sprit und CO2 und vor allem Lohnkosten ein. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist ein ausgesprochener Freund der ultralangen Lkw. Er verspricht eine Abnahme des Verkehrs: "Wo heute drei Lkw pro Tag unterwegs sind, sind es im Feldversuch nur zwei Lang-Lkw," sagte Ramsauer in Berlin. Das negative Image der 25-Meter-Laster ärgerte den Minister sichtlich. "Es wird keine Sechzigtonner, keine Gigaliner oder Monstertrucks geben," betonte er. Wegen der möglichen CO2-Ersparnis möchte das Speditionsgewerbe von "Öko-Lastern" sprechen. Das Umweltargument überzeugt allerdings nicht, die prognostizierte Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße wird die CO2-Einsparung mehr als kompensieren. Denn dass am Ende weniger Lkw als heute auf den Straßen fahren werden, wie es der Minister vorrechnet, glaubt im Ernst niemand.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.