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GTI Treffen Wörthersee: Waffenschmiede Dr. Ferdinand

Beim GTI-Treffen sammeln sich die "Wahren Gläubigen" der Marke Volkswagen. Mit einem Vorstandsaufgebot ohnegleichen und dem fettesten Golf aller Zeiten wurde ihnen gehuldigt. Zusätzlich kehrten die "Herren der Ringe" mit Macht an den See zurück.

Jahrelang wurden die "Wahren Gläubigen" vom Wörthersee nur mit der Kneifzange angefasst. Zu krass ihre Trinksitten, zu wild die Umbauten. So, als müsse man sich der verlotterten Verwandtschaft schämen. Die Fans sind nicht besser geworden, auch heute trifft man auf Mädchen mit dem T-Shirt-Motto "Wer leckt, wird auch geblasen", die T-Shirts der Herren sind nicht zitierfähig. Aber VW und Audi denken um. Die Massen am Wörthersee müssen nicht überzeugt werden, sie brauchen nur neues Futter, das ihre Begeisterung weiter anheizt.

Die neue Wertschätzung wurde den GTI-Horden durch eine massive Vorstandscharmeoffensive näher gebracht. Im Kreis von Führungsgetreuen und Familie zeigte sich selbst Ferdinand Piech als leutseliger Autoonkel. Vielen Fans kennen denn grimmigen Machtmenschen mit dem Ländler-Hut offenbar nicht, sein Begrüßungsablaus fiel deutlich bescheidener aus, als das Gejohle, als der örtliche Bürgermeister - Schutz und Schirm der Veranstaltung - sich zeigte. Dabei gilt es als sicher, dass Ferdinand Piech, der Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, entscheidenden Anteil an der Aufwertung des Treffens hat. Zum einen hat er - Machtfülle hin, Machtfülle her - immer noch mehr Oktan im Blut als die meisten Auto-Manager und ist für jeden PS-Wahnsinn zu begeistern. Und dann liegt sein Häuschen am Wörthersee so nah am GTI-Gegrummel, dass er seit Jahren jeden Burnout mithören dufte.

Überraschungstüte vom Aufsichtsratsvorsitzenden

Endlich muss er nicht auf der Terrasse lauschen, diesmal hat der Dr. Ferdinand für die Fans die richtigen Spaßmaschinen mitgemacht. Bei der angedachten Sonderedition "Pirelli GTI"-läuft dem Fans das Wasser im Mund zusammen und das wegen der gelben Stichnähte im Leder, und nicht wegen der gutbepackten Pirelli-Showgirls. Aber was sind Showgirls, was sind Nähte, wenn VW danach den Ober-Hammer-Mega-GTI auf die Bühne bringt: Zwölfzylinder, über 600 PS und bei 335 km/h wird abgeregelt. Die Meute stöhnt im kollektiven Rausch, die Entwickler strahlen. Woanders mag dieses Monstrum Stirnrunzeln hervorrufen, hier wirken die martialischen Spielereien wie Tantra-Massagen für die Autoseele. Natürlich musste der Ober-Golf "etwas" angepasst werden, unter anderem fand der Motor in der Mitte statt in der Front seinen neuen Platz. Aber das größte Wunder bleibt, dass diese Maschine der Superlative auch noch sehr attraktiv aussieht. In Serie wird dieser Wagen nicht gehen, doch der GTI-Besitzer nebenan fällt auf die Knie, als wäre ihm der Heiland erschienen. "Morgen fang ich an", schwört er seinen Freunden zu. Mit einer Rohkarosse, also einem Metallgolf "ohne alles", und der Suche nach einem Unfallschaden, um an den Zwölfzylinder zu kommen, soll das große Werk beginnen.

In der Fankurve

"Das sind unsere treuesten Kunden. Für die müssen wir etwas tun", erkennt auch Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Die Herren Manager und Marketingstrategen haben einiges zu staunen. Lambo-Lenkräder im Golf, die größte A8-Felgen auf einem A3 und - und - und. Mancher leckt sich die Lippen, denn auf den ersten Blick ist zu erkennen: Die Schrauber und Bastler sind nicht immer ganz geschmackssicher, aber äußerst spendabel. "Zukunft? Was heißt hier Zukunft - ich steck mein ganzes Geld ins Auto!" - Das mögen Familien- und Rentenminister nicht gern, aber die Abgesandten von Audi und VW hören die Kasse klingen. Bislang bieten die großen Hersteller Sportpakete und individuelle Ausstattungsmöglichkeiten, orientieren sich aber doch mehr am gemäßigten Stil ihres Idealkunden. Brachiale Styling-Ideen und Rüstsätze wie für die "Mad Max"-Endzeit fassen sie nicht an und überlassen dieses Geschäft mit zweistelligen Zuwachsraten generös den Drittanbietern. Da wird etwas geschehen, auch wenn es in Zukunft vermutlich keine original Audi-Ausstattung im "Skelett, Totenkopf und Piraten"-Stil geben wird.

Fieser Crash beim Driften

Triumphale Rückkehr

Denn Audi ziert sich nicht mehr, seit Ewigkeiten zeigt sich die Edel-Schmiede wieder am Wörthersee. Die Fans danken es, an getunten Audis herrscht kein Mangel. "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr zum See" - solche Aufkleber zeigen, die Treuesten der Treuen haben Tränen in den Augen, weil ihre Marke sie nicht mehr in Stich lässt. Und Audi hat natürlich ein See-Schmankerl dabei. Den "Audi TT clubsport quattro" - eine gechopte und gecleante Studie auf Basis des TT Roadsters. Verdeck und A-Säule gingen über Bord, dafür läuft ein niedriges Scheibeband um den Innenraum und zwei Höcker thronen hinter den umgeklappten Überrollbügeln. Keine Türgriffe stören die Karosserie, der Singleframe-Kühlergrill wurde verlängert und horizontale Aluminiumeinsätze senken denn TT optisch weiter ab. Weitere Aufwertung für Eingeweihte: Die vier Ringe liegen nicht im Grill, sondern wurden auf der Motorhaube platziert. 20-Zoll-Räder mit Reifen von 265/30 R20 setzen den TT satt auf die Straße. Das Beste an diesem Stück: Die Audianer denken intensiv über eine Kleinserie von etwa 200 Exemplaren nach, die dann tatsächlich zu kaufen wäre. Ob dann auch der Motorraum so konsequent ausgeräumt wird wie am Stand und ob man dann auch zur sündhaft teuren Keramikbremse greifen wird, bleibt fraglich. Aber eines wird dann klar, mit einer Serie, und sei sie noch so klein, zieht Audi den Hut vor den eigenen Fans.

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