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Lackpflege: Attacke der Lackfresser

Gerade im schönsten Sonnenschein sollte der Wagen glänzen. Dumm nur, dass gerade die harmlosen Begleiterscheinung der schönen Jahreszeit, dem Lack am meisten zusetzen.

Das Parken in einer romantischen Lindenallee, lästiger Vogelkot und der Zusammenprall mit Insektenflottillen gehört zu den härtesten Belastungen für die schützende Außenhaut des Fahrzeugs. Anders als bei den winterlichen Torturen durch Streusalz und Matsch wird diese Gefahr von den meisten Autobesitzern unterschätz. Sie sehen in dem fetten Klacks Möwenkot und den klebrigen Harzreste vor allem eine optische Beeinträchtigung, den tückischen Kombinationsangriff mit B- und C-Waffen erkennen sie nicht.

Gefährliche Tiefenwirkung

Um es kurz zu machen: Diese Verunreinigungen kleben nicht nur ekelhaft auf der Oberfläche, sie fressen sich in den Lack hinein. Die chemische Zusammensetzung der "Bio-Kontanimation" ätzt sich geradezu in die Tiefe. Der sehr aggressive Möwenkot kann auch einem neuen Lack so zusetzen, dass hässliche Flecken sprich Beschädigungen zurückbleiben. Wenn dem Kot genügend Zeit für sein Zerstörungswerk bleibt. Bei Insekten kann sich kaum ein Fahrer vorstellen, wie deren Überbleibsel schädlich wirken können. Nach Fahrten in der Dämmerung kleben Tausende Insekten an der Frontpartie. Die Chitinreste wirken sehr aggressive. Zusätzlich werden Eiweiß, Chinin und andere Stoffe freigesetzt, die Decklack angreifen. Das im Vogelkot vorkommende Ferment Pankreatin ist in der Lage, auch sehr resistente Lackoberflächen nach kurzer Zeit anzugreifen. Schon nach kurzer Zeit sind Rissbildungen die Folge.

Die 15-fache Vergrößerung eines Fliegenabdrucks durch ein spezielles Mikroskop-Fotoverfahren sichtbar gemacht. Im unteren Bereich ist der Lack herausgebrochen. Die Flügel stellen sich in Form von Decklackrissen dar.

Die 15-fache Vergrößerung eines Fliegenabdrucks durch ein spezielles Mikroskop-Fotoverfahren sichtbar gemacht. Im unteren Bereich ist der Lack herausgebrochen. Die Flügel stellen sich in Form von Decklackrissen dar.

Nur nichts anbrennen lassen

Auch wenn es ein bisschen penibel aussieht: Diesen Schmutz sollten Sie entfernen, sobald Sie ihn entdecken. Erstens härten die Überbleibsel schnell aus, die betonharten Reste sind dann nur noch mit einem speziellen Reiniger zu empfehlen. Als Sofortmaßnahme reicht es aus, wenn Sie ein feuchtes Küchentuch auf die entsprechende Stelle legen, es einwirken lassen und die Hinterlassenschaft sanft aufnehmen. Sehr viel praktischer sind spezielle Reinigungstücher für den einmaligen Gebrauch. Diese Tücher sind bereits mit einem speziellen Reiniger imprägniert - Modell "Hakle feucht" für den Schmutz -, dadurch benötigen sie weniger Zeit zum Einwirken.

Der sanfte Schlag entwaffnet den Gegner

Sollten Sie der Lack-Gefahr nicht sofort begegnet sein und sich bereits steinharten Krater befinden, heißt es nun: Ruhe bewahren. Auf keinen Fall sollten Sie zu brachialen Methoden greifen. Das "Abspachteln" mit harten Gegenständen sollte sich von selbst verbieten, wird aber trotzdem gern praktiziert. Davon ist mit aller Entschiedenheit abzuraten, mit der Methode bleiben immer bleibende Kratzer zurück. Gern wird auch zu so genannten "Insektenschwämmen" gegriffen. Diese Schwämme sind hart und eignen sich allenfalls für Scheiben, auch der beste Lack kann dem Geschrubbel mit einer Art Topfschwamm nicht widerstehen. Eine Ablösung mit einem Hochdruckreiniger ist zwar möglich, aber auch hier gilt es Vorsicht und Abstand zu halten. Grundsätzlich ist die Reinigung mit einem speziellen Reiniger die Methode der Wahl, meist löst etwa ein Baumharzentferner auch Insektenreste ab.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose
Der richtige Reiniger hilft, ohne zu schaden

Der richtige Reiniger hilft, ohne zu schaden

Der fatale Griff zum Haushaltsregal

Das Shampoonieren des Wagens mit Spüli ist zwar nicht die richtige Methode, sollte aber keine irreparablen Schäden hinterlassen. Wer aber versucht, hartnäckige Vogelkrusten oder Harztropfen mit Haushaltsmitteln beizukommen, wird seinen Lack ruinieren. Der Grund ist ganz einfach: Harmlose Shampoos helfen hier nicht weiter, wirksame Haushaltsreiniger enthalten Lösungsmittel, die dem Lack zusetzen. Also: Hände weg! Reiniger für die Autopflege sind - zumindest die Markenprodukte - eigens dafür entwickelt worden, wirksam zu sein, aber auch Materialverträglich.

Besser das richtige Mittel

Neben dem AdHoc-Tuch für unterwegs, sollte man daher wirksame Reiniger für die typischen Problemfälle Vogelkot, Baumharz und Insektenreste einsetzen. Sie gibt es meist entweder als Sprayflasche oder als Flüssigkeit. Wenn Sie skeptisch sind, machen Sie einen Versuch. Das Ergebnis verblüfft, der richtige Reiniger löst die Verschmutzung schneller und gründlicher. Trotz der Wirkkraft greif diese Mittel den Lack nicht an. Bei hartnäckigen Flecken hilft auch hier übrigens keine Gewalt. Lassen Sie das Mittel länger einwirken und wiederholen Sie den Vorgang. In Zukunft werden Sie sofort mit dem Dreck aufräumen, das erleichtert die Prozedur erheblich.

Gernot Kramper 

Wissenscommunity