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Öko-Automobile: Falsche Signale vom fallenden Ölpreis

Weil die geschwächte Weltkonjunktur die Nachfrage nach Rohöl bremst, sinkt der Preis schnell und tief. Das Interesse der Autokäufer an Spritsparmobilen sinkt. Aber an der Endlichkeit der fossilen Ressourcen besteht kein Zweifel.

Von Christoph M. Schwarzer

Alle waren sich sicher: Jetzt beginnt das langsame Ende des Ölzeitalters. Seit Jahresbeginn verzeichneten die Autosegmente mit niedrigen Kohlendioxidwerten und sparsamen Verbrauch zweistellige Zuwachsraten. Weil steigende Benzin- und Dieselpreise als Folge des hohen Ölkurses den Kauf von ökologischeren Autos auch ökonomisch sinnvoll machten. Und weil der deutsche Staat und die Europäische Union Anreize versprachen und mit Strafen drohten. Aber heute ist Konjunkturkrise. Die Wirtschaft macht weltweit schlapp. Der Ölpreis sinkt nicht nur, er fällt. Und sendet damit völlig falsche Zeichen. Autokunden und Industrie könnten sich von den scheinbar niedrigen Preisen dazu verführen lassen, wieder ins alte Verhalten zurückzufallen: Sparsame Autos bauen oder kaufen? Lohnt sich ja doch nicht. Und der Gesetzgeber? Ach, der kommt ja eh nicht zu Pott.

"Real Oil Price" immer noch sehr hoch

stern.de hat bei den Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nachgefragt und sich den tatsächlichen Ölpreis ausrechnen lassen. Also nicht den, der im kleinen Randfenster der Nachrichtensender permanent den aktuellen Kaufpreis in US-Dollar ausweist. Sondern den in Euro, und zwar inflationsbereinigt. Der lag bei den letzten Höchstständen von über 140 Dollar bei tatsächlichen 74 Euro. Ein Niveau wie in der ersten Hälfte der 80er Jahre, in denen der "Real Oil Price" nach heutigem Geld bei 61 bis 76 Euro lag. Das hieß damals zweite Ölkrise und war zugleich der zweite Warnschuss. 2008 knallte der dritte. Mit Glück im Unglück: Der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar milderte die Auswirkungen der starken Ausschläge für uns. Bei den in der ersten Jahreshälfte stetig steigenden Ölpreisen sank der Kurs des Greenbacks und dämpfte damit den negativen Realeffekt. Und nun geht es umgekehrt – der Euro ist schwach, und wir kommen nicht in den vollen Genuss sinkender Rohölkurse.

Der Käufer handelt ökonomisch

In den Managementabteilungen der Autokonzerne glühen derweil die Köpfe: Lohnen sich die gigantischen Investitionssummen in die Entwicklung von Elektroautos und anderen Sparkonzepten? Wenn der Ölpreis wieder auf das Level der 90er Jahre fällt, in denen der "Real Oil Price" zwischen elf und 24 Euro lag, könnte alle Elektro-Smarts und Hybrid-BMWs das Schicksal des 3-Liter-Lupos erleiden. Was sich betriebswirtschaftlich nicht zügig rechnet, wird aus ökologischen Gründen nur selten und dann nur von den so genannten LOHAS ("Lifestyle of Health and Sustainabilty") gekauft. Die müssen nicht aufs Geld schielen, weil sie es haben. Und den grünen Lebensstil finden sie cool.

Warum neu kaufen?

Dabei produziert die Autoindustrie immer mehr Wagen mit niedrigem Verbrauch. VW bringt noch dieses Jahr die zweite Version des Passat BlueMotion mit einem CO2-Ausstoß von 114 Gramm pro Kilometer oder 4,3 Litern Diesel. Eine kleine Sensation, fast nebenbei auf den Markt geworfen. Bei weiter fallendem Ölpreis werden sich Käufer aber fragen, wieso sie zum neuen Sparmobil greifen sollen. Der alte TDI nahm auch nur fünfeinhalb Liter. Die Autoindustrie hat bei Sicherheit, Komfort und Höchstleistung in den letzten 20 Jahren größere Fortschritte als beim Verbrauch gemacht – eine weitere Gefahr.

Keine Anreize, keine Strafen

Die droht zusätzlich von Staat und EU. Im Dezember 2007 kündigte die Bundesregierung die Einführung der CO2-basierten Kfz-Steuer an. Im Bund-Länder-Hickhack wurde sie zerrieben. Jetzt ist sie am Rand der Wiederauferstehung, getarnt als "Konjunkturprogramm". Kommt sie nicht, fehlt ein Anreiz für den Kauf spritschonender Wagen. Kommt sie, ist zu hoffen, dass sie deutlich genug ausfällt, um tatsächlich einen Lenkungseffekt zu haben. Ein Golf VI mit 1,4 Litern Hubraum kostet im Jahr nur 95 Euro. Peanuts im Vergleich zum Kaufpreis. Da müsste Schwarz-Rot wirklich mutig sein und kräftige Erhöhungen für starke Trinker durchsetzen, um Prospektlecker und Configurator-Klicker zu Neuwagenkäufern zu machen. Auch die EU ringt um einen Kompromiss zur Deckelung des Verbrauchs. Fällt die geplante Verordnung zur Reduzierung des Verbrauchs zu lasch aus oder wird sie am Ende sogar verschoben, wäre das ein weiterer Bärendienst für die Autoindustrie.

Peak Oil kommt sicher

Endkunden und Autoproduzenten dürfen sich von vorübergehend niedrigen Ölpreisen und fehlenden staatlichen Rahmenbedingungen nicht täuschen lassen. Eine weltweite Rezession könnte den Peak Oil, also den Punkt, an dem die dauerhafte Nachfrage die Fördermöglichkeiten übersteigt, höchstens hinauszögern. Er kommt aber ganz sicher. Wer als Halter dann den richtigen Wagen in der Garage hat, schont seine Kaufkraft. Und der Autoindustrie ist zu wünschen, dass sie den Fehler des Audi A2 nicht wiederholt. Der wurde ersatzlos gestrichen. Wäre er konsequent weiterentwickelt worden, könnte er in Zeiten der Kaufangst und Verunsicherung einer der wenigen Gassenhauer sein. Gebrauchte Exemplare werden teuer gehandelt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.