Interview Jörg Bergmeister Interview


Sie sind jetzt das zweite Rennen mit dem neuen Porsche 911 GT3 RSR gefahren. Sind Sie zufrieden?

Über den Winter wurde sehr viel gemacht. Der Wagen ist definitiv eine Verbesserung zum letzten Jahr. Wir sind definitiv konkurrenzfähig. Aber das neue Reglement mit den kleineren Air-Restriktoren und den aerodynamischen Veränderungen bremst uns schon ziemlich ein, aber das haben wir ganz gut kompensiert.

Wie genau?

Im Grunde überall am Auto. Das Differential wurde verändert, die Achskinematik und natürlich auch die Aerodynamik. Da ist uns vielleicht der größte Schritt gelungen. Wir haben mehr aerodynamischen Abtrieb gefunden und das Auto fährt sich wirklich gut. Mit dieser Basis-Abstimmung wollen wir auch beim Rennen in Long Beach an den Start gehen. Das hilft uns schon ziemlich.

Inwiefern?

Durch die ganzen Regeländerungen können wir die Werte vom letzten Jahr nicht übernehmen. Vor allem die Erhöhung der Fahrzeughöhe um fünf Millimeter macht beim Fahrverhalten des Autos wirklich einen extremen Unterschied.

Wer sind die größten Konkurrenten?

Mit Sicherheit Ferrari, natürlich die Farnbacher-Loles-Porsches und BMW ist auch nicht zu unterschätzen. Die haben ja jetzt auch noch mal 25-Kilogramm rausbekommen ...

Da sind wir schon beim Thema. Bei BMW scheint es wohl einige Reglement-Grenzwertigkeiten zu geben. Zum Beispiel dürfen sie ein Getriebe nach hinten bauen, obwohl es beim-Serien-M3 vorne ist. Jetzt kommt noch die Erlaubnis der Gewichtsreduktion. Fürchten Sie eine Lex BMW?

Das ist natürlich nicht schön für uns, wenn man sieht, dass andere Zugeständnisse bekommen, nur weil sie sich beklagen. Und die dann noch vor einen stehen. Das ärgert einen schon. Aber das ist nicht meine Entscheidung, das muss die IMSA regeln. Aber ich nehme an, dass BMW da schon Druck macht.

Welche Zugeständnisse meinen Sie?

Das Auto ist nach dem GT2-S-Reglement für Limousinen gebaut. BMW nutzt jetzt ganz konsequent die Vorteile, die dieses Reglement bietet. Die haben einen größeren Ansaugluft-Begrenzer und die erwähnte Transaxle-Bauweise mit dem Getriebe hinten.

Was ist für Sie das Besondere an der American Le Mans Series?

Zum einen sind die Strecken bei der American Le Mans Series richtig gut. Die sind vom Sicherheits-Standard zwar wie Europa vor 20 Jahren, was die Auslaufzonen angeht. Aber die Strecken an sich sind schon sehr anspruchsvoll. Zum anderen mag ich einfach die entspannte Atmosphäre, die hier herrscht. Meiner Meinung nach ist die AMLS die beste GT-Serie weltweit.

Inwiefern muss man hier seine Einstellung ändern? In den Nachwuchsserien und im Formel-Sport ist sicher jeder selbst der Nächste ...

Als reiner Egomane kommst Du hier nicht weit. Natürlich muss ein gesunder Egoismus immer noch vorhanden sein. Aber das Team steht immer im Vordergrund. Da ja sich ja zwei Fahrer ein Auto teilen, hilft es nichts, wenn man eine Sekunde schneller ist als der Teamkollege. Im Endeffekt zählt nur das Ergebnis. Also muss man alles dafür tun, damit auch der zweite Fahrer schnell ist.

Dennoch treffen hier zwei Kulturen aufeinander ...

Stimmt. Als ich hier nach Amerika kam, musste ich mich schon umstellen. Da habe ich schon einen kleinen Kultur-Schock bekommen. Die Arbeitsweise war schon ein bisschen anders. Wir Deutschen wollen halt den hundertprozentigen Perfektionismus. Aber da haben die Amerikaner ziemlich aufgeholt. Außerdem ...

Ja?

Außerdem muss man lernen, die Sachen richtig zu kommunizieren. Wenn man ganz direkt sagt, was Sache ist und das noch mit deftigen Ausdrücken unterstützt, ist man hier schnell unten durch. Hier muss man sich schon sehr diplomatisch äußern und alles amerikanisch freundlich verpacken.

Wäre die DTM für Sie keine Alternative?

Grundsätzlich schon, aber da spielt mir doch die Politik eine zu große Rolle.

Wann sehen wir Sie beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife?

Mal abwarten. In den letzten Jahren war häufig das Problem, dass parallel dazu immer das 24-Stunden-Rennen in Le Mans stattgefunden hat und ich dort fahren musste. Grundsätzlich habe ich schon Interesse, aber es muss halt auch ein konkurrenzfähiges Auto sein. Nur um dabei zu sein, brauche ich es nicht wirklich.

Ihr Vater ist ja der Michael Schumachers Lehrmeister. Warum haben Sie nie den Sprung in die Formel 1 geschafft?

Ich bin mit 1,94 Meter schlicht zu groß. Nachdem ich Formel Opel gefahren bin, hätte ich einen Formel-3000-Test absolvieren sollen, aber da habe ich schon nicht mehr ins Auto gepasst und da hatte sich das mit der Formel 1 schnell erledigt.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in der Formel 1?

Sehr interessant. Die Regeländerungen haben ja schon mal einiges durcheinander gewürfelt. Etablierte Teams wie McLaren und auch Ferrari mussten schon einen ziemlichen Rückschlag hinnehmen. Man muss halt abwarten, wie es im weiteren Verlauf der Saison aussieht. Ob die großen Teams da wieder aufholen können und die kleineren wieder zurückfallen.

Warum kommen so viele gute Renn-Fahrer, wie Sebastian Vettel, Nick Heidfeld oder eben auch die Schumacher-Brüder aus der Gegend um Kerpen bzw. Köln?

Ein Hauptgrund ist sicher die hervorragende Nachwuchsarbeit des Kartclubs Kerpen-Manheim. Wenn ich Zeit habe, drehe ich dort immer wieder einige Runden.

Beim GT3 ist ja der Techniktransfer zu der Straßenversion. Wie groß ist Ihr Anteil daran?

Wir machen schon Abnahmefahrten und natürlich werden Elemente aus dem Rennsport übernommen. Aber aktiv in die Serienentwicklung sind wir nicht eingebunden. Weil einfach auch die Zeit dafür nicht da ist. Das Hauptaugenmerk für uns Werksfahrer liegt auf der Entwicklung der Motorsport-Modelle.

Würden Sie Ihrem Kind raten, Rennfahrer zu werden?

Meiner Tochter eher als einem Jungen (lacht). Als Frau hat man vermarktungstechnisch deutlich bessere Chancen, Geld zu verdienen. Spaß beiseite: Wenn das Kind Spaß daran hat, logisch. Im Sommer wollen wir unserer Tochter mal ein paar Runden im Kart drehen lassen und dann sehen, wo das hinführt.

Interview: Wolfgang Gomoll

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