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Luxus- Autopflege: Nicht nur sauber, sondern rein - Wagenpflege für Liebhaber

Beim Autopflege-Seminar in Baden-Baden entdecken Männer eine verloren geglaubte Leidenschaft - tagelang putzen. Das lassen sie sich 1920 Euro kosten.

Von Mario Vigl

Mit dem Einsatz des ganzen Körpers veredeln die Teilnehmer des Pflegeseminars ihre Fahrzeuge.

Mit dem Einsatz des ganzen Körpers veredeln die Teilnehmer des Pflegeseminars ihre Fahrzeuge.

Der Feind kommt meist von vorn, als Kamikazefliege. Manchmal wirft er seine heimtückische Ladung von oben ab. "Nach einer Woche Toskana haben Sie richtige Einschusslöcher im Lack von den Insekten", sagt Jens Mächler im Seminarraum des "Brenner´s Park-Hotel" in Baden-Baden.

Fünf Männer hören gebannt zu. "Noch schlimmer ist Vogelkot", sagt Mächler. "Wenn der einen Tag drauf bleibt, kriegen Sie das nicht mal mehr mit Schleifen weg." Und am allerschlimmsten? "Adlerkot, das ist ja das Aggressivste überhaupt."

Baumharz, Regen, Abgase, kratzbürstige Waschanlagen - die Gefahren lauern überall. Die fünf Teilnehmer wollen sich bei Mächlers "Fahrzeug-Pflege-Seminar" dagegen wappnen. Zwei Tage lang, mit vier Teepausen und 5-Sterne-Luxus inklusive Abschlussmaniküre.

Für den Preis des Kurses könnten sich die Teilnehmer einen kleinen Gebrauchtwagen kaufen: 1920 Euro kostet Mächlers Seminar als Pauschalpaket. Die Kunden sind meist Besitzer von Raritäten, Sammler, in jedem Fall aber Autonarren. "Manche sagen mir: Meine Frau schick ich auf die Schönheitsfarm, mein Auto mach ich selber", grinst Mächler.

Die Pflegeprodukte fürs Auto klingen, als könnten damit auch die Gattinnen behandelt werden. Die Schweizer Linie Swizöl bietet Wachs mit Kokosnussextrakten, Felgenreiniger auf Eukalyptusbasis, Ledermilch mit Vitamin E und Bananenöl. "Die Emulsion für den Reifen zieht komplett ein und gibt dem Kautschuk die natürliche Feuchtigkeit zurück", erklärt Mächler. Der Oil-of-Olaz-Effekt fürs Auto. Die "Swizöl Master Collection" (560 Euro) besteht aus 20 Teilen für die vollendete Rundumpflege von Lack, Chrom, Leder, Glas. "Wir werden hier ja noch die perfekten Hausmänner", grummelt Architekt Florian, der mit seinem knallgelben TVR Roadster anreiste.

Mit klarem Wasser spült Mächler einen Saab 900 vor. Der einstige schwarze Metalliclack ist nicht mehr zu erkennen, stumpf steht das Auto da. "Den erwecken wir wieder zum Leben", meint Mächler. Sein Optimismus entspricht dem eines Staubsaugervertreters, der einen Müllbeutel im Wohnzimmer ausleert und zu saugen beginnt.

Der 36-jährige Mächler ist ein Hohepriester der Autopflege und mit an Irrsinn grenzendem Perfektionsstreben ausgestattet. Kunden buchen ihn weltweit, um ihrem wertvollen Wagen eine perfekte Anti-Aging-Behandlung zukommen zu lassen. In seinem Trakt der "Brenner´s"-Tiefgarage steht ein brauner Mercedes 500K, Luxus-Roadster von 1934. Den Oldtimer, 4,5 Millionen Euro wert, bringt Mächler gerade fürs Mercedes-Benz-Museum auf Hochglanz.

Unter den Teilnehmerautos steht ein Mercedes CLK, der bereits vor dem Kurs so blitzt, wie man es sich für OP-Tische wünscht. Besitzer Jürgen, frühpensionierter Finanzbeamter, bezeichnet Autopflege denn auch als seine Leidenschaft. Der gelbe TVR von Florian schimmert nur matt. Des Weiteren: ein Porsche Boxster, ein Carrera Widebody von TechArt und ein Bentley Arnage. Sowie der Mitleid erregende Saab.

Zen oder die Kunst einen Wagen zu polieren. Zeit und Raum verschwinden, wenn der Glanz entsteht.

Zen oder die Kunst einen Wagen zu polieren. Zeit und Raum verschwinden, wenn der Glanz entsteht.

Mächler verteilt Knetmasse ("Paint Rubber"), mit der die Karosserie von totem Lack, altem Wachs und kleinen Kratzern befreit wird. Die Männer reiben stundenlang. Eine fast meditative Stimmung entsteht.

Nachmittags stößt die 26-jährige Blech-kosmetikerin Jessica zur Putzkolonne, um das weiße Peugeot-Cabriolet eines Freundes aufzuhübschen. "Meinen eigenen Polo habe ich noch nie geputzt", flötet sie - und schon finden sich drei willige Helfer, das Gelernte auch ihr nahe zu bringen. Eine Stunde lang arbeiten sie konzentriert. Plötzlich sagt Jessica: "Draußen scheint die Sonne. Wieso seid ihr nicht am Baggersee und massiert euren Freundinnen die Füße?" Ein paar Sekunden lang herrscht betretenes Schweigen. Dann sagt einer der Porsche-Fahrer: "Weil wir unsere Autos lieben."

Sonntagmorgen. Die Teilnehmer wachsen ihre Autos. Mit bloßen Händen. "Wegen der Körperwärme", sagt Mächler. Sie massieren die Türen, reiben die Kotflügel ein, spüren jeder Rundung ihres geliebten Spielzeugs nach. Sie wachsen über sich hinaus, drei Stunden lang. Der Pflegekurs mutiert zum automobilen Tantraseminar.

Nach dem Wachsen wird poliert, mit Handtuch und Mikrofaserlappen. Die Ergebnisse? Spektakulär. Der TVR glänzt sattgelb, der CLK leuchtet dermaßen, dass die Augen schmerzen. Und selbst der Saab strahlt. Sein Lack wirkt auf einmal so tief wie ein Bergsee. "So lange habe ich meine Frau noch nie massiert", resümiert Christian die zwei Tage. "Dein Porsche", antwortet Mächler, "hat ja auch die bessere Figur."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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